Basis für neue medikamentöse Therapie bei Demenz

Professor Dr. Evgeni Ponimaskin Foto: MHH/Kaiser

Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben entdeckt, dass für das Lernen und das Gedächtnis bestimmte Moleküle in den Gehirnzellen aktiviert werden müssen: die sogenannten Serotoninrezeptoren 5-HT7.

Diese in der Fachzeitschrift Cell Report veröffentlichte Erkenntnis kann helfen, neue Therapien zur Behandlung von neurologischen und psychiatrischen Krankheiten wie beispielsweise Demenz zu entwickeln. Es handelt sich hauptsächlich um die Ergebnisse der Doktorarbeit von Monika Bijata aus dem Team von Professor Dr. Evgeni Ponimaskin des MHH-Instituts für Neurophysiologie. Die Arbeit wurde in Kooperation mit dem Nencki-Institut in Warschau durchgeführt und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Europäischen Union (EU) unterstützt.

Die Nervenzellen im Gehirn sind von der sogenannten extrazellulären Matrix umgeben, die sich wie ein Netz schützend und stabilisierend um die Neuronen sowie die Kontaktstellen zwischen den Neuronen (Synapsen) legt. Die extrazelluläre Matrix ist unter anderem für das Speichern von Informationen im Gehirn wichtig.

Wenn Erinnerungen stärker werden oder Neues gelernt wird, intensivieren sich die Kontakte zwischen den Nervenzellen beziehungsweise werden neue Kontakte geknüpft. Doch vor diesem Prozess muss zunächst die extrazelluläre Matrix zwischen den Nervenzellen abgebaut werden, da sie die Synapsenbildung zwischen den Zellen sonst stören würde.

Die MHH-Wissenschaftler haben nun herausgefunden, dass für diesen Matrix-Umbau die Serotoninrezeptoren 5-HT7 aktiviert werden müssen, die sich teilweise auch an den Synapsen befinden. Die Forscher konnten auch die zugrundeliegenden zellulären Mechanismen aufklären.

Bei vielen neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen wie beispielsweise bei Demenz gehen Verbindungen zwischen den Nervenzellen verloren und können auch nicht neu geknüpft werden. Um diesem Prozess entgegenzuwirken, müssen Medikamente gefunden werden, die die Bildung neuer beziehungsweise die Verstärkung existierender Synapsen fördern.

„Wir wissen nun, dass auch die Substanzen helfen könnten, die den Serotoninrezeptor 5-HT7 spezifisch aktivieren. Diese wollen wir nun entwickeln und testen“, sagt Professor Ponimaskin.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Professor Dr. Evgeni Ponimaskin, ponimaskin.evgeni@mh-hannover.de, Telefon (0511) 532-3020.

Im Internet finden Sie die Originalpublikation unter folgendem Link:

http://www.cell.com/cell-reports/fulltext/S2211-1247(17)30648-4

Media Contact

Stefan Zorn idw - Informationsdienst Wissenschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie

Der innovations-report bietet im Bereich der "Life Sciences" Berichte und Artikel über Anwendungen und wissenschaftliche Erkenntnisse der modernen Biologie, der Chemie und der Humanmedizin.

Unter anderem finden Sie Wissenswertes aus den Teilbereichen: Bakteriologie, Biochemie, Bionik, Bioinformatik, Biophysik, Biotechnologie, Genetik, Geobotanik, Humanbiologie, Meeresbiologie, Mikrobiologie, Molekularbiologie, Zellbiologie, Zoologie, Bioanorganische Chemie, Mikrochemie und Umweltchemie.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Mit dem Klimawandel Schritt halten?

GEOMAR-Studie zeigt Anpassungsfähigkeit von Ruderfußkrebsen, solange nicht zu viele Stressfaktoren gleichzeitig auftreten. Die für die Nahrungsnetze der Ozeane wichtigen Copepoden können sich genetisch an wärmere und saurere Meere anpassen. Dies…

Arktisches Meereis weiter auf dem Rückzug

Der heiße Sommer 2022 auf der Nordhalbkugel wirkt sich zwar nur moderat auf die Meereisbedeckung aus, der Negativtrend setzt sich aber weiter fort. Am 16. September erreichte das Meereis in…

Mehrjährige Blühstreifen in Kombination mit Hecken

… unterstützen Wildbienen in Agrarlandschaften am besten. Blühzeitpunkte von Blühstreifen und Hecken ergänzen sich gegenseitig und fördern Bienendiversität. Vivien von Königslöw: „Ergebnisse legen nahe, bevorzugt mehrjährige Blühstreifen statt einjährige Blühstreifen…

Partner & Förderer