Hausschwein als Lebensretter: Grazer Wissenschafter isolieren Leber-Enzym

Das Schwein ist als Glückssymbol allgemein bekannt, Enzyme aus seiner Leber können nun Dank der Arbeit einer Grazer Forschergruppe tatsächlich Gutes tun:

Wissenschaftern des Institutes für Molekulare Biotechnologie der TU Graz ist es gemeinsam mit Kollegen des Kompetenzzentrums „Angewandte Biokatalyse“ (A-B) in enger Zusammenarbeit mit mehreren Projektteams von DSM gelungen, das Enzym erstmals in technologisch nutzbaren Mengen herzustellen.

Das Wissenschafter-Team lieferte damit die Basis für einen wesentlichen Baustein eines neuen, blutdrucksenkenden Medikaments. Die Forschergruppe erhielt für ihre bahnbrechende Entwicklungsarbeit kürzlich den mit 50.000 Euro dotierten „DSM – Innovation Award“.

Abhängig vom Alter leidet bis zu einem Drittel der Menschen in Industrieländern an Bluthochdruck, der Herzkrankheiten und Schlaganfälle auslöst. Grazer Forscher haben durch ihre Arbeit das Hausschwein in den Dienst der Gesundheit gestellt. „Es ist uns gelungen, ein Enzym aus der Schweineleber für die Herstellung eines neuartigen Blutdruck-Medikaments zu entwickeln“, erklärt Helmut Schwab, der das Institut für Molekulare Biotechnologie der TU Graz leitet. „Wir haben dazu erstmals gezielt das Enzym aus der Schweineleber gewonnen, das die Basis für den zentralen Baustein des neuen Wirkstoffs liefert“, erläutert Schwab den technologischen Durchbruch, für den er gemeinsam mit seinen Kollegen vom A-B-Kompetenzzentrum die internationale Auszeichnung des DSM-Konzerns erhalten hat.

Spiegelbild ausschließen

„Enzyme aus der Schweineleber gelten schon seit langem als Hoffnungsträger in der Chemie. Bisher konnte aber niemand das Enzym in der richtigen Form und in industriell brauchbaren Mengen herstellen“, so Biotechnologe Harald Pichler. „Die Schwierigkeit liegt unter anderem darin, dass viele pharmazeutische Moleküle auf chiralen Molekülen basieren.“ Chiral sind Moleküle, die in ihrer Struktur quasi ein „Spiegelbild“ aufweisen. „Verwendet man den falschen Wirkstoff, kann dieser mitunter fatale unerwünschte Nebenwirkungen bringen“, verweist Pichler etwa auf das Beispiel des Beruhigungsmedikaments Contergan, das vor rund fünfzig Jahren zu Fehlbildungen an tausenden Neugeborenen geführt hatte. „Durch unsere neue Technologie, die „Alternative Schweineleber-Esterase“ (pharmaPLE?), können wir gezielt das für den Wirkstoff benötigte chirale Molekül herstellen.“

Die Forschergruppe legte damit den Grundstein für ein neues Medikament mit großem Hoffnungspotenzial: Das neue Heilmittel gilt als gut verträglich und eignet sich vor allem für Patienten mit mäßig überhöhtem Blutdruck. Der Wirkstoff hält sich zudem lange im Körper, Patienten müssen das Medikament daher seltener einnehmen als vergleichbare Präparate. In den USA ist der neue Blutdrucksenker bereits am Markt. In Europa genehmigte die Europäische Kommission den Arzneistoff im August.

Rückfragen:
Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr.techn. Helmut Schwab bzw. Dr. techn. Harald Pichler
Institut für Molekulare Biotechnologie
Email: helmut.schwab@TUGraz.at bzw. harald.pichler@TUGraz.at
Tel: +43 (316) 873 – 4070 bzw. +43 (316) 873 – 4089

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Alice Senarclens de Grancy idw

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