Universität Rostock startet vierte Profillinie: Wissen-Kultur-Transformation

Unter dem Titel „Wissen-Kultur-Transformation“ sollen unter anderem Themen wie „Informationsgesellschaft“; „Mediengesellschaft“ oder „lebensbegleitendes Lernen“, die seit Jahren den öffentlichen Diskurs prägen, aus soziologischer, sprachlicher, theologischer und aus Sicht der Informatik erforscht werden.

„Die Profillinie Wissen-Kultur-Transformation erforscht unser Konzept einer fakultätsübergreifenden, interdisziplinären Profilierung. Traditio et Innovatio ist der Weg aus der Geschichte mit ihren kulturellen Bezügen, kurzlebigen Informationen, die zu Wissen werden können, bis zu den Wissenschaften, die Innovationskraft entfalten“, sagte Rektor Prof. Dr. Wolfgang Schareck, der schon zu Beginn seiner Amtszeit im Januar 2009 den Anstoß zur Gründung der vierten Profillinie gegeben hatte. Anfang dieser Woche wurde vom Rektor der kommissarische Vorstand der neuen Profillinie ernannt. Ihm gehören an: Prof. Dr. Clemens H. Cap (Informatik), Prof. Dr. Franz-Josef Holznagel (Germanistik), Prof. Dr. Christiane Reitz (Latinistik) und als Leiter des Departments Prof. Dr. Martin Rösel (Theologie). Auf seiner Sitzung am 02.06.2010 hatte der Akademische Senat der Universität Rostock nach einem längeren internen Diskussionsprozess die Einrichtung dieser Profillinie beschlossen.

„Universitäten bilden eine besondere Schnittstelle für Forschungen zu den Themen Wissen-Kultur-Transformation“, sagte Prof. Martin Rösel. Denn eine Universität produziert Wissen durch ihre Forschungsanstrengungen; sie vermittelt Wissen durch die akademische Lehre; sie bewahrt Wissen durch Archive und Bibliotheken und sie reflektiert darüber, wie Wissen erworben, nutzbar gemacht und verändert wird. „Unter den Bedingungen der Globalisierung ist zudem deutlich geworden, wie sehr kulturelle Eigenarten den Erwerb von und den Umgang mit Wissen prägen. Gleichzeitig zeigt sich an den verschiedenen Fakultäten einer Universität, dass die einzelnen Fächer sehr unterschiedliche Formen des Wissens pflegen und zu je verschiedenen Weisen anleiten, die Welt zu verstehen“, so Rösel.

Im Rahmen der neuen Profillinie sollen Themen zu Wissen, Kultur und Transformation interdisziplinär bearbeitet werden. So wird unter dem Stichwort „Wissen und Medialität“ darüber geforscht werden, wie sich durch die Digitale Revolution wissenschaftliche Kompetenzen verändern. Texte als alleiniges Medium des Wissenstransfers reichen nicht mehr aus. Ergebnisse müssen durch Bilder und Grafiken visualisiert werden können. Welchen Regeln folgt das und welche Konsequenzen ergeben sich daraus? Unter der Überschrift „Wissen und Macht“ soll erforscht werden, wie Wissen durch Machtstrukturen in der Politik, den Medien, aber auch in Religionen bestimmt wird. Die kulturelle Prägung und Bedingtheit von Wissen wird ebenso Forschungsgegenstand sein, wie langfristige Veränderungen von Wissenschaften oder die Veränderungen im Weltbild, die durch wissenschaftliche Erkenntnisse ausgelöst wurden. „Umfangreiche Vorarbeiten zu diesen Fragen wurden bereits an der Universität geleistet. So stützen sich die einzelnen Module auf Einrichtungen wie Graduiertenkollegs oder thematisch geprägte Institute“, so Rösel.

Die Mitarbeit in der neuen Profillinie steht allen Mitgliedern der Universität offen. Es ist ein einheitliches Aufnahmeverfahren vorgesehen. Noch in diesem Jahr sollen die ersten Stipendien für Promotionen vergeben werden können. Für das kommende Jahr ist eine deutliche Erhöhung der Anzahl der Stipendiaten beabsichtigt.

Als erste deutsche Universität hatte die Universität Rostock 2007 eine Interdisziplinäre Fakultät (INF) gegründet, die fächerübergreifenden Forschungen erstmals auch einen institutionellen Rahmen verlieh. Unter dem Dach der INF sind die Profillinien als eigenständige Departments angesiedelt. Neben den Profillinien Leben, Licht & Materie; Maritime Systeme und Erfolgreich Altern wird ab sofort die Profillinie Wissen-Kultur-Transformation die interdisziplinäre Forschung an der Universität Rostock bereichern und ganz neue Akzente setzen.

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