Heidelberg wird internationales Kompetenzzentrum

BioRegion Rhein-Neckar-Dreieck hat Konkurrenten München und Berlin-Brandenburg bereits überholt – Aus der Mitgliederversammlung des BioRegion Rhein-Neckar-Dreieck e.V.

Heidelberg ist nicht nur wegen seines Codex Manesse oder der Universität weltbekannt. Von vielen Einheimischen gar nicht so recht registriert, von internationalen Forschungsinstituten dafür um so mehr, blühen und wachsen Im Neuenheimer Feld und anderen „Randbezirken“ der Stadt Biotech-Firmen, die Heidelberg in Kürze zu einem internationalen Kompetenzzentrum heranreifen lassen. Schon heute haben sich hier Weltunternehmen wie Lion Bioscience entwickelt. Mit der baldigen Fertigstellung der Erweiterung des Technologieparks werden weitere Firmen und Neugründungen aus der Branche der Life Sciences Einzug halten.

Kräftig unterstützt wird diese Entwicklung von dem BioRegion Rhein-Neckar-Dreieck e.V. Mit dem Verein hat sich die Region, die aus dem BioRegio-Wettbewerb 1996 als eine von drei Siegerregionen hervorgegangen ist, ein Instrument der kurzen Entscheidungswege geschaffen. Forschungsinstitutionen, Industrie, Kommunen und Finanzgeber arbeiten zusammen, um wissenschaftliche Ergebnisse in konkurrenzfähige Produkte umzusetzen und Neugründungen aus den Bereichen Bio- und Gentechnologie auf die Beine zu helfen. Dieses Konzept geht auf, wie Professor Konrad Beyreuther, ehemaliger Vorsitzender des BioRegion e.V., bei der diesjährigen Mitgliederversammlung zufrieden feststellte.

In den letzten Jahren habe es ganz im Gegensatz zum wirtschaftlichen Trend weder Wachstumseinbrüche, Entlassungen oder Zusammenbrüche von Biotech-Unternehmen gegeben, sagte er. Die Zahl der Vereinsmitglieder ist von 31 auf jetzt 46 gestiegen, davon sind die meisten Start-Up-Firmen. 14 Unternehmen sind insgesamt durch Unterstützung von BioRegio-Fördermitteln entstanden. Das waren Mitte des Jahres 657 neue Arbeitsplätze.

Der Schwerpunkt des „Biotech-Clusters“ liegt klar in Heidelberg. Jedoch sind weitere Mitglieder auch außerhalb, zum Beispiel in Rheinland-Pfalz, angesiedelt, ist Beyreuther sichtlich stolz und sieht den Erfolg der Vereinsarbeit bestätigt. Heidelberg besitzt ohnehin mit dem Zentrum für Molekulare Biologie der Universität Heidelberg, dem Europäischen Molekularbiologischen Laboratorium, dem Deutschen Krebsforschungszentrum, dem Max-Planck-Institut für medizinische Forschung und zahlreichen anderen naturwissenschaftlichen und medizinischen Universitätsinstituten eine Konzentration exzellenter Forschung, die in Europa ihresgleichen sucht. Die Ansiedlung vieler neuer Biotech-Unternehmen ist eine Folge dieser Konzentration und der Politik, die jene Entwicklung unterstützt.

Der Biotech-Cluster im Rhein-Neckar-Dreieck hat seine beiden deutschen Konkurrenten, die Gebiete um München und Berlin-Brandenburg, bereits deutlich überholt. Aber das reicht den Machern des BioRegion e.V. noch nicht, sie wollen mit den Stärksten konkurrieren. Das sind zum einen die San Francisco Bay Area in Kalifornien und zum anderen das Gebiet um Boston in Massachusetts. Beide Regionen sind für nachhaltiges Wachstum bekannt. Nach 1980 hat sich aus revolutionären Innovationen der Gentechnologie an Forschungszentren wie Stanford, Berkeley, Harvard oder MIT eine Industrie mit 50 000 Beschäftigten entwickelt. Daran gemessen haben die großen deutschen Biotechnologie-Standorte, die erst in den letzten fünf Jahren mit dem BioRegio-Wettbewerb der Bundesregierung entstanden sind, noch einen weiten Weg vor sich.

Das vorläufige Ziel des BioRegion e.V. liegt in der Erhaltung der Wachstumsdynamik in diesem Sektor. Dazu wird eine kritische Masse von 5000 Arbeitsplätzen insgesamt in den nächsten fünf Jahren angepeilt, die ein nachhaltiges Wachstum im Wettbewerb der großen Cluster gewährleisten soll. Gemessen an der bisherigen Entwicklung – die Zahl der Arbeitsplätze hat sich in den letzten fünf Jahren von 400 auf etwa 1550 fast vervierfacht – und einer Wachstumsrate von 50 Prozent liegt das durchaus im Bereich des Möglichen. Dabei will das Land Baden-Württemberg aus der Zukunftsinitiative des Landes 20 Millionen Mark für Biotech-Forschungsprojekte für das ganze Ländle bereitstellen. BioRegion e.V. wird dabei seine Mitgliedsunternehmen unterstützen, sich um Mittel aus diesem Topf zu bewerben.

Die Struktur des BioRegion Rhein-Neckar-Dreieck e.V. hat sich nach der Mitgliederversammlung wie folgt verändert: neuer Vorsitzender des Vorstands ist Professor Stefan Meuer, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Immunologie der Universität Heidelberg. Meuer löst damit Professor Konrad Beyreuther ab, der als Staatsrat beim Land Baden-Württemberg und als Unternehmensgründer von Abeta GmbH nicht mehr zur Verfügung steht. Als Stellvertretender Vorsitzender wurde Dr. Jürgen Schwiezer, Vorsitzender der Geschäftsführung Roche Diagnostics, Mannheim, wiedergewählt. Die weiteren in ihrem Amt bestätigten Vorstandsmitglieder sind Hans Peter Kneubühl, Vorsitzender des Vorstandes, Therascope AG, Dr. Josef Puchta, Administratives Mitglied des Stiftungsvorstandes, DKFZ und Helmut Schröder, Direktor des Amtes für Wirtschaftsförderung, Stadt Mannheim. Neu gewählt wurden Dr. Klaus Plate, Geschäftsführer des Technologieparks Heidelberg und Stadtdirektor der Stadt Heidelberg; Professor Thomas Schreckenbach, Mitglied des Vorstandes von Merck, Darmstadt; Dr. Dieter Jahn, Abteilungsdirektor Hochschulbeziehungen und Forschungsplanung der BASF, Ludwigshafen sowie Dr. Bernd-Uwe Jahn, Verwaltungsdirektor des EMBL, Heidelberg.

Georg Sposny

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