Türken stabilisieren Wohngebiete

„Leben in benachteiligten Wohngebieten“ heißt eine Studie, die sich mit den Lebensbedingungen in vier Kölner Wohngebieten, Bilderstöckchen, Kalk-Nord, Kalk-Süd und Kölnberg, beschäftigt. Alle vier Wohngebiete weisen überdurchschnittliche Quoten von Sozialhilfeempfängern auf, sie sind in Bilderstöckchen relativ am niedrigsten, in Kölnberg relativ am höchsten. Die Soziologen Professor Dr. Jürgen Friedrichs und Dr. Jörg Blasius vom Forschungsinstitut für Soziologie der Universität zu Köln haben in diesen Gebieten 431 deutsche und zusätzlich in Kalk-Nord und Kölnberg 230 türkische Bewohner befragt. Die Ergebnisse sind bemerkenswert.

Verhaltensweisen in armen Vierteln

Was den Bewohnern nicht gefällt sind Lärm und Verkehr (32 Prozent), Schmutz bzw. Dreck (29 Prozent, in Kölnberg sogar 42 Prozent), Gefahr und Kriminalität (23 Prozent, in Kölnberg 36 Prozent) und „Ausländer“ (28 Prozent) – letzteres sagen vor allem die Bewohner von Kalk-Nord. Was ihnen gefällt, sind vor allem die zentrale Lage (39 Prozent) sowie – bis auf Kölnberg – die gute Erreichbarkeit (36 Prozent) und die Nachbarn (23 Prozent). Die türkischen Befragten hingegen nennen vor allem als positives Merkmal „Nachbarn“.

Gefragt wurde auch nach den sozialen Normen im Gebiet, z.B. ob es vorkommt, dass ein Nachbar Kinder beschimpft, eine Frau sexuell belästigt wird, eine Ausländerin beschimpft wird, ein 15jähriges Mädchen schwanger wird, jemand im Wohnviertel betrunken ist, ob jemand trotz Sozialhilfe eine Putzstelle annimmt. Diese Verhaltensweisen kommen nach Aussagen der befragten in allen Wohngebieten vor, wenngleich in unterschiedlichem Maße. Erstaunlich ist, dass die deutschen Befragten solche Verhaltensweisen weniger stark verurteilen als die türkischen. Die Urteile der türkischen Bewohner sind auch einheitlicher. Fazit: Die türkischen Bewohner stabilisieren ein Wohngebiet.

Je „ärmer“ das Wohngebiet ist, desto eher werden solche abweichenden Verhaltensmuster auch akzeptiert. Fazit: Das Wohngebiet hat einen Einfluss auf das Verhalten der Bewohner, wenn die Bewohner einen großen Teil ihrer viel Zeit im Gebiet verbringen und wenn sie wenige Bekannte haben.

Die Kölner Sozialwissenschaftler fanden ferner heraus, dass je größer die Benachteiligung eines Bewohners ist, desto stärker beschränken sich seine Aktivitäten auf das Wohngebiet. Je größer die Benachteiligung ist, desto eher leben die Personen in Wohnungen, die von den Interviewern als „schmutzig“ oder „beschädigt“ eingestuft wurden. Je schlechter der Zustand der Wohnung war, desto seltener erhielt die befragte Person Besuch oder besuchte andere. Die Benachteiligung wird sich also nochmals erschwerend auf die sozialen Kontakte aus.

Verantwortlich: Dr. Wolfgang Mathias
Für Rückfragen steht Ihnen Professor Dr. Jürgen Friedrichs unter der Telefonnummer 0221 470 2409, der Fax-Nummer 0221 470 5180 und der Email-Adresse friedrichs@wiso.uni-koeln.de zur Verfügung.
Unsere Presseinformationen finden Sie auch im World Wide Web http://www.uni-koeln.de/organe/presse/pi/index.html.

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Gabriele Rutzen idw

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