Wegweiser zu den Krebszellen

Wissenschaftler vom Institut für Pathologie am Jenaer Universitätsklinikum wollen gemeinsam mit europäischen Kollegen neue Therapieverfahren gegen Tumoren entwickeln. Am jetzt gestarteten EU-Verbundprojekt ADAMANT sind Forscher von neun Einrichtungen und Firmen in Italien, der Schweiz, Deutschland, Großbritannien, Belgien und den Niederlanden beteiligt.

In dem Projekt sollen tumorspezifische Antikörper gefunden werden, die Krebsmedikamente gezielt zu den Tumorzellen transportieren können. Die Jenaer Pathologen werden dabei das Bindungsverhalten der Antikörper im Gewebe untersuchen.

In der nächsten Woche wird PD Dr. Alexander Berndt vom Institut für Pathologie zum ersten Arbeitstreffen nach Mailand fahren, wo der ADAMANT-Verbund am Pharmakologischen Forschungsinstitut „Mario Negri“ koordiniert wird. Das Kunstwort „ADAMANT“ steht für „Antibody Derivatives As Molecular Agents for Neoplastic Targeting“ und symbolisiert, welch harte Nuss die Wissenschaftler knacken wollen. Sie suchen nach Antikörper-Abkömmlingen, die als Wirkstoffe für die Tumorbekämpfung dienen können. „Wir wollen Krebstherapien wirksamer und verträglicher machen“, nennt der Biologe Berndt das große Ziel, zu dem ADAMANT beitragen will.

Oft hat die medikamentöse Behandlung von Tumoren den Nachteil, dass die Wirkstoffe nicht nur Krebsgewebe angreifen. Wenn die Medikamente so dosiert werden, dass die Tumorzellen absterben, verursachen sie beträchtliche Schäden auch an normalen Zellen. Eine Lösung dieses Problems sehen die Wissenschaftler darin, die Wirkstoffe direkt zu den Krebszellen zu bringen. Den Weg dorthin kennen Antikörper, die sich zielgenau gegen einzelne Eiweiße im Gerüst der Versorgungsgefäße des Tumors richten. „Wir haben eine ganze Palette solcher Antikörper gefunden“, fasst Berndt die Ergebnisse von früheren Projekten zusammen, an denen schon viele der jetzigen Partner beteiligt waren.

ADAMANT will jetzt diese Antikörper als Transporter für Zellgifte, radioaktive Substanzen oder immunanregende Botenstoffe umbauen und testen. Das heißt, dass Antikörper und Wirkstoff chemisch verbunden werden müssen, aber ihre Funktionen dabei nicht verlieren dürfen. Die Synthese der Verbindungen übernehmen Biotech-Start-Ups in der Schweiz und Italien. Dann werden die neuen Substanzen in Zellkulturen und im Tierversuch getestet. Die Aufgabe der Jenaer Pathologen ist hierbei die Untersuchung der Zell- und Gewebeproben mit Hilfe moderner molekularpathologischer und mikroskopischer Verfahren. Einen wichtigen Partner dafür haben sie in Prof. Dr. Hartwig Kosmehl, dem Leiter des Instituts für Pathologie am Helios-Klinikum in Erfurt. Der Spezialist für immunhistochemische Verfahren, mit denen spezifisch Proteine im histologischen Schnittpräparat sichtbar gemacht werden können, war schon an den Vorprojekten beteiligt. „Wir müssen untersuchen, wo der neu gebildete Antikörperkomplex im Tumorgewebe bindet und wie er sich bei Nicht-Tumorerkrankungen verhält“, beschreibt Kosmehl die Tests. Wenn die Substanz als Krebsmedikament in Frage kommen soll, darf sie zum Beispiel nicht die Gefäßneubildung torpedieren, die wichtig für die Wundheilung ist.

Die Europäische Union fördert den ADAMANT-Verbund über drei Jahre mit insgesamt drei Millionen Euro. „In dieser Zeit soll mindestens ein antikörperbasiertes Tumortherapeutikum in die klinische Testung überführt werden“, formuliert Alexander Berndt als konkretes Ziel. Bis dahin wird es noch einige Arbeitstreffen geben.

Kontakt:
PD Dr. Alexander Berndt
Institut für Pathologie am Universitätsklinikum Jena
Ziegelmühlenweg 1
07743 Jena
Tel.: 03641/933624
E-Mail: Alexander.Berndt[at]med.uni-jena.de

Media Contact

Uta von der Gönna idw

Weitere Informationen:

http://www.uniklinikum-jena.de

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit

Dieser Fachbereich fasst die Vielzahl der medizinischen Fachrichtungen aus dem Bereich der Humanmedizin zusammen.

Unter anderem finden Sie hier Berichte aus den Teilbereichen: Anästhesiologie, Anatomie, Chirurgie, Humangenetik, Hygiene und Umweltmedizin, Innere Medizin, Neurologie, Pharmakologie, Physiologie, Urologie oder Zahnmedizin.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Hoffnung für Menschen mit chronischer Herzschwäche

MHH-Studie weist Verbesserung der Herzfunktion durch mikroRNA-Blocker nach Chronische Herzschwäche ist eine schwerwiegende Erkrankung, bei der das Herz nicht mehr ausreichend Blut in den Körperkreislauf pumpen und die Körperzellen nur…

Alternative zum “Gold-Standard”: neuer SARS-CoV-2 Nachweis aus Wien

Forscherinnen und Forscher am Vienna BioCenter entwickelten eine neue Methode für den SARS-CoV-2-Nachweis: mit besonders einfachen Mitteln erreicht ihr RT-LAMP Test Ergebnisse, die ähnlich sensitiv, spezifisch und deutlich billiger als…

Auflösungsweltrekord in der Kryo-Elektronenmikroskopie

Eine entscheidende Auflösungsgrenze in der Kryo-Elektronenmikroskopie ist geknackt. Holger Stark und sein Team am Max-Planck-Institut (MPI) für biophysikalische Chemie haben zum ersten Mal einzelne Atome in einer Proteinstruktur beobachtet und…

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close