Neue Behandlungsmöglichkeiten für Blutkrebs

Bei MM vermehren sich bösartig veränderte Plasmazellen im Knochenmark

Bessere Therapiemöglichkeiten durch Einteilung in Risikogruppen

Wissenschaftlern der Klinischen Abteilung für Onkologie der Univ.-Klinik für Innere Medizin in Wien ist es gelungen, verschiedene Risikokategorien für die Behandlung des multiplen Myeloms (MM) zu unterscheiden. MM ist die zweithäufigste Form von Blutkrebs und geht von Zellen des Knochenmarks aus. In Europa sind mehr als 31.000 Menschen von der Krankheit betroffen. Die meisten Patienten sind über 60 Jahre alt, weniger als drei Prozent der Erkrankten sind jünger als 40 Jahre. Für die Krankheit gibt es keine Heilung, die mittlere Lebenserwartung liegt zwischen drei und vier Jahren. In letzter Zeit wurden die Behandlungsmöglichkeiten jedoch durch eine Reihe wichtiger Innovationen erweitert. Überlebensdauer und Lebensqualität können durch die neue Therapiemöglichkeiten gesteigert werden.

Mit Hilfe zytogenetischer Methoden, bei denen Veränderungen an den Chromosomen nachgewiesen werden, konnten die Wiener Wissenschaftler Patienten mit multiplem Myelom in verschiedene Risikogruppen einteilen. Aufgrund der Einteilung kann der weitere Krankheitsverlauf prognostiziert werden. In klinischen Studien wird nun untersucht, wie das Behandlungsergebnis, vor allem für die Hochrisikogruppe, verbessert werden kann.

Die Behandlungsstrategie beim MM hängt wesentlich vom Alter ab. Bei Patienten, die jünger als 65 Jahre alt sind, wird bisher eine Hochdosis-Chemotherapie mit anschließender Transplantation von Stammzellen angewandt, ältere Patienten werden mit Chemotherapie und Cortisonpräparaten behandelt. Diese herkömmlichen Therapieformen bergen ein Risiko an Komplikationen und sind für die Erkrankten sehr belastend, da unter anderem ein Katheder in eine Vene des Halsbereichs gelegt werden muss. „Die Erstbehandlung von Patienten mit multiplem Myelom wird sich nun dahingehend ändern, dass die Chemotherapie durch das neue Mittel Thalidomid ersetzt oder mit diesem kombiniert wird“, erklärt Johannes Drach von der Klinischen Abteilung für Onkologie in Wien auf Nachfrage von pressetext. „Thalidomid wirkt gezielt auf das umgebende Milieu der bösartigen Zellen.“ In Kombination mit Cortison ist das neue Mittel gleich effektiv wie der Mix aus Chemotherapie und Cortison. Die Dreifachkombi Thalidomid, Cortison und Chemotherapie ist noch effizienter als alle bisherigen Therapieformen.

„Die Wirksamkeit von Thalidomid beim multiplen Myelom wurde eher zufällig entdeckt. Damit wurde jedoch ein Forschungsboom ausgelöst, der zur gezielten Entwicklung neuer Arzneimittel gegen das MM geführt hat“, berichtet Drach. Wichtigste Neuerung neben Thalidomid ist Bortezomib. Diese Substanz wird vor allem bei Patienten, die auf die Standardtherapie nicht angesprochen oder einen Rückfall erlitten haben, angewendet. Erste Behandlungserfolge mit Bortezomib wurden in Studien bereits bestätigt. „Beide Substanzen unterscheiden sich im Wirkungsmechanismus von der Chemotherapie und sind daher besser verträglich“, erläutert Drach. Ganz frei von Nebenwirkungen seien sie allerdings nicht. Viel versprechend für die Therapie des MMs scheint auch die Substanz Lenalidomid zu sein. Sie wird derzeit aber noch getestet.

Das Fernziel der Behandlung des multiplen Myeloms ist die Entwicklung von Therapien, die auf den Patienten individuell zugeschnitten und auf das biologische und genetische Profil des Tumors angepasst sind. Einen ersten Schritt in diese Richtung haben die Wiener Wissenschaftler mit der Einteilung der Patienten in die verschiedenen Risikogruppen geschafft. Eine Plattform für die Patienten bietet die Multiples Myelom Selbsthilfe Österreich. Seit heute, Freitag, werden die Interessen der MM-Patienten auch auf europäischer Ebene vertreten. Die European Myeloma Platform (EMP) ermöglicht den europaweiten Austausch der Patienten untereinander.

Ansprechpartner für Medien

Verena Töpper pressetext.austria

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