Herzmuskelschwäche durch Infarkt: Wie lässt sich Wiederaufbau von Herzmuskelgewebe stimulieren?

M.-A. Deutsch (vorne links) und sein Team. Hintere Reihe v. l.: PD Dr. M. Krane (Leiter Experim. Chirurgie), PD Dr. H. Lahm (Dipl.-Biol.), Dr. S. Doppler (Dipl.-Biol.), A. Werner (Dipl.-FH-Chem.). Foto: Deutsches Herzzentrum München

Wird ein Herzinfarktpatient nicht sofort in der Klinik behandelt und es vergeht zu viel Zeit bis zur Wiedereröffnung des verschlossenen Herzkranzgefäßes, kommt es zum Untergang von Herzmuskelgewebe.

Die Erneuerungsrate von Herzmuskelzellen im Erwachsenenalter ist äußerst gering. Im Schnitt führt ein Herzinfarkt zu einem Verlust von etwa einer Milliarde Herzmuskelzellen. Je nach Ausmaß des Gewebeverlusts kommt es langfristig zur Herzmuskelschwäche und zur chronischen Herzschwäche (Herzinsuffizienz).

Im Endstadium der Herzschwäche ist die Herztransplantation häufig die letzte Rettung. Um Infarktpatienten vor einem derart schwerwiegenden Verlauf zu schützen, sucht man in der Herzforschung intensiv nach neuen therapeutischen Ansätzen zum Wiederaufbau von Herzmuskelgewebe, z. B. durch die herzeigene Neubildung von Herzmuskelzellen.

„Einen vielversprechenden Ansatz auf dem Gebiet der Erneuerung von Herzmuskelzellen im Herzen verfolgt das Forschungsteam um Marcus-André Deutsch am Deutschen Herzzentrum München“, erklärt der Herzspezialist Prof. Dr. med. Udo Sechtem, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Stiftung für Herzforschung (DSHF – www.dshf.de).

Deutsch und sein Team versuchen im Tiermodell die herzeigene Neubildung von Herzmuskelzellen durch die Stimulation von Vorläuferzellen im Herzmuskelgewebe anzuregen. Die DSHF fördert das Vorhaben mit der Dr. Rusche-Projektförderung 2014 in Höhe von insgesamt 60.500 Euro für die Dauer von zwei Jahren. Das Projekt trägt den Titel „Spezifische zytokinbasierte Stimulation der endogenen kardialen Regeneration nach akuter Myokardischämie“.

Embryonale Herzentwicklung liefert wichtige Hinweise

Die Forscher gehen anhand von Untersuchungen am Herzen der ausgewachsenen Maus davon aus, dass nach einem künstlich herbeigeführten akuten Infarkt im Herzen der Maus bestimmte Zellen mit Stammzelleigenschaften vorkommen, die ansonsten nur während der embryonalen Herzentwicklung beobachtet werden können. Die Forscher konnten eine Zellpopulation mit Eigenschaften von Stammzellen identifizieren, sogenannter kardialer Vorläuferzellen (Progenitorzellen).

Diese Vorläuferzellen gelten für die Neubildung von Herzmuskelzellen als sehr aussichtsreich und sind einer Stimulation mit Wachstumsfaktoren (Zytokine) zugänglich. Die mit Wachstumsfaktoren stimulierten Zellen werden von Deutsch und Kollegen genauer beobachtet, um herauszufinden, ob sich diese Zellen in Herzmuskelzellen umwandeln. „Unser Erkenntnisse aus dem Infarktmodell der Maus sollen später auf Großtiermodelle übertragen werden, um der Entwicklung neuer Methoden bei der Behandlung von Patienten mit erlittenem Herzinfarkt einen entscheidenden Schritt näher zu kommen“, sagt Marcus-André Deutsch.

Der Internist Dr. Ortwin Rusche aus Bad Soden hatte die DSHF in seinem Testament als Alleinerbin eingesetzt. Aus dem zum Gedenken an den Erblasser eingerichteten Stiftungsfonds Dr. Ortwin Rusche soll nach dessen Wunsch alljährlich ein Projekt mit herzchirurgischem Schwerpunkt gefördert werden. Die Ausschreibung, auf die sich Nachwuchswissenschaftler aus der Herzchirurgie bewerben können, erfolgt gemeinsam durch die DSHF und die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG).

12/2014
Informationen:
Deutsche Stiftung für Herzforschung
Pressestelle:
Michael Wichert /Pierre König
Tel. 069 955128-114/-140
Fax: 069 955128-345
E-Mail: wichert@herzstiftung.de /
koenig@herzstiftung.de

Weitere Informationen:

http://www.dshf.de
http://www.herzstiftung.de/Forschung.html

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