Frauen reagieren stärker auf soziales Umfeld

Ein Forscherteam des Laboratorio di Elettrofisiologia Cognitiva der Universität Milano-Bicocca und des Istituto di Bioimmagini e Fisiologia Molecolare hat nachgewiesen, dass sich Frauen wegen ihrer Erbanlagen bei sozial relevanten Vorgängen einfühlsamer verhalten als Männer. Frauen falle es leichter, anderen Personen ihre Emotionen mitzuteilen und die nicht-verbalen Gefühlsäußerungen anderer zu interpretieren.

Grundlage der Untersuchung waren die Reaktionen von jeweils zwölf Studenten und Studentinnen beim Vorführen von insgesamt 220 Farbbildern, auf denen Personen verschiedenen Alters und wechselnder Anzahl in gesellschaftsbezogenen Tätigkeiten wie Radfahren, Lesen, Spielen oder Einkaufen sowie unterschiedliche Landschaften, Gebäude oder Räume ohne Menschen abgebildet waren.

„Eine empathische Reaktion des vorderen Hirnlappens nach Ablauf von 210 Millisekunden auf personenbezogene Situationen hat sich nur bei Frauen eingestellt“, bestätigen die Wissenschaftler Alberto Zani und Alice Mado Proverbio. „Nur bei den Männern hingegen wurde die bei der räumlichen Wahrnehmung der Landschaften und Gebäude vermutlich mitbeteiligte Archicortex aktiviert.“

Bei einem Direktvergleich der beiden Geschlechter unter Verwendung der Low-Resolution-Magnetic-Tomography (swLORETA) zeigte sich ein signifikanter Unterschied bei der Stimulierung des rechten Superior Temporal Cortex (BA22) und des für die Bewertung von Sozialvorgängen wichtigen Cortex Cingularis Anterior. „Die empathische Präferenz der weiblichen Testpersonen auf biologisch relevante Ereignisse wie das Wahrnehmen eines Menschen war eindeutig“, bestätigte Alice Mado Proverbio. „Wir schließen daraus, dass diese Art erhöhter Aufmerksamkeit auf die Rolle der Frau als Ernährerin und Erzieherin zurückzuführen ist, da diese beim Aufziehen von Kindern geschärft und optimiert wird.“

Die gewonnenen Erkenntnisse decken sich mit Ergebnissen einer Untersuchung des Leibniz Institute for Neurobiology in Magdeburg, wonach Frauen wegen ihrer genetischen Veranlagung besser auf preverbale Kindeslaute und damit auch auf Stimulanzen sozialer Art eingestellt sind als beispielsweise auf Maschinen oder andere leblose Gegenstände. „Unsere Studie dient auch dem besseren Verständnis der je nach Geschlecht unterschiedlich ausgeprägten Erscheinungsbilder von Empathiemängeln wie autistischem oder asozialem Verhalten, die bei Männern häufiger vorkommen als bei Frauen“, so die italienische Wissenschaftlerin abschließend. Einzelheiten der Untersuchung sind in der Fachzeitschrift „BMC Neuroscience“ veröffentlicht.

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Harald Jung pressetext.austria

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