Bittere Mahlzeit macht Hummeln gewissenhafter

Bienengruppe des Biozentrums berichtet in „Nature“:

Auch bei Hummeln gibt es Pedanten und Schlamper. Die sorgfältigen Tiere lassen sich bei der Futtersuche Zeit und wählen mit hoher Präzision geeignete Nahrungsquellen aus. Dagegen eilen schlampige Hummeln schnell von Blüte zu Blüte und machen dabei viele Fehler. Allerdings können die Hummeln durch eine Bestrafung zu mehr Sorgfalt gebracht werden. Über diese an der Uni Würzburg gewonnenen Erkenntnisse berichtet die Zeitschrift „Nature“ in ihrer neuen Ausgabe.

Für ihre Experimente haben Fiola Bock und Lars Chittka von der Bienengruppe des Würzburger Biozentrums individuell markierte Hummeln und eine virtuelle Blumenwiese benutzt: Auf eine Wand aus Plexiglas projizierten sie verschiedenfarbige Kreise (Blüten) und platzierten in deren Mitte kleine Näpfe mit Flüssigkeiten (Nektar). Bei der Farbe dunkelblau erhielten die Hummeln eine nahrhafte Zuckerlösung, bei Hellblau zunächst nur einfaches Wasser.

Auf diese Weise lernten die Insekten, dass sie in den dunkelblauen „Blüten“ Futter finden und bei den anderen leer ausgehen. Trotzdem führten insgesamt nur 62 Prozent aller Anflüge zu den Zuckertöpfen. Diese schlechte Quote rührte daher, dass manche Hummeln ihre Sammelflüge schlampig durchführten und oft auch die Wassernäpfe ansteuerten.

Das Bild änderte sich, als die Würzburger Forscher die hellblauen Farbkreise nicht mehr mit Wasser, sondern mit einer Chinin-Lösung befüllten. Chinin ist ein farb- und geruchloser, bitter schmeckender Naturstoff, der zum Beispiel für Limonaden wie Tonic Water verwendet wird. Die Hummeln verabscheuen ihn wegen seines Geschmacks, wurden beim Experiment also bestraft, wenn sie eine hellblaue Blüte aufsuchten.

Ergebnis: Statt nur 62 führten plötzlich 83 Prozent der Anflüge zu den „richtigen“ Blüten. Um den bitteren Stoff zu vermeiden, gingen die Hummeln bei der Nahrungssuche nun wesentlich gewissenhafter und mit mehr Zeitaufwand zu Werke. Als die Biologen das Chinin wieder durch Wasser ersetzten, war es aber mit der erhöhten Sorgfalt zu Ende und die Hummeln fielen in ihre alten Gewohnheiten zurück.

Die Würzburger Forscher plädieren deshalb dafür, dass zukünftig bei Experimenten, bei denen die Unterscheidungsfähigkeit von Tieren untersucht wird, auch die Zeit einbezogen werden sollte, welche die Tiere für die Aufgaben benötigen.

Weitere Informationen:

Fiola Bock
Tel.: 0931 – 888-4329, Fax 0931 – 888-4309
E-Mail: bock@biozentrum.uni-wuerzburg.de

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Robert Emmerich idw

Weitere Informationen:

http://www.uni-wuerzburg.de

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