Von Mainzer Wissenschaftlern mitentwickeltes Lasersystem besteht Test im Weltraum

KALEXUS-Apparatur Foto/©: KALEXUS-Team

Ein von Mainzer Wissenschaftlern mitentwickeltes Lasersystem ist am 23. Januar 2016 erfolgreich an Bord einer Höhenforschungsrakete der Mission TEXUS 53 getestet worden. TEXUS steht für „Technologische Experimente unter Schwerelosigkeit“ und ist ein Wissenschaftsprogramm, das vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) finanziert und organisiert wird.

Die aus Nordschweden startenden Raketen erreichen eine maximale Höhe von 250 Kilometern und ermöglichen eine sechs Minuten andauernde Schwerelosigkeit. In einem solchen Flug können bis zu fünf unabhängige Experimente aus verschiedensten Fachrichtungen durchgeführt werden.

Eines davon ist KALEXUS – Kalium-Laserexperimente unter Schwerelosigkeit, ein von der Humboldt-Universität zu Berlin geleitetes Experiment, in dessen Rahmen erstmals ein System zur aktiven Frequenzstabilisierung von Laserlicht auf einen atomaren Übergang von Kalium erprobt wird.

Eine solche frequenzstabile Lichtquelle ist das Herzstück einer Vielzahl von Experimenten mit atomaren Sensoren. Diese können zum Beispiel in der Grundlagenforschung für hochpräzise Messungen von fundamentalen Konstanten oder Gesetzen, aber auch in der Navigation oder Geodäsie zur Anwendung kommen. Gerade für den Einsatz im Weltraum müssen diese Lichtquellen, die meist durch Laser realisiert werden, sehr strenge Anforderungen erfüllen.

Wissenschaftler der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) um Univ.-Prof. Dr. Patrick Windpassinger haben für dieses Projekt ein Modul entwickelt und konstruiert, mit dem die Frequenz eines Lasers relativ zu einer absoluten Frequenzreferenz aktiv stabilisiert werden kann. Die für den Einsatz im Weltraum nötige Stabilität wird dabei durch die Verwendung der Glaskeramik Zerodur® (Schott, Mainz) erreicht.

In diesem Modul wird ein Laserstrahl durch eine mit Kalium gefüllte Gaszelle geleitet und die Absorption durch die Kaliumatome gemessen. Dadurch können Rückschlüsse auf die Frequenz des Lasers gezogen werden, was dann die aktive Stabilisierung der Laserfrequenz ermöglicht.

Als Lichtquelle wird ein neuartiger Extended-Cavity-Diodenlaser vom Ferdinand-Braun-Institut, Leibniz-Institut für Höchstfrequenztechnik, Berlin, verwendet. Die notwendige Steuerelektronik wurde von der Leibniz Universität Hannover entwickelt.

Die in diesem Experiment verwendete Technologie ist ein wesentlicher Bestandteil der Lasersysteme für eine Vielzahl von weiteren Projekten zu Präzisionsmessungen im Weltraum, wie etwa den MAIUS-Missionen zur Untersuchung des Einstein’schen Äquivalenzprinzips.

Neben KALEXUS wurde auch das bereits im April 2015 erfolgreich durchgeführte FOKUS-Experiment (Faseroptischer Frequenzkamm unter Schwerelosigkeit) erneut geflogen. Dazu wurde von Mainzer Wissenschaftlern ein verbessertes Spektroskopiemodul für Rubidium entwickelt, das verschiedene Spektroskopiemethoden miteinander verbindet. Durch Kombination der beiden Experimente gelang der erstmalige Vergleich zweier optischer Uhren im Weltraum.

Weitere Informationen:
Dr. André Wenzlawski
Arbeitsgruppe Quanten-, Atom- und Neutronenphysik (QUANTUM)
Institut für Physik
55099 Mainz
Tel. +49 6131 39-22876
Fax +49 6131 39-25179
E-Mail: awenzlaw@uni-mainz.de
https://www.qoqi.physik.uni-mainz.de/

https://www.qoqi.physik.uni-mainz.de/research-projects/kalexus/

Media Contact

Petra Giegerich idw - Informationsdienst Wissenschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie

Von grundlegenden Gesetzen der Natur, ihre elementaren Bausteine und deren Wechselwirkungen, den Eigenschaften und dem Verhalten von Materie über Felder in Raum und Zeit bis hin zur Struktur von Raum und Zeit selbst.

Der innovations report bietet Ihnen hierzu interessante Berichte und Artikel, unter anderem zu den Teilbereichen: Astrophysik, Lasertechnologie, Kernphysik, Quantenphysik, Nanotechnologie, Teilchenphysik, Festkörperphysik, Mars, Venus, und Hubble.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Neues Hydrothermalfeld durch MARUM-Expedition entdeckt

Heiße Quellen treten weltweit an Spreizungsrücken der Erdplatten auf. Am 500 Kilometer langen Knipovich-Rücken, gelegen zwischen Grönland und Spitzbergen, waren Hydrothermalquellen bisher unbekannt. Während der 109. Expedition mit dem Forschungsschiff…

Virtuelle Reise durch Mund, Kiefer und Zähne

Eine Virtual-Reality-Brille (VR) soll Studenten der Zahnmedizin zukünftig beim Lernen, der Diagnostik und später auch in der Patientenbehandlung unterstützen. Das Team der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik des Universitätsklinikums Regensburg (UKR)…

TU Dresden erforscht energieeffiziente Funkzugangsnetze der Zukunft

Startschuss für DAKORE: Mobilfunknetze sind wahre Stromfresser. Aktuell verbrauchen alleine die Funkzugangsnetze in Deutschland jährlich ca. 750 GWh an elektrischer Energie, also ungefähr so viel wie 250.000 Privathaushalte. Basierend auf…

Partner & Förderer