Hörverlust: Neue Erkenntnisse versprechen maßgeschneiderten Einsatz von Hörhilfen

Etwa eins von 1.000 Neugeborenen kommt mit einem Hörverlust zur Welt. Bei der Hälfte der Kinder sind Genmutationen die Ursache. WissenschaftlerInnen konnten inzwischen über 50 Taubheitsgene identifizieren. Die Behandlungsmöglichkeiten haben sich in den letzten Jahren stark verbessert.

Dennoch führen selbst modernste Hörhilfen wie Cochleaimplantate bisher häufig nicht zum gewünschten Erfolg. Die Arbeitsgruppe Neurogenetik an der Universität Oldenburg um Prof. Dr. Hans Gerd Nothwang will dies ändern – durch die Analyse von Taubheitsgenen.

Schon seit mehreren Jahren analysiert Nothwang und seine Forschungsgruppe Taubheitsgene von Mäusen, die Rückschlüsse auf die Funktionsweise menschlicher Hörverluste zulassen. Im Rahmen eines europäischen Verbundprojekts ist der Arbeitsgruppe nun der Nachweis gelungen, dass Mutationen in Taubheitsgenen nicht nur die Funktion des peripheren Hörsystems, also des Ohrs, sondern auch die zentrale Hörbahn beeinträchtigen.

Unter dem Titel „Retrocochlear function of the peripheral deafness gene Cacna1d“ (Retrocochleäre Funktion des peripheren Taubheitsgens Cacna1d) haben die Oldenburger zusammen mit WissenschaftlerInnen der Universitäten Mannheim und Tübingen diese Forschungsergebnisse in der renommierten Fachzeitschrift Human Molecular Genetics vorgestellt.

Das periphere Taubheitsgen Cacna1d ist essentiell für die Funktion des Innenohrs. Mit Hilfe modernster genetischer Techniken haben Nothwang und seine KollegInnen dieses Gen in der Hörbahn gezielt ausgeschaltet, ohne die Funktion des Innenohrs zu beeinträchtigen. Dabei stellten sie fest, dass die Abwesenheit des Gens drastische strukturelle und funktionelle Veränderungen in der zentralnervös gelegenen Hörbahn zur Folge hat.

Um zu klären, inwieweit auch andere Taubheitsgene wichtige Funktionen in der Hörbahn innehaben, kooperieren die WissenschaftlerInnen mit Gruppen innerhalb des Exzellenzclusters „Hearing4all“ unter Leitung von Prof. Dr. Dr. Birger Kollmeier, dem Forschungsschwerpunkt Neurosensorik und weiteren Oldenburger Arbeitsgruppen wie „Molekulare Systematik“ von Prof. Dr. Olaf Bininda-Emonds und „Computerorientierte theoretische Physik“ von Prof. Dr. Alexander Hartmann.

Durch diese vielfältigen Kooperationsmöglichkeiten biete sich den Oldenburger WissenschaftlerInnen ein optimales Forschungsumfeld, so Nothwang. „Von der interdisziplinären Zusammenarbeit versprechen wir uns Erkenntnisse, die für eine verbesserte individuelle Behandlung mit Hörhilfen von großer Bedeutung sein könnten.“

Kontakt: Prof. Dr. Hans Gerd Nothwang, Institut für Biologie und Umweltwissenschaften, Tel.: 0441/798-3932, E-Mail: hans.g.nothwang@uni-oldenburg.de

Media Contact

Dr. Corinna Dahm-Brey idw

Weitere Informationen:

http://www.uni-oldenburg.de

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