Lymphdrüsenkrebs – Neues aus Diagnostik und Therapie

Vorgestellt werden auch die Ergebnisse der jüngsten Studie zur Behandlung von Blutkrebs, die die Leipziger Krebsforscher gemeinsam mit Wissenschaftlern vom Fred Hutchinson Forschungszentrum der Universität Washington und dem Veterans Affairs Medical Center, Seattle, sowie der Stanford Universität angefertigt haben und die jüngst im Journal der Amerikanischen Gesellschaft für Hämatologie „Blood“ veröffentlicht wurde. Die neue Methode eignet sich auch für die Behandlung des Non-Hodgkon-Lymphoms.

Am Samstag, dem 27. Oktober, 2001, findet in Leipzig eine Veranstaltung des Tumor-Zentrums der Universität Leipzig zum Thema „Lymphdrüsenkrebs“ statt. Die wissenschaftliche Tagung wird von Prof. Dr. Dietger Niederwieser, Leiter Abteilung Hämatologie/Onkologie der Medizinischen Klinik II, geleitet.

Auf der Tagesordnung stehen neueste diagnostische und therapeutische Strategien zur Behandlung des Lymphdrüsenkrebses, dessen wissenschaftlicher Ausdruck „Non-Hodgkin-Lymphom“ ist. Behandelt werden Klassifizierungsfragen, Formen der Diagnostik bei verschiedenen Lymphomarten sowie neueste Behandlungsverfahren.

Vorgestellt werden auch die Ergebnisse der jüngsten Studie zur Behandlung von Blutkrebs, die die Leipziger Krebsforscher gemeinsam mit Wissenschaftlern vom Fred Hutchinson Forschungszentrum der Universität Washington und dem Veterans Affairs Medical Center, Seattle, sowie der Stanford Universität angefertigt haben und die jüngst im Journal der Amerikanischen Gesellschaft für Hämatologie „Blood“ veröffentlicht wurde. Die neue Methode eignet sich auch für die Behandlung des Non-Hodgkon-Lymphoms.

Diese Studie belegt erstmals die Wirksamkeit einer neuen Methode der Stammzelltransplantation, die schonender ist als alle bisherigen, und die es deshalb ermöglicht auch ältere und schwächere Menschen zu behandeln. Zur Erinnerung:

Bisher konnte die Stammzelltransplantation nur bei Patienten durchgeführt werden, die nicht durch andere Krankheiten zusätzlich beeinträchtigt und unter 50 Jahre alt waren. Das war notwendig, weil alle bisherigen Therapien den Organismus der Patienten stark beanspruchten, denn Voraussetzung für eine erfolgversprechende Therapie war eine weitestgehende Zerstörung des Knochenmarks der Patienten durch Bestrahlung und Chemotherapie, um Platz für neue Stammzellen zu schaffen, die von einem in der Regel verwandten Spender zur Verfügung gestellt wurden. Gingen die neuen Stammzellen an, konnten sie die Funktion der alten, kranken eigenen, übernehmen und die sich daraus entwickelnden Zellen konnten die verbliebenen Krebszellen zerstören. „Man mußte“, so Prof. Niederwieser, „zunächst eine ’Atombombe’ einsetzen, damit nicht nur Platz für die gespendeten Stammzellen geschaffen wurde, sondern auch die im Körper des Patienten verbliebenen Tumorzellen zerstört wurden.“ Starke Bestrahlungen galten deshalb als Hauptsäule der Therapie.

Wie bei allen Transplantationen riefen natürlich die fremden Stammzellen im Organismus des Empfängers eine mehr oder weniger starke immunologische Reaktion hervor, die sogenannte graft-versus-host-reaction (Transplantat gegen Wirt-Reaktion). Diese Reaktion muß meistens im ersten Jahr nach der Stammzelltransplantation mit Medikamenten unterdrückt werden, da sonst gesunde Empfängerzellen und somit Organe zerstört werden können. Sie hat aber auch einen positiven Effekt, weswegen eine leichte Reaktion sogar erwünscht ist: sie richtet sich auch gegen die Leukämie-Zellen (graft versus leukaemia-Reaktion).

Die Mediziner erkannten dieses Phänomen, weil sie beobachtet hatten, dass Patienten mit deutlichen Transplantat gegen Wirt-Reaktionen weniger häufig einen Rückfall bekamen. Die Frage, die sich ihnen nun stellte, war: Sind womöglich diese immunologischen Reaktionen für eine erfolgreiche Therapie genauso wichtig wie die „Atombombe“?

Was die Wissenschaftler herausfanden, kann als Revolution in der Leukämie-Forschung angesehen werden. Man wußte wohl um die therapeutische Kraft der graft-versus-Leukaemia-Reaktion, dass sie aber so stark war, das wußte man nicht. Niederwieser und seine Seattler und Stanforder Kollegen gingen nun noch einen Schritt weiter: Kann man nicht den graft-versus leukaemia-Effekt als tragende Säule der Leukämie-Behandlung etablieren?

Das bedeutete, die immunologische Reaktion auf die graft-versus-leukaemia-Reaktion zu beschränken und deren bisher sekundär wirksamen Heilungspotenzen einzusetzen. Die Behandlung müßte also auf jene Kräfte ausgerichtet werden, die über die graft-versus-leukaemia-Reaktion die Blutkrebszellen vernichten. Die Spenderzellen, die diese Aufgabe übernehmen, bezeichnet Prof. Niederwieser deshalb als „Killerzellen“.

Wenn „Killerzellen“ die Krebsbekämpfung allein übernehmen, erhält plötzlich die Frage Bedeutung: Mit welchem Minimum an Strahlen- und Chemotherapie kann erreicht werden, dass die gespendeten Stammzellen angehen? Zunächst im Tierversuch wurde bewiesen, dass eine minimale Bestrahlung in Verbindung mit einem neuen Medikament namens Fludarabin, verbunden mit einer Unterdrückung der immunologischen Reaktionen durch die Medikamente Sandimmun und Cellcept ausreicht, um die Stammzellen anwachsen zu lassen.

Von Dezember 1997 bis Mai 1999 wurden in Leipzig, Seattle und Stanford die ersten 45 Patienten nach dieser Methode behandelt. Bei der überwiegenden Mehrheit der Patienten verlief die Therapie erfolgreich. Leipzig, wo dieses Verfahren gemeinsam mit den Amerikanern entwickelt wurde, zieht Patienten aus ganz Europa an, die in dieser neuen Therapie eine Chance für sich sehen.

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Dr. Bärbel Adams idw

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