Nachhaltige EU-Energiestrategie gefordert

Vor dem Hintergrund der morgen in Brüssel stattfindenden Frühjahrstagung der europäischen Staats- und Regierungschefs zur Energie- und Klimapolitik fordert die VDI-Gesellschaft Energietechnik (GET) über das bisherige EU-Energiepaket hinausgehende Maßnahmen.

„Nur wenn alle Bereiche und Verbraucher Energie effizienter nutzen, können die Ziele zur Senkung der CO2-Emissionen erreicht werden. Einen wichtigen Anteil der Primärenergieeinsparung kann im Wärmesektor, insbesondere durch Dämmung und effiziente Heizungs- und Lüftungssysteme erbracht werden“, betont Professor Dr. Klaus Riedle, der Vorsitzende der GET. Im Verkehrsbereich sei dem Anstieg des Energieverbrauchs durch verbesserte Antriebe entgegenzuwirken. Effiziente Technik helfe aber nur, wenn wir als Nutzer diese auch einsetzen.

Aus Sicht des VDI ist es nunmehr dringend erforderlich, sich über den künftigen Energiemix zu verständigen und Forschungs- und Entwicklungsarbeiten in wirtschaftlich und ökologisch vertretbare Richtungen zu lenken. Der Einsatz von 10 Prozent Biokraftstoffen im Kraftstoffmix erfordert zum Beispiel gezielte Arbeiten zur Entwicklung von Biokraftstoffen der zweiten Generation und wird das verfügbare Potenzial an Biomasse in der EU zu einem Drittel in Anspruch nehmen.

Der Stromerzeugung in der EU, die mit ca. zwei Prozent pro Jahr wächst, ist künftig verstärkte Aufmerksamkeit zu schenken. Insbesondere Braunkohle und die am Weltmarkt kostengünstig zu beschaffende Steinkohle werden eine gleich bleibende bis zunehmende Rolle spielen. „Um den Einsatz der Kohle klimaverträglich weiter verantworten zu können, ist insbesondere die Effizienzsteigerung im Kraftwerksbereich weiter voranzutreiben. Umwandlungsgrade von über 50 Prozent bei Kohle und über 60 Prozent bei gasgefeuerten Anlagen sind anzustreben“, sagt VDI-Experte Riedle.

Parallel dazu müssen auch die Technologien weiterentwickelt werden, die es erlauben, das im Kraftwerksprozess anfallende CO2 abzuscheiden und in geeigneten geologischen Formationen zu speichern. „Diese so genannte Carbon Capture and Storage-Technologie, ist bis zur kommerziellen Reife weiter zu entwickeln“, fordert Riedle. Erst dann könne beurteilt werden, ob eine ausschließliche Zulassung von CCS-Technologie für fossile Kraftwerke ab 2020, wie von der EU-Kommission empfohlen, insgesamt eine Verbesserung erreicht. Die bisher bekannten Technologien führen zu erheblichen Verschlechterungen der Wirkungsgrade und widersprechen dem gesetzten Ziel der Primärenergieeinsparung.

Kernenergie kann und wird einen wichtigen Beitrag für eine wirtschaftlich und ökologisch vertretbare Energieversorgung leisten und ist für die Minderung der CO2-Emissionen unabdingbar. Mit der Vollendung des europäischen Binnenmarktes wird Strom aus Kernenergie in der gesamten EU zur Verfügung stehen. Die technologische Weiterentwicklung der Kerntechnik im Hinblick auf Generation IV sollte aus Sicht des VDI ein wichtiges Ziel der Europäischen Forschungspolitik sein.

Grundsätzlich erfordert der Einsatz aller Energien zur Stromversorgung die Betrachtung des primärenergetischen Aufwands der gesamten Kette über Herstellung, Betrieb und Entsorgung. Erneuerbare Energien müssen sich künftig an der Wettbewerbsfähigkeit orientieren. Für die Ingenieure besteht die Aufgabe darin, weitere Entwicklungen voranzutreiben, die die Kosten für die Nutzung erneuerbarer Energien senken.

Angesichts eines schnell veränderlichen Umfelds im globalen Wettbewerb empfiehlt der VDI sicherzustellen, dass immer ausreichende technische Optionen im Energiebereich zur Verfügung stehen. Deren unterschiedliche Einschätzungen in der Öffentlichkeit diskutiert der VDI Fach und Kultur übergreifend. Er möchte damit zur Akzeptanz für eine in die Zukunft gerichtete Energieversorgung beitragen und für die Entscheidungsträger ein verlässlicher, sachbezogener Ratgeber sein.

Media Contact

Sven Renkel M.A. VDI

Weitere Informationen:

http://www.vdi.de

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