Das Weltall im Labor nachgebaut

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat zum 1. Juli an den Universitäten in Chemnitz und Jena eine neue Forschergruppe eingerichtet. Sie soll in Laborexperimenten und mit theoretischen Modellen erforschen, wie unter den extremen Bedingungen, die im Weltall herrschen, neue Moleküle gebildet und zerstört werden und welche Rolle die Staubteilchen dabei spielen. Die Forschungsergebnisse sollen helfen, die Beobachtungen von Hochleistungsteleskopen besser deuten zu können. Der Sprecher der Gruppe, in der insgesamt dreizehn hochkarätige Wissenschaftler mitarbeiten, ist der Chemnitzer Physiker Prof. Dieter Gerlich. Insgesamt sind zehn Forschungsprojekte geplant, die die DFG mit zusammen einer Million Mark pro Jahr fördert. Solche Forschergruppen richtet die DFG ein, um die enge Zusammenarbeit herausragender Wissenschaftler auch über nationale Grenzen hinweg über einen längeren Zeitraum zu fördern.

Die neue DFG-Forschergruppe trägt den Namen „Laborastrophysik: Struktur, Dynamik und Eigenschaften von Molekülen und Staubteilchen im Weltraum“. Sie ermöglicht es den Wissenschaftlern, über mehrere Jahre auch mit Gastwissenschaftlern zusammenzuarbeiten und sich einem besonderen Forschungsgebiet zu widmen. Acht der Forscher arbeiten am Institut für Physik der Chemnitzer Uni, vier am Astrophysikalischen Institut und der Sternwarte der Uni Jena und einer am Institut für Theoretische Physik der Uni Paderborn. Das Forschungsprogramm ist vorerst auf drei Jahre angelegt. Etwa ein Drittel der Fördersumme ist für die Anschaffung neuer Geräte und für den Betrieb der komplizierten Laborausrüstung gedacht. An den beteiligten Professuren werden außerdem eine volle und elf halbe Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter neu eingerichtet. Auch die Ausbildung der Studenten wird von der Forschergruppe profitieren.

Um an die Fördermittel zu kommen, musste zunächst ein Antrag bei der DFG gestellt werden – er umfasste rund 300 Seiten. „Wir haben das gleich in Englisch gemacht“, so Prof. Gerlich, „das ist nun mal die internationale Wissenschaftssprache. Außerdem gibt es in Deutschland nicht so viele Gutachter, die mit unserem Arbeitsgebiet näher vertraut sind. Ausländische Gutachter waren uns ohnehin wichtig. Das positive Urteil dieser Gutachter zeigt uns außerdem, wie sehr die Chemnitzer Physikforschung mittlerweile in der Welt anerkannt ist.“

Für ihre Versuche sind die Labors der Chemnitzer und Jenaer Wissenschaftler erstklassig ausgestattet. Für ihre Forschung entwickelten Sie eigens neue Ionen- und Teilchenfallen. In diesen Fallen lassen sich sogar einzelne Molekühle einfangen und nachweisen. Auf diese Weise kann man den interstellaren Staub nachbilden und seine Eigenschaften bestimmen. Da viele dieser Geräte nach dem Baukastenprinzip aufgebaut sind, lassen sie sich leicht kombinieren oder mit zusätzlichen Geräten koppeln. Mehrere Lasersysteme, Vakuumanlagen und Hochleistungsrechner gehören ebenfalls zur Ausstattung.

(Autor: Hubert J. Gieß)

Weitere Informationen: Technische Universität Chemnitz, Fakultät für Naturwissenschaften, Institut für Physik, Reichenhainer Str. 70, 09107 Chemnitz, Prof. Dr. Dieter Gerlich, Telefon (03 71) 5 31-31 35, Fax (03 71) 5 31-31 03, E-Mail: gerlich@physik.tu-chemnitz.de

Wichtiger Hinweis für die Medien: Ein Foto zum Text erhalten Sie über Zentralbild GmbH, Tel. 030/2852-1511 (Fotograf: dpa/Wolfgang Thieme, Funkbild-Nummer CHE-01-01.08.2000 (Basisdienst) und CHE-40-01.08.2000 (Ost)).

Media Contact

Dipl.-Ing. Mario Steinebach

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie

Von grundlegenden Gesetzen der Natur, ihre elementaren Bausteine und deren Wechselwirkungen, den Eigenschaften und dem Verhalten von Materie über Felder in Raum und Zeit bis hin zur Struktur von Raum und Zeit selbst.

Der innovations report bietet Ihnen hierzu interessante Berichte und Artikel, unter anderem zu den Teilbereichen: Astrophysik, Lasertechnologie, Kernphysik, Quantenphysik, Nanotechnologie, Teilchenphysik, Festkörperphysik, Mars, Venus, und Hubble.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Erfolg für Magdeburger Wissenschaftler*innen mit einem „Brutkasten“ für die Lunge

Forschungspreis der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie 2020 geht an Chirurg*innen der Universitätsmedizin Magdeburg Die Arbeitsgruppe „Experimentelle Thoraxchirurgie“ der Universitätsmedizin Magdeburg unter der Leitung von Dr. Cornelia Wiese-Rischke wurde für die…

Mehr als Muskelschwund

Forschungsnetzwerk SMABEYOND untersucht Auswirkungen der Spinalen Muskelatrophie auf Organe Spinale Muskelatrophie (SMA) ist eine erblich bedingte neurodegenerative Erkrankung. Dabei gehen die motorischen Nervenzellen im Rückenmark und im Hirnstamm allmählich zugrunde,…

Molekulare Bremse für das Wurzelwachstum

Die dynamische Änderung des Wurzelwachstums von Pflanzen ist wichtig für ihre Anpassung an Bodenbedingungen. Nährstoffe oder Feuchtigkeit können je nach Standort in höheren oder tieferen Bodenschichten vorkommen. Daher ist je…

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close