Schneefall auf 100 Meter genau prognostizierbar

Ein neues Programm zur Wettervorhersage, das topografische Daten mit Prognosedaten verbindet, kann Wetterlagen auf kleinstem Raum und auch in unterschiedlichen Höhenlagen darstellen.

Das Wiener Institut für Meteorologie und Geophysik entwickelte in Zusammenarbeit mit Partnern aus der Schweiz, Japan, Peru, Chile, Argentinien und den USA ein meteorologisch-geografisches Informationssystem (MetGIS).

Dessen Schwerpunkt ist die Schneeprognose, doch sei die Verwendung laut den Entwicklern auch für alle anderen Anwendungen, Jahreszeiten und Topographien denkbar. „Dieses System nützt vor allem dem Straßendienst für Schneeräumung und Salzstreuung und dem Lawinenwarndienst – aber auch dem Tourismus, etwa für die Beschneiung von Lifthängen“, so Institutsvorstand Reinhold Steinacker im Gespräch mit pressetext.

Besonders in Gebirgsregionen sind Prognosen für sehr kleine Gebiete von großem Nutzen. Das gelingt MetGIS durch einen als „Downscaling“ bezeichneten Vorgang. Bei diesem Verfeinerungsprozess werden die Daten globaler Wetterdienste entsprechend der topografischen Situation der abgefragten Region berechnet.

Die Prognose reicht vom Jetztzeitpunkt bis drei Tage in die Zukunft. Alle sechs Stunden erfolgt eine Aktualisierung durch erneutes Downscaling, erklärt Steinacker. „Dieses Intervall reicht für eine hohe Präzision der Vorhersage, etwa auch für die Glatteiswarnung. Seltene spontane Abweichungen von der Prognose sind möglich, am ehesten falls punktuelle Gewitter auf kleinem Raum auftreten.“

MetGIS verfeinert die Technik seines Vorgängersystems WELS, das ein österreichischer Wissenschaftler in den USA entwickelt hatte und das bis vor acht Jahren dort wie auch in Europa in Verwendung war. „Dieses Projekt wurde durch neue Technologie auf neue Beine gestellt. Die Auflösung des Programms wurde mit einem Raster im hunder-Meter-Bereich wesentlich verbessert, dank der heute verfügbaren topografischen Informationen“, so Steinacker. Mittels einer Farb- oder Zahlenwertkarte stellt das Programm Temperatur, Niederschlag, Schneefallgrenze oder Windstärke dar und ermöglicht nach Angaben der Entwickler die Bedienung und Interpretation ohne Einführung oder besondere meteorologische Vorkenntnisse.

Zugang zum Internet-basierten Programm erhalten bezahlende Kunden über ein Passwort. „Die lange Vorarbeit ist mühsam, das Projekt muss auch finanziert werden“, so Steinacker. Zukünftige Verbesserungen des Systems seien in der räumlichen Auflösung sowie die Integration anderer Radar- und Satellitendaten für auch kurzfristigere Prognosen denkbar.

In den Anden sei das System laut Steinacker bereits im Einsatz, und auch im Alpenraum gäbe es mehrere Interessenten. Bisher sind Prognosen für das gesamte österreichische Staatsgebiet, für sieben Regionen in Südamerika sowie für Teile der Pyrenäen möglich. Für die Aufnahme eines neuen Gebietes müssen dessen topografische Daten eingespeist werden, was eine Arbeit von etwa zwei Wochen darstelle. „Die Möglichkeit des globalen Einsatzes ist ein wesentlicher Vorteil des Systems“, so der Wiener Meteorologe abschließend.

Media Contact

Johannes Pernsteiner pressetext.austria

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie

Neuerungen und Entwicklungen auf den Gebieten der Informations- und Datenverarbeitung sowie der dafür benötigten Hardware finden Sie hier zusammengefasst.

Unter anderem erhalten Sie Informationen aus den Teilbereichen: IT-Dienstleistungen, IT-Architektur, IT-Management und Telekommunikation.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Durchleuchten im Nanobereich

Physiker der Universität Jena entwickeln einen der kleinsten Röntgendetektoren der Welt Ein Röntgendetektor kann Röntgenstrahlen, die durch einen Körper hin­durchlaufen und nicht von ihm absorbiert werden, aufnehmen und somit ein…

Wer hat das Licht gestohlen?

Selbstinduzierte ultraschnelle Demagnetisierung limitiert die Streuung von weicher Röntgenstrahlung an magnetischen Proben.   Freie-Elektronen-Röntgenlaser erzeugen extrem intensive und ultrakurze Röntgenblitze, mit deren Hilfe Proben auf der Nanometerskala mit nur einem…

Mediterrane Stadtentwicklung und die Folgen des Meeresspiegelanstiegs

Forschende der Uni Kiel entwickeln auf 100 Meter genaue Zukunftsszenarien für Städte in zehn Ländern im Mittelmeerraum. Die Ausdehnung von Städten in niedrig gelegenen Küstengebieten nimmt schneller zu als in…

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close