Den schlauen Fuchs mit Ködern überlisten

In Baden-Württemberg beginnt in dieser Woche eine groß angelegte Kampagne zur Bekämpfung des Fuchsbandwurms. Der gefährliche Parasit kann bei Menschen im Falle einer Übertragung zu schweren Tumoren führen. Das MINISTERIUM FÜR ERNÄHRUNG UND LÄNDLICHEN RAUM BADEN-WÜRTTEMBERG hat deshalb eine vorsorgliche Behandlung der Füchse mit Hilfe eines Fraßköders angeordnet, nachdem mehrjährige Studien gezeigt haben, dass die Befallsraten und damit die Krankheitsgefahr in Baden-Württemberg deutlich gestiegen sind. Mit der erfolgreichen Aufnahme des Köders wird die Ausscheidung von Parasiteneiern gesenkt und damit die Ursache für die gefährliche Krankheitsverbreitung stark vermindert. Der von der Bayer AG speziell entwickelte Köder enthält ein gegen Bandwürmer wirksames Tierarzneimittel. Die Köderauslage erfolgt per Flugzeug in Absprache mit den zuständigen Veterinär- und Gesundheitsämtern.

Erste Behandlungsgebiete sind der Main-Tauber- und Neckar-Odenwald-Kreis im Norden des Landes. Das anschließend vorgesehene südliche Behandlungsgebiet umfasst den Alb-Donau-Kreis und die Kreise Göppingen und Reutlingen. Begleitende wissenschaftliche Untersuchungen der Universität Stuttgart-Hohenheim sollen weitere Erkenntnisse über den Bekämpfungserfolg bringen. Die besiedelten Gebiete – vor allem großräumig um Ulm – werden bei der Ausbringung ausgespart. Der plätzchenähnliche rund 13 Gramm wiegende Köder enthält als Lockstoff Fischmehl und einen Wirkstoff, der bei Hunden und Katzen bereits erfolgreich als Tierarzneimittel eingesetzt wird. Er ist für Tiere und Menschen ungefährlich. In den betroffenen Gebieten sollten Hunde jedoch angeleint werden, um den Behandlungserfolg nicht zu gefährden.

Die Infektion ist nicht zu unterschätzen. Der Fuchs kann viele tausend kleine Würmer im Dünndarm beherbergen und scheidet dann mit seinem Kot täglich im Extremfall bis zu 100.000 Bandwurm-Eier aus. Übertragungswege für den Menschen sind unter anderem Waldfrüchte und Waldpilze. Für Hunde und Katzen sind es Mäuse und andere kleine Nager, mit denen die vierbeinigen Hausgenossen auf Streifzügen in der Natur in Kontakt kommen. Über Hund und Katze findet der Erreger leicht den Weg zum Menschen. Aus den Eiern schlüpfen im menschlichen Darm die Larven. Sie durchbohren die Darmwand und wandern in die Leber. Es entstehen tumorähnliche Krankheitsbilder. Die Heimtücke dabei: Meist bleibt eine Infektion über Jahre hinweg unerkannt. Wenn dann die ersten Beschwerden auftreten, ist eine Heilung kaum noch möglich. Mögliche Auswege: Operation oder eine Langzeittherapie des betroffenen Organs mit Medikamenten. „Die regelmäßige Entwurmung der Haustiere mit Medikamenten ist eine weitere vorsorgliche Maßnahme“, rät Dr. Rainer Will, Bayer-Biologe und verantwortlicher Projektleiter für die Fuchsbandwurmbekämpfung.

Aus den Erkenntnissen der geplanten dreijährigen Behandlungsaktion wollen die Behörden und Forscher der Universität Hohenheim Rückschlüsse auf eine mögliche Behandlung der Stadtfüchse gegen den Fuchsbandwurm ziehen. Denn auch die dicht besiedelten Gebiete sind betroffen, wie Untersuchungen in Köln, Berlin, Stuttgart oder München zeigen. „In allen Großstädten gibt es neuerdings größere Fuchspopulationen – auch mitten im Stadtkern“, berichtet der Bayer-Experte Will. In manchen Gebieten Süddeutschlands ist bereits über die Hälfte aller Füchse infiziert.

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