Die Macht der Nichtwähler

Entscheiden Nichtwähler Wahlen? Gerade nach einem knappen Wahlausgang stellt sich diese Frage, nicht zuletzt an die Parteien und deren Mobilisierungserfolg. Den Einfluss der Nichtwähler hat WZB-Forscher Ulrich Kohler jetzt mit einem neuen Index errechnet.

Für alle Landtags- und Bundestagswahlen hat er ermittelt, ob die erst- und zweitplatzierte Partei die Plätze hätten tauschen können, wenn alle Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben hätten. Sein Ergebnis: Bei 44 der insgesamt 213 Bundestags- und Landtagswahlen seit 1949 (22 Prozent) wäre dies möglich gewesen – so auch am Sonntag in Berlin.

Um an der SPD vorbeizuziehen, hätte die CDU bei den Berliner Abgeordnetenhauswahlen 29,8 Prozent der Nichtwähler-Stimmen bekommen müssen – angesichts ihres tatsächlich erzielten Stimmenanteils von 23,4 Prozent erscheint dies nicht ausgeschlossen. Einen ähnlich starken Einfluss hätten die Nichtwähler in Berlin nur noch bei den Abgeordnetenhauswahlen 1989, 1979 und 1975 gehabt.

Der von Ulrich Kohler und seinem Kollegen Richard Rose (University of Aberdeen) entwickelte Index gibt an, wie viel Prozent der Nichtwähler-Stimmen die zweitplatzierte Partei gebraucht hätte, um die Gewinnerpartei zu überholen. Je geringer die Differenz zwischen dieser Zahl (Index) und dem tatsächlichen Wahlergebnis ist, desto größer die Chance für dieses Szenario.

Der Kohler-Rose-Index liegt für alle Landtags- und Bundestagswahlen sowie für die Parlamentswahlen der meisten europäischen Länder seit 1990 vor. Er wird auch für künftige Wahlen ermittelt und zeitnah über die Website des WZB abrufbar sein: http://www.wzb.eu/nonvoter

Pressekontakt

Dr. Ulrich Kohler
Abteilung Ungleichheit und soziale Integration
fon: 030 25491 361
kohler@wzb.eu
Claudia Roth
Referat Information und Kommunikation
fon: 030 25491 510
claudia.roth@wzb.eu

Media Contact

Dr. Paul Stoop idw

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften

Der neueste Stand empirischer und theoretischer Erkenntnisse über Struktur und Funktion sozialer Verflechtungen von Institutionen und Systemen als auch deren Wechselwirkung mit den Verhaltensprozessen einzelner Individuen.

Der innovations-report bietet Ihnen hierzu interessante Berichte und Artikel, unter anderem zu den Teilbereichen: Demografische Entwicklung, Familie und Beruf, Altersforschung, Konfliktforschung, Generationsstudien und kriminologische Forschung.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Hybride Strom-Wärme-Erzeugung

Neuartiges Parabolrinnen-Solarmodul entsteht an TU Graz. Mittels Hohlspiegel auf Photovoltaik-Zellen gebündelte Sonnenstrahlen liefern nicht nur Strom, sondern auch thermische Energie zum Heizen oder Kühlen. Drei technologische Innovationen verringern die Kosten…

Geheimnissen unserer Galaxie auf der Spur

Benachbarte Sternhaufen bewegen sich als Welle. Neue Ergebnisse deuten darauf hin, dass es keine signifikante Menge an dunkler Materie in unserer Nachbarschaft gibt. Erst vor wenigen Jahren entdeckte ein internationales…

Innovative Computertomographie

…verbessert Beurteilung der koronaren Herzkrankheit. Studie der Universitätsmedizin Mainz zeigt: Schweregrad der Erkrankung bei über 50 Prozent der Patient:innen mit Standardverfahren zu hoch eingestuft. Forschende der Universitätsmedizin Mainz haben gezeigt,…

Partner & Förderer