Augsburger Längsschnittstudie über ältere Menschen im Betreuten Wohnen

Das Betreute Wohnen hat als Wohnform für alte Menschen in den letzten beiden Jahrzehnten enorm an Bedeutung gewonnen. Das Erfahrungswissen über diese Wohnform hat mit deren Expansion allerdings in keiner Weise Schritt gehalten. Diese Lücke füllt jetzt ein im Verlag für Gerontologie Alexander Möckl erschienener Band, in dem eine von Prof. Dr. Wilfried Saup geleitete Augsburger Projektgruppe aus dem Bereich der Angewandten Gerontologie erste Ergebnisse einer Längsschnittstudie über „Ältere Menschen im Betreuten Wohnen“ publiziert.

In den letzten zehn bis fünfzehn Jahren hat sich das Spektrum der Wohnmöglichkeiten im Alter erheblich erweitert. Neue Wohnformen für alte Menschen haben sich entwickelt; dabei ist das sogenannte „Betreute Wohnen“ quantitativ am stärksten expandiert. Die Anzahl der Senioren, die heute in betreuten Wohnanlagen leben, wird auf über 150.000 Personen geschätzt. Betreutes Wohnen erfreut sich bei älteren Menschen so großer Beliebtheit, weil es – durch die Kombination einer seniorengerecht gebauten und eingerichteten Wohnung mit einem Betreuungsangebot für den Hilfe- oder Pflegefall – den Senioren auch bei gesundheitlichen Beeinträchtigungen eine selbständige Lebens- und Haushaltsführung ermöglicht.

DER WEG INS BETREUTE WOHNEN UND DER DORTIGE LEBENSALLTAG

Der Umfang des Erfahrungswissens über das Betreute Wohnen im Alter steht bislang ganz im Gegensatz zu dessen expansiver Verbreitung: In Deutschland gibt es mittlerweile viele hundert betreuter Seniorenwohnanlagen, aber nur wenig empirisch abgesichertes Wissen über diese Wohnform. Die Forschung über das Betreute Wohnen steckt noch in den Kinderschuhen. Dieses Forschungsdefizit ist Ausgangspunkt einer Augsburger Längsschnittstudie zum Betreuten Wohnen im Alter, die den Weg älterer Menschen ins Betreute Wohnen und ihr Leben in den Seniorenwohnanlagen über einen mehrjährigen Zeitraum wissenschaftlich begleitet. Über 170 Bewohner aus sieben betreuten Wohnanlagen gaben in Interviews vor ihrem Einzug und mehrfach danach Auskunft über ihre Person und ihren Lebens- und Wohnalltag.

Jetzt wurden die ersten Forschungsergebnisse der Untersuchung in Buchform vorgelegt: Dokumentiert werden die demographischen, psycho-sozialen und gesundheitlichen Merkmale älterer Menschen im Betreuten Wohnen, ihre Einzugsgründe und ihre Erwartungen an diese Wohn- und Versorgungsform sowie die Wohnsituation der Älteren vor und nach dem Umzug. Ausführlich werden auch die Nutzung und die Bewertung der seniorengerechten Wohnung, des Wohngebäudes und des Wohnumfeldes durch die Älteren sowie ihre Kenntnis und ihre Inanspruchnahme von Betreuungs- und Pflegedienstleistungen beschrieben. Darüber hinaus werden die Kontakt- und Hilfenetzwerke der Älteren zu Mitbewohnern in der Seniorenwohnanlage sowie zu Familienangehörigen charakterisiert. Die Befunde machen auch deutlich, wie die Älteren ihre Entscheidung, ins Betreute Wohnen zu ziehen, im Rückblick bewerten.

BESONDERS VALIDE BASISDATEN – GROSSES ANWENDUNGSPOTENTIAL

Der vorliegende Bericht liefert wichtige, durch die hohe Teilnahme-Rate der Bewohner besonders valide Basisdaten über ältere Menschen in betreuten Seniorenwohnanlagen. Darüber hinaus enthält er nicht nur wertvolle Hinweise für die architektonische Planung und für ein zielgruppenspezifisches Marketing von betreuten Seniorenwohnanlagen, vielmehr stellt den Betreuungsdiensten auch wichtige Informationen über die Nutzung und die Akzeptanz von Betreuungs- und Pflegedienstleistungen zur Verfügung.
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WINFRIED SAUP, ÄLTERE MENSCHEN IM BETREUTEN WOHNEN. ERGEBNISSE DER AUGSBURGER LÄNGSSCHNITTSTUDIE – BAND 1, VERLAG FÜR GERONTOLOGIE ALEXANDER MÖCKL, AUGSBURG 2001, 128 S., 47 ABB., 18 TAB., ISBN 3-928331-99-X, DM 39,80
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KONTAKT UND WEITERE INFORMATIONEN:

Prof. Dr. Winfried Saup/Rosemarie Huber
Angeandte Gerontologie/Projektgruppe „Betreutes Wohnen“
Philosophische Fakultät I der Universität Augsburg, 86135 Augsburg
Telefon 0821/598-5611 oder -5605 (Saup) bzw. -5528 (Huber)
e-mail: [email protected]

Ansprechpartner für Medien

Klaus P. Prem idw

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