Weltweit erste Krebs-Enzyklopädie veröffentlicht

Der erste Band eines Buches über den Krebs ist veröffentlicht worden. Experten gehen davon aus, dass dies die Suche nach neuen Medikamenten entscheidend beeinflussen wird.

Die Enzyklopädie listet auf, wie Hunderte verschiedene Krebszellen auf Medikamente gegen diese Krankheit reagieren. Britische, amerikanische und europäische Wissenschaftler gehen davon aus, dass die in Nature veröffentlichten Daten einen Schritt auf dem Weg bedeuten, Krebsmedikamente auf das genetische Profil von Patienten hin maßzuschneidern.

Krebzellen katalogiosiert

Im Labor gezüchtete Krebszellen sind ein grundlegendes Instrument der Krebsforschung. Es existieren Hunderte verschiedener Zelllinien, die es den Forschern ermöglichen, die Auswirkungen von neuen Medikamenten auf den menschlichen Körper zu testen. Ein Team des Wellcome Trust Sanger Institute hat gemeinsam mit Kollegen aus der ganzen Welt zwei Studien veröffentlicht, die die Daten zu Krebszellen katalogisieren.

Die Wissenschaftler stellten mehr als 600 Zelllinien 130 Medikamenten gegenüber und identifizierten genetische Signaturen, die mit der Wirkstoffempfindlichkeit in Zusammenhang stehen. Erste Hinweise, die Vorteile für Patienten bringen könnten, sind bereits bekannt. Dazu gehört auch, dass ein seltener Knochenkrebs bei Kindern, das sogenannte Ewing-Sarkom, auf bestimmte Medikamente anspricht. Mathew Garnett vom Sanger Institute ist der leitende Wissenschaftler einer der beiden Studien, berichtet die BBC.

Präparate effizienter machen

Laut Garnett werden mit dieser Enzyklopädie zwei sehr große und wichtige Datenbestände zusammengebracht. Zusätzlich werde die Frage gestellt, welche Zelllinie am sensibelsten reagiert und was hinter dieser Reaktion steht. „Das ist die größte Studie dieser Art. Sie bringt die Reaktion auf Medikamente mit genetischen Markern in Verbindung. So groß angelegte Erhebungen sind notwendig, um kleine Untergruppen von Zellen zu identifizieren, die auf Medikamente reagieren.“

Levi Garraway vom Broad Institute http://broadinstitute.org war entscheidend an der zweiten Studie beteiligt. Die Forscher stellten darin 24 Medikamente fast 500 Zelllinien gegenüber. Garraway betont, dass diese Studien ein Schritt in Richtung personalisierter Medikamente gegen Krebs sind. „Wir versuchen mehr darüber herauszufinden, welches Medikament aufgrund der genetischen Information eines Tumors das richtige ist. Das ist ein Meilenstein auf einem langen Weg.“

Dazu gehört auch ein genetischer Fingerabdruck des Tumors, der mit den Informationen aus der Datenbank abgeglichen werden kann. Es stehen bereits einige Krebsmedikamente für Patienten mit bestimmten genetischen Grundlagen zur Verfügung. Am bekanntesten ist Herceptin, ein Medikament gegen Brustkrebs, das bei Patientinnen mit einem überaktiven HER2-Gen wirksam ist.

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Michaela Monschein pressetext.redaktion

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