Erbsubstanz in Krebszellen inaktivieren

Harnblasenkrebs: Neuer Behandlungsansatz wird erforscht

Dresden (so) – Harnblasenkrebs ist die fünfthäufigste Tumorart der westlichen Welt. Bislang verspricht meist nur die Entfernung der Blase eine Chance auf Heilung. Mediziner sind deshalb weltweit auf der Suche nach neuen lokalen Therapieansätzen. Dresdner Wissenschaftler wollen eine spezielle Gruppe kleiner chemischer Verbindungen nutzen, um die Information bestimmter Abschnitte der Erbsubstanz, die für die Entstehung und Ausbreitung von Harnblasenkrebs verantwortlich sind, auszuschalten. Gelingt es den Forschern diese so genannten Ribozyme und DNA-Enzyme gezielt in die Krebszellen einzubringen, könnte zukünftig ein neuer lokaler Wirkstoff gegen Tumoren der Harnblase zur Verfügung stehen. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Projekt über einen Zeitraum von zwei Jahren mit 230.000 Mark.

Jährlich erkranken 15.000 Menschen in Deutschland an Blasenkrebs. Betroffen sind überwiegend Männer zwischen 60 und 80 Jahren. Die meisten der Patienten leiden an oberflächlichen Harnblasentumoren, die an vielen verschiedenen Stellen der Schleimhaut wachsen. Einzige Alternative zur Blasenentfernung ist eine Behandlung der gesamten Blasenschleimhaut: Gegenwärtig werden zu diesem Zweck Chemo- oder Immuntherapeutika in die Harnblase eingespült. Doch diese Therapie ist langwierig, nebenwirkungsreich und kostenintensiv.

Eine Arbeitsgruppe an der Klinik und Poliklinik für Urologie der Universitätsklinik Carl Gustav Carus in Dresden unter der Leitung von Dr. Ulrike Fiedler und Professor Dr. Manfred P. Wirth entwickelt in Kooperation mit Privatdozent Dr. Berd Schwenzer vom Institut für Biochemie der Technischen Universität Dresden eine ganz neue Behandlungsmethode gegen Harnblasenkrebs: Die Wissenschaftler wollen mit so genannten Ribozymen und DNA-Enzymen die fünfthäufigste Tumorart der westlichen Welt bekämpfen. Ribozyme und DNA-Enzyme sind relativ kleine chemische Verbindungen, die aus denselben Grundbausteinen (Nukleinsäuren) wie die Erbsubstanz bestehen. Diese kleinen Nukleinsäure-Moleküle können lange Nukleinsäure-Ketten, wie die Botenstoffe (RNA) der Erbsubstanz, ganz spezifisch erkennen, an bestimmten Stellen durchtrennen und damit inaktivieren.

Ziel der Wissenschaftler ist es, die Information bestimmter Abschnitte der Erbsubstanz (Gene), die für die Entstehung und das Fortschreiten von Harnblasenkrebs verantwortlich sind, auszuschalten. Die neue Methode im Detail: Die Forscher konstruieren synthetische Ribozyme und DNA-Enzyme. Diese kleinen Moleküle sollen die Botenstoffe des Tumor-Gens erkennen, die als Zwischenprodukt auf dem Protein-Synthese-Weg entstehen. Werden die Nukleinsäure-Enzyme von den Harnblasenkrebszellen aufgenommen, spalten sie die Botenmoleküle, blockieren die Proteinproduktion und hemmen damit das Tumorwachstum. „Gelingt es uns, hochspezifische Nukleinsäure-Enzyme zu produzieren und diese zielgenau in die Harnblasenkrebszellen einzubringen, könnte uns zukünftig ein neuer lokaler Wirkstoff für die Behandlung des Harnblasenkarzinoms zur Verfügung stehen“, so die Projektleiterin Frau Dr. Fiedler.

Info-Kasten: Der Weg vom Gen zum Eiweißstoff Krebs ist eine Krankheit der Gene. Mittlerweile sind mehr als 200 Tumorgene bekannt, die eine Rolle bei der Krebsentstehung spielen. Die Gene sind die Informationsträger für die Herstellung von Eiweißstoffen, die spezifische Funktionen im menschlichen Organismus inne haben. Krebs-Gene liefern falsche Informationen, so dass die Funktion der Proteine gestört ist und Krebs entstehen kann. Der Weg vom Gen zum Eiweißstoff führt über verschiedene Stationen: Zunächst wird das Gen – ein bestimmter Abschnitt der Erbsubstanz (DNA) – in ein Botenmolekül (RNA) umgeschrieben. Dieser Bote besteht im Unterschied zur DNA aus anderen Nukleinsäure-Bausteinen und liegt nicht als spiralförmiger Doppel-, sondern als Einzelstrang vor. Der Einzelstrang – ein „Abziehbild“ der DNA – dient als Vorlage für die Herstellung von Proteinen, die aus einzelnen Aminosäuren bestehen. Die einzelnen Bausteine des Botenmoleküls geben die Reihenfolge der Aminosäuren in der Eiweißkette vor. Für die Krebsforscher ergeben sich auf dem Weg vom Gen zum Protein viele Möglichkeiten einzugreifen, um die Synthese von krebsauslösenden Proteinen zu unterbinden.

Media Contact

Dr. med. Eva M. Kalbheim-Gapp idw

Weitere Informationen:

http://www.krebshilfe.de/

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