Ein Leben in ständiger Angst

Ein Lehrkrankenhaus der Universität Witten/Herdecke (Vestische Klinik, Datteln) will Eltern von „Intensivkindern“ helfen

Die Angst ist allgegenwärtig. Eine Mutter klagt: „Nie kann ich duschen, Staub saugen, in den Keller gehen, ohne Furcht zu haben, mein Kind könnte ersticken“: Eltern von künstlich beatmeten Kindern führen ein Leben in ständiger Anspannung. Zwar müssen die Kleinen heute dank der Intensivmedizin nicht mehr sterben. Aber die häusliche Betreuung nach der Klinikentlassung ist wegen der sehr unterschiedlichen Pflegebedingungen oft ein großes Problem: „Manchen Eltern steht ein 24-Stunden-Pflegeservice zur Verfügung, andere bekommen von ihrer Kasse nur zwei Stunden täglich bezahlt,“ weiß Michael Schwerdt, Pädagoge an einem akademischen Lehrkrankenhaus der Universität Witten/Herdecke (Vestische Kinderklinik, Datteln). Eine große Ungerechtigkeit, neben vielen anderen Problemen: Die Eltern haben auf solche Missstände Ende März 2001 mit der Gründung der Selbsthilfegruppe „Intensivkinder zuhause“ reagiert.

Dass es überhaupt zu dieser Vernetzung kam, verdanken sie einer Umfrage von Michael Schwerdt. Selbst 13 Jahre lang Betreuer eines so genannten Intensivkindes kennt Schwerdt die Probleme aus erster Hand. Zwischen Juli und Dezember 1999 verschickte er über 505 Fragebögen an Eltern und Kliniken in ganz Deutschland. „Dabei ist ein richtiges Netzwerk entstanden“, freut er sich. Die Umfrage dient aber noch einem anderen Zweck. Sie untermauert einen Förderantrag, den die Klinik beim Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung (BMA) gestellt hat. Als erstes Krankenhaus in Deutschland möchte sie sieben Intensivbetreuungs- und Rehabilitationsplätze speziell für künstlich beatmete Kinder einrichten – Kostenpunkt etwa 3,7 Millionen Mark. In einer Wohngruppe sollen die Kinder abseits der Intensivstation „fit gemacht werden, um später wieder in die Familien zurückkehren zu können.“ Auch ein Elternappartement ist geplant. Doch bevor die Mittel fließen, forderten die öffentlichen Geldgeber erst einmal Zahlen, ob tatsächlich Bedarf an einer solchen Einrichtung besteht. Bisher seien diese Kinder „durch alle Raster der Finanzierung gefallen. Mit der Umfrage können wir endlich beweisen, dass dieser Bedarf tatsächlich besteht“, erklärt Schwerdt. Und ist optimistisch, dass demnächst in Datteln gebaut werden kann.

Kontakt: Vestische Kinderklinik, Michael Schwerdt, Tel.: 02363/975-179

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Dr. Martin Reuter idw

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