Wölfe lernen besser von Artgenossen als Hunde

Wölfe beobachten sich untereinander viel genauer als Hunde und lernen so besser voneinander. <br>Foto: Walter Vorbeck <br>

Ihre Studie belegt, dass Wölfe deutlich erfolgreicher Artgenossen imitieren als Hunde. Wölfe scheinen sich untereinander genauer zu beobachten als Hunde. Wahrscheinlich liegt sogar der Ursprung der guten Hund-Mensch-Beziehung in dieser Fähigkeit der Wölfe untereinander zu kooperieren. Die Arbeit wurde soeben im Journal PLOS ONE veröffentlicht.

Wölfe wurden vor mehr als 15.000 Jahren domestiziert. Die Fähigkeit der Hunde, mit dem Menschen eine soziale Beziehung einzugehen, führen Experten auf diesen Veränderungsprozess vom Wild- zum Haustier zurück. Wie hat sich die Domestikation aber auf die Interaktion der Tiere untereinander ausgewirkt. Um diese Frage zu klären, untersuchten die Verhaltensforscherinnen Friederike Range und Zsófia Virányi insgesamt etwa 30 Wölfe und Hunde am Wolf Science Center (WSC) in Ernstbrunn, Niederösterreich.

Wölfe imitieren Artgenossen und lösen so Probleme

Die Forscherinnen zeigten anhand eines sozialen Lernversuchs, dass Wölfe wesentlich besser als Hunde abschneiden, wenn sie Artgenossen beim Öffnen eines Behälters beobachten, um dann selbst dieses Behältnis zu öffnen. An der Studie nahmen 14 Wölfe und 15 Mischlingshunde teil. Wölfe wie Hunde waren etwa sechs Monate alt, wurden mit der Hand aufgezogen und in Rudeln gehalten. Alle Tiere beobachteten eine von zwei Situationen, in der ein trainierter Hund eine Holzbox entweder mit der Schnauze oder der Pfote öffnete.

In jeder Box befand sich eine Futterbelohnung. Alle Wölfe öffneten erfolgreich die Box, nachdem sie den Artgenossen zuvor bei dieser Tätigkeit beobachtet hatten. Im Gegensatz dazu schafften dies lediglich vier von 15 Hunden. Friederike Range interpretiert: „Die Wölfe haben sehr genau beobachtet, was ihnen vorgemacht wurde und konnten dieses Wissen zum Lösen des Problems anwenden. Dies kommt wahrscheinlich daher, dass Wölfe sehr viel stärker auf die Koordination mit Artgenossen angewiesen sind als Hunde und daher auch aufmerksamer auf die Aktionen ihrer Partner achten“.

Auffällig war, dass Wölfe häufiger jene Methode zum Öffnen der Box verwendeten, die sie zuvor beobachtet hatten. Die Hunde hingegen wählten, wenn es denn klappte, eher zufällig zwischen den beiden Methoden „Schnauze“ oder „Pfote“.

Wölfe beobachten ihre Artgenossen genauer als Hunde es tun

Um auszuschließen, dass lediglich die Entwicklung der Hunde langsamer als die der Wölfe ist und so die Hunde noch zu jung für diese kognitive Leistung waren, wiederholten die Forscherinnen den Test noch einmal nach rund neun Monaten. Die älteren Hunde zeigten aber auch zu diesem späteren Zeitpunkt keine Verbesserung ihrer Fähigkeiten.

Eine Erklärung für die Überlegenheit der Wölfe ist, dass Wölfe möglicherweise besser Problemstellungen lösen, als Hunde. Im Fall der vorliegenden Studie testeten die Forscherinnen deshalb abermals die Fähigkeit der Wölfe, eine Box zu öffnen, jedoch ohne Demonstration durch einen Artgenossen. In diesen Fällen waren die Wölfe eher selten erfolgreich. Das Gelingen beruht also tatsächlich auf der Beobachtung der Artgenossen. Range: „Wir gehen davon aus, dass die Beziehung zwischen Mensch und Hund ursprünglich aus der Kooperation zwischen den Wölfen untereinander resultiert. Hunde haben diese angeborene sozialen Fähigkeit zur Kooperation auf den Menschen ausgeweitet und akzeptieren ihn als Sozialpartner.“

Der Artikel „Wolves are better imitators of conspecifics than dogs“ von Friederike Range und Zsófia Virányi wurde am 29.1.2014 im Journal PLOS ONE publiziert. http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0086559

Über die Veterinärmedizinische Universität Wien

Die Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna) ist die einzige veterinärmedizinische, akademische Bildungs- und Forschungsstätte Österreichs und zugleich die älteste im deutschsprachigen Raum (gegründet 1765). Die Vetmeduni Vienna forscht an Themen, die für die Gesellschaft bedeutend sind. Ihr Augenmerk gilt der Tiergesundheit ebenso wie der präventiven Veterinärmedizin, dem öffentlichen Gesundheitswesen genauso wie der Lebensmittelsicherheit. Im Forschungsinteresse stehen die Schaffung wissenschaftlicher Grundlagen für das Wohlbefinden von Tieren, Themen der Tierhaltung, des Tierschutzes und der Tierethik.

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