Die Forschung wird jünger


Alle reden von der Juniorprofessur – die VolkswagenStiftung schafft die Voraussetzungen

8:0 für die Forschung. Einladung zur Vorstellung der Leiterinnen und Leiter der acht Berliner Nachwuchsgruppen am 18. April im Magnus-Haus

Was ist modern? Das deutsche Hochschuldienstrecht sicher nicht. Seit einiger Zeit steht es, wie die deutsche Universität an sich, unter Reformdruck. Einer der Kritikpunkte: Wissenschaftler erlangen zu spät wissenschaftliche Selbstständigkeit. Das durchschnittliche Berufungsalter für eine Professur liegt bei 42 Jahren; bis zu 14 Prozent aller in Deutschland promovierten Nachwuchswissenschaftler, so wird geschätzt, wandern dauerhaft in die USA ab, weil sie dort unabhängiger forschen können. „Zur längst überfälligen Modernisierung der Hochschulen gehört folglich auch, dass junge Wissenschaftler früher die Möglichkeit erhalten, eigenverantwortlich arbeiten zu können“, fordert Dr. Wilhelm Krull, Generalsekretär der VolkswagenStiftung.

Hier einen Innovationsschub zu leisten, hat die VolkswagenStiftung bereits 1996 ihr Programm „Nachwuchsgruppen an Universitäten“ eingerichtet. Es gibt jungen, besonders qualifizierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Chance, fünf Jahre lang eigenständig und selbstverantwortlich ihre Forschungen voranzutreiben. Und das unabhängig von den aus dem vergangenen Jahrhundert stammenden Strukturen an deutschen Hochschulen und befreit von den persönlichen und wissenschaftlichen Zwängen, die mit der Habilitation als bislang üblichem Verfahren zur Qualifizierung für eine Professur nur allzu oft verbunden sind. Das Besondere an dem Programm: Die jungen Wissenschaftler können sich mit ihrer Forschungsidee selbst um eine Aufnahme in das Programm bewerben.

Inzwischen hat die VolkswagenStiftung bundesweit 40 Nachwuchsgruppen mit insgesamt rund 80 Millionen Mark an den Start gebracht. Besonders erfolgreich im Wettbewerb um die besten Ideen und Köpfe sind die Berliner Hochschulen. Acht Gruppen nahmen dort inzwischen die Arbeit auf:

Wir möchten Ihnen die Arbeit der Berliner Nachwuchsgruppen ebenso wie die Ideen und Ziele, die hinter diesem speziellen Förderengagement der Stiftung stehen, am Mittwoch, den 18. April 2001 ab 11.15 Uhr im Berliner Magnus-Haus, Am Kupfergraben 7, vorstellen bei der Veranstaltung „8:0 für die Forschung – Berliner Nachwuchsgruppen in der Offensive“.

Dort haben Sie Gelegenheit zu Gesprächen mit dem Generalsekretär der VolkswagenStiftung, Dr. Wilhelm Krull, den Präsidenten bzw. Vizepräsidenten der Berliner Hochschulen und den Leitern der Nachwuchsgruppen.

Das beiliegende Programm informiert Sie über den genauen Ablauf. Gesondert hinweisen möchten wir Sie vor allem auf die Vorstellung der beiden neuen Berliner Gruppen, beginnend um 16 Uhr mit einem Grußwort von Dr. Wilhelm Krull, Generalsekretär der VolkswagenStiftung, und Professor Dr. Jürgen Mlynek, Präsident der Humboldt-Universität Berlin.

Eine der bereits etablierten Gruppen ist die von Dr. Thomas Noll an der Technischen Universität Berlin: „Computergestützte Repräsentation, Analyse und Vermittlung musikalischer und musiktheoretischer Strukturen“ lautet sein Thema. Gemeinsam mit einer Musikwissenschaftlerin, einem Informatiker sowie Mathematiker versucht Noll, neue Einsichten in die Musik zu gewinnen – jenseits der klassischen Regeln von Metrik, Harmonielehre und Kontrapunkt. Näheres dazu und erste Einsichten wird er am 18. April um 11.30 Uhr vorstellen (s. Programm). „Dass ich mit 36 Jahren die Leitung einer Nachwuchsgruppe übernehmen konnte, gibt mir die einzigartige Gelegenheit, mein Forschungsinteresse an der Entwicklung einer mathematischen Musiktheorie zu verfolgen; es ist fraglich, ob mir das sonst als Grenzgänger zwischen den akademischen Disziplinen möglich gewesen wäre“, meint Dr. Noll.

In ihren Forschungsarbeiten zur „Olfaktorischen Codierung im Antennallobus der Fruchtfliege Drosophila melanogaster“ gehen die Nachwuchswissenschaftler um Dr. Giovanni Galizia von der Freien Universität Berlin der Frage nach, auf welche Art und Weise Insekten sich in einer komplexen Umwelt von Düften zurechtfinden. Zwar scheint der Zahl unterscheidbarer Düfte keine Grenze gesetzt zu sein, jedoch werden die Düfte in ihrer Zusammensetzung offenbar nicht einzeln, sondern als komplexer Duftraum wahrgenommen. Dessen Struktur und innere Ordnung wiederum ist bislang unbekannt. Weiteres zum Thema von Dr. Galizia am 18. April um 14.15 Uhr (s. Programm).

Ein drittes Beispiel: „Interdisziplinäre soziale Gerechtigkeitsforschung“ ist das Betätigungsfeld der Nachwuchsgruppe, die Dr. Stefan Liebig von der Humboldt Universität Berlin seit 1998 leitet. Wer hält was aus welchen Gründen für gerecht? – Um diese Frage geht es anhand konkreter Fälle; eine Frage, deren Bedeutung jedem ersichtlich ist: Soziale Gebilde, ob Jugendgruppen, Betriebe oder ganze Gesellschaften, sind nur dann auf Dauer überlebensfähig, wenn deren Mitglieder ein individuelles Gerechtigkeitsempfinden besitzen, dem von der Gruppe dann auch entsprochen wird. Auch darüber mehr am 18. April, und zwar gegen 14.40 Uhr (s. Programm). Stefan Liebig schätzt ebenfalls die Autonomie der Nachwuchsgruppe: „Im Unterschied zu einer normalen Assistentenstelle hat man hier viel größere Freiheiten.“ Auch der forschungsorganisatorische Ansatz kommt ihm entgegen: „Durch die Interdisziplinarität wird das klassische Lehrstuhlprinzip aufgebrochen.“ Das ermögliche ein interessantes, facettenreiches Arbeiten.

Die Nachwuchsgruppen – rund ein Dutzend vergibt die VolkswagenStiftung jährlich im Wettbewerbsverfahren – verkörpern in ihren Universitäten ein Stück konkreter Hochschulreform. Leiterin oder Leiter der Forschergruppe ist ein wissenschaftlich ausgewiesener „Post-Doc“, der diese, eben ohne einem Professor direkt unterstellt zu sein, in vollständiger personeller und finanzieller Autonomie führen kann: ein mit allen Chancen und Risiken besetzter Freiraum. „Letztlich hat die VolkswagenStiftung einen doppelt innovativen Ansatz geschaffen: Forschung organisiert sich zwangsläufig neu, Interdisziplinarität ist ein Muss“, argumentiert Dr. Wilhelm Krull. Die Ergebnisse und die hohe Zahl von Anträgen bestätigen den Erfolg dieser Initiative.

Veranstaltung:
„8:0 für die Forschung“ – Nachwuchsgruppen stellen sich vor
18. April 2001 im Magnus-Haus, Am Kupfergraben 7, 10117 Berlin, Tel.: 0 30/20 17 48 – 0

Achtung: Die Hochschulpräsidenten sind nur zum Zeitpunkt der Vorstellungen ihrer jeweiligen Nachwuchsgruppen anwesend.

Programm

11.15 Uhr Begrüßung

Dr. Wilhelm Krull
Generalsekretär der VolkswagenStiftung und Prof. Dr. Kurt Kutzler, 1. Vizepräsident der Technischen Universität Berlin

Technische Universität Berlin
11.30 Uhr Dr. Thomas Noll

Nachwuchsgruppe „Arbeitsgruppe für mathematische Musiktheorie: Computergestützte Repräsentation, Analyse und Vermittlung musikalischer und musiktheoretischer Strukturen“

12.00 Uhr Dr. Leon Urbas
Nachwuchsgruppe „Bedienermodelle in dynamischen Mensch-Maschine-Systemen“

12.30 Uhr Dr. Petra Klumb
Nachwuchsgruppe „Geschlecht, Ressourcen und Gesundheit in der Erwerbs- und Familienarbeit“

13.00 Uhr Mittagessen und Gelegenheit zu Einzelgesprächen

14.00 Uhr Begrüßung
Dr. Wilhelm Krull, Generalsekretär der VolkswagenStiftung
und Prof. Dr. Peter Gaehtgens, Präsident der Freien Universität Berlin

Freie Universität Berlin
14.15 Uhr Dr. Giovanni Galizia
Nachwuchsgruppe „Olfaktorische Codierung im Antennallobus der Fruchtfliege Drosophila melanogaster“

Humboldt-Universität zu Berlin
14.40 Uhr Dr. Stefan Liebig
Nachwuchsgruppe „Interdisziplinäre soziale Gerechtigkeitsforschung“

15.05 Uhr Dr. Laurenz Wiskott
Nachwuchsgruppe „Lernen von Invarianzen aus Sensordaten: Biologische Prinzipien und technische Anwendungen“

15.30 Uhr Kaffeepause

16.00 Uhr Begrüßung
Dr. Wilhelm Krull, Generalsekretär der VolkswagenStiftung
und Prof. Dr. Jürgen Mlynek, Präsident der Humboldt-Universität zu Berlin

Eröffnung von zwei neuen Nachwuchsgruppen
16.30 Uhr Dr. Gerhard Kempermann
Nachwuchsgruppe „Permissive Bedingungen für Neurogenese im erwachsenen ZNS“

17.00 Uhr Dr. Roland Beckmann
Nachwuchsgruppe „Cryo-electron microscopy of the endoplasmic reticulum protein targeting and translocation machinery“

anschließend Imbiss

Kontakt:
VolkswagenStiftung: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Christian Jung, Tel.: 0511/8381-380

Zu Grundsatzfragen und für Anträge aus den Natur- und Ingenieurwissenschaften, einschließlich der Mathematik und Medizin: Dr. Claudia Nitsch, Tel.: 0511/8381-217

Für Anträge aus den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften: Dr. Marcus Beiner, Tel.: 0511/8381-289

Hinweis an die Redaktionen: Wir vermitteln Ihnen die gewünschten Gesprächspartner während der gesamten Veranstaltung. Sollten Sie besonderes Interesse an ausgewählten Themen bzw. Nachwuchsgruppen haben, geben Sie uns bitte rechtzeitig Bescheid: Wir bereiten Gespräche und Material im Vorfeld für Sie vor.

Zur Veranstaltung erhalten Sie eine Pressemappe mit ausführlichen Informationen zu den Vorhaben der einzelnen Nachwuchsgruppen.

Media Contact

Dipl.Biol. Dipl.Journ. Christian Jung idw

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung

Aktuelle Meldungen und Entwicklungen aus fächer- und disziplinenübergreifender Forschung.

Der innovations-report bietet Ihnen hierzu interessante Berichte und Artikel, unter anderem zu den Teilbereichen: Mikrosystemforschung, Emotionsforschung, Zukunftsforschung und Stratosphärenforschung.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Was die Körnchen im Kern zusammenhält

Gerüst von Proteinflecken im Zellkern nach 100 Jahren identifiziert. Nuclear Speckles sind winzige Zusammenballungen von Proteinen im Kern der Zelle, die an der Verarbeitung genetischer Information beteiligt sind. Berliner Forschende…

Immunologie – Damit Viren nicht unter die Haut gehen

Ein Team um den LMU-Forscher Veit Hornung hat einen Mechanismus entschlüsselt, mit dem Hautzellen Viren erkennen und Entzündungen in Gang setzen. Entscheidend für die Erkennung ist eine typische Struktur der…

Kleine Moleküle steuern bakterielle Resistenz gegen Antibiotika

Sie haben die Medizin revolutioniert: Antibiotika. Durch ihren Einsatz können Infektionskrankheiten, wie Cholera, besser behandelt werden. Doch entwickeln die krankmachenden Erreger zunehmend Resistenzen gegen die angewandten Mittel. Nun sind Wissenschaftlerinnen…

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close