Augen der Landschaft – Bedeutung von Kleingewässern im 21. Jahrhundert

Es ist schon Tradition der Mitglieder und Interessenten des EPCN, alle zwei Jahre zu einem internationalen Erfahrungsaustausch über die Erforschung und den Schutz von Kleingewässern zusammenzukommen. Die diesjährige 4. EPCN-Konferenz fand im Bildungszentrum Erkner bei Berlin statt.

Dabei belegte die Zahl von 118 Teilnehmern aus 22 Ländern Europas das wachsende Interesse an der Thematik. Gastgeber war das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e. V. in Müncheberg mit Mitarbeitern seiner Institute für Landschaftswasserhaushalt sowie für Landnutzungssysteme.

Organisiert wurde die Konferenz unter Führung des Biologen Dr. Thomas Kalettka, Mitglied des EPCN-Präsidiums und Vorsitzender des Arbeitskreises „Kleingewässer“ der Deutschen Limnologischen Gesellschaft.

Die zunehmende Erkenntnis der enormen Bedeutung und wachsenden Gefährdung von Kleingewässern war 2004 Anlass zur Gründung des EPCN. Ziel des Netzwerkes ist die europaweite Intensivierung der Erfassung, der Erforschung sowie des Schutzes von Kleingewässern, Das von der UNO ausgerufene Jahr der Biodiversität 2010 bildete einen hochaktuellen Hintergrund für die 4. EPCN-Konferenz. Im Kleingewässer-Manifest (Pond Manifesto), dem Grundsatzpapier des Netzwerks, ist seit kurzem auch auf Deutsch nachzulesen, welche Bedeutung die wenig beachteten Kleingewässer, die „Augen der Landschaft“, für das Funktionieren und die Artenausstattung der Landschaft haben.

Zu den Kleingewässern zählen alle natürlichen oder künstlichen Standgewässer mit Flächen von weniger als 1 Hektar, laut Ramsar-Konvention über Feuchtegebiete auch Gewässer bis 10 ha Größe. Dazu gehören Tümpel, Pfühle sowie Teiche und Gruben mit unterschiedlichster Zweckbestimmung. Die Millionen Kleingewässer stellen weltweit etwa 30 Prozent der Fläche aller stehenden Binnengewässer – eine nicht zu unterschätzende Ressource. Kleingewässer sind im Nordosten Deutschlands meist die so genannten Sölle (ca. 160.000), eiszeitlich gebildete Senken, die eine stark wechselnde Wasserführung bis zum zeitweiligen Austrocknen aufweisen.

Kleingewässer sind einerseits wichtige Lebensräume für viele Feuchte liebende Pflanzen- und Tierarten, darunter zahlreiche gefährdete Arten wie z. B. Amphibien. Zudem erfüllen sie wichtige Funktionen in der Landschaft, wie z. B. als Trittsteine im Biotopverbund oder als Wasser- und Stoffspeicher. In Deutschland sind Kleingewässer daher gesetzlich geschützte Biotope.

Andererseits sind sie weiterhin oft in ihren Funktionen durch zunehmende Intensivierung der Landnutzung gestört. Folgen sind Verschmutzung, Verlandung und abnehmende Artenvielfalt. Veränderungen des Klimas zeigen ihre Wirkung im häufigeren Austrocknen der Kleingewässer.

Die Teilnehmer der englischsprachigen Konferenz stellten in ihren Vorträgen und Postern Methoden und Ergebnisse ihrer Projekte vor und suchten nach Antworten auf folgende Fragen:

• Wie sind Kleingewässer verschiedener Typen in den Landschaften verbreitet?
• Wie groß ist der Beitrag von Kleingewässern zur Artenvielfalt, welche Funktionen haben sie, welche Ökosystem-Dienstleistungen liefern sie und wie hoch sind ihre Belastungen?
• Wie werden Kleingewässer durch die Gesellschaft wahrgenommen, und was darf deren Schutz und Pflege kosten?
• Welche Unterrichtsprogramme gibt es für die Bevölkerung „vor Ort“ zur Aufklärung über den Wert und Erhalt der Kleingewässer?
• Welche politischen und ordnungsrechtlichen Maßnahmen und Möglichkeiten, insbesondere Erfahrungen und Erfordernisse des Schutzes, der Wiederherstellung und der Bewirtschaftung von Kleingewässern von lokaler bis zur europäischen Ebene, sind sinnvoll und machbar?
Kleingewässer als Spiegel von Umwelt- und Landnutzungseinflüssen, Stand und Perspektiven der Erforschung und des Schutzes von Kleingewässern in Deutschland sowie die Bedeutung von Fischteichen diskutierten die Teilnehmer in drei speziellen Workshops.
Wichtige Ergebnisse der Konferenz waren:
• Das EPCN wird in den Stand einer Gesellschaft mit zahlenden Mitgliedern und Wahl des Präsidiums (1. Präsident: Andrew Hull, Liverpool John Moores University, GB) erhoben.
• Intensivierung der Anstrengungen zur Wahrnehmung und zum Schutz von Kleingewässern durch die Schaffung von Kleingewässer-Aktionsgruppen der Länder (National Pond Action Groups), durch verstärkte Einbeziehung von Praxis-Partnern und durch Sensibilisierung von Gremien der Europäischen Union
• Intensivierung der Anstrengungen zur europaweiten Ausweisung und Zustandsbewertung von wichtigen Regionen mit Kleingewässern (Important Areas of Ponds)
• Schaffung von effektiven Regeln und Entscheidungshilfen zum Schutz und Management von Kleingewässern
• Durchführung von Trainingskursen zu neuesten Kenntnissen über Methoden zur Erforschung und zum Schutz von Kleingewässern
Das Vortragsprogramm wurde von zwei Ganztagsexkursionen beschlossen, die die Teilnehmer nach Ostbrandenburg in die kleingewässerreiche Agrarlandschaft nahe Müncheberg (Projekte zu Funktionen von Söllen und zum Amphibienschutz) sowie zur Naturschutzstation Rhinluch bei Linum (Projekte zum Schutz von Amphibien und Sumpfschildkröte) führten. Bei herrlichem Ausflugswetter kamen nicht zuletzt die Reize der brandenburgischen Kulturlandschaft zur Geltung.

Die nächste Konferenz findet 2012 statt. Als Kandidaten wurden Großbritannien, Italien und Luxemburg vorgeschlagen.

Weitere Auskünfte erteilt:
Dr. Thomas Kalettka,
Institut für Landschaftswasserhaushalt

Media Contact

Anne Winter idw

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