Car 2040: Knautschzonenfreie Textilhülle statt Blech

In der Forschung schon verwirklicht: Der in eine Motorhaube integrierte Fußgängeraufprallschutz aus 3D-Textilien – ein Projekt Aachener und Dresdner Textilforscher (Quelle: S. George)

Straßenkreuzer, Nuckelpinne, heilig‘s Blechle… Wer das Auto in zwei, drei Jahrzehnten angesichts der möglichen Entwicklungen treffend benennen will, sollte fantasievoll in der Wortwahl sein, meint Zukunftslotse Thomas Strobel.

Aus seinen branchenübergreifenden Projekten mit sogenannten Zeitreisen im Auftrag der Textil- und Papierindustrie, hat Strobel jetzt auch für den Automobilbau der Zukunft einige Botschaften abgeleitet. Sie betreffen material- und nutzertechnische Veränderungen, die den Pkw von übermorgen innerlich wie äußerlich ziemlich anders aussehen lassen könnten.

Textile Außen-Airbags
Weil das Automobil mittelfristig auf dem Weg zum autonom gesteuerten Fahrzeug ist, müssten laut Strobel nicht nur Fahrschulen, Einsatzleiter von Polizei-Radarmesswagen und Punkte-Hüter in Flensburg umdenken. „Ohne menschliche Fehler, die laut Statistik heute für 90 Prozent aller Unfälle verantwortlich sind, kann und muss das Thema Fahrzeugsicherheit komplett anderes gedacht werden“, regt der Münchner Nachhaltigkeitsexperte und Geschäftsführer der FENWIS GmbH an. Materialintensive Knautschzonen heutiger Bauart seien dann beispielsweise überflüssig. Damit stelle sich für den Maschinenbauingenieur die Frage: „Wann beginnen wir in der Konstruktion mit dem ‚Rückbau‘ und forcieren dafür angemessenen recyclebaren Leichtbau?“ Kommen leichtere Autos, muss auch die Aufprallsicherheit anders garantiert werden. Dafür bringt der 51-Jährige textile Außenairbags (siehe Foto) ins Gespräch, die im Ernstfall auch den Schutz grundsätzlich „schwächerer“ Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger, Radfahrer und Nutzer von Kleinstfahrzeugen erheblich verbessern sollen.

Weil Sicherheit auch im Jahr 2040 weiterhin an erster Stelle stehen werde, könnte der Gesetzgeber künftig vorschreiben, dass in jedem Auto eine Außenkamera im Kühler integriert werde. Der Zukunftslotse sieht darin drei Vorteile: Neben einer lückenlosen und dann gerichtsfesten Dokumentation der Fahrt könne sich der ohnehin autonom chauffierte „Automitfahrer“ die Straße vor ihm via Bildschirm anzeigen lassen. Die Folge: Automobilhersteller könnten auf die steinschlaganfällige Windschutzscheibe fast und auf die altmodischen Scheibenwischer mit rubbelnder und schmierender Gummilippe ganz verzichten.

Papierbasiertes Armaturenbrett
Beim autonomen Fahren verliert auch das Armaturenbrett an Bedeutung. Es müsse dann nicht mehr als cockpitartiges Kunststoff-Formteil gestaltet werden, sondern könnte aus einigen Lagen Hightech-Papier/-Pappe mit integrierten Leiterbahnen und elektronischen Bauteilen bestehen. „Auf die Oberfläche kommt dann noch ein großflächiges gedrucktes Display für alles, was angezeigt werden muss – und fertig ist die Armatureneinheit auf Papierbasis.“

Der sich heute bereits abzeichnende Trend „Benutzen statt Besitzen“ in der Mobilität hat aus Sicht des Zukunftsforschers u. a. zur Folge, dass das Fahrzeug nicht mehr bei der Bestellung nach individuellen Wünschen eines privaten Käufers konfiguriert werde. Stattdessen müsse es künftig möglich sein, baugleiche Modelle von Car-Sharing-Fahrzeugen bei Bedarf temporär an die Wünsche des Nutzers anzupassen: per Smartphone mit einer Konfigurations-App. Die liest aus dem Nutzerprofil beispielsweise die präferierte Lieblingsfarbe samt Lichtstimmung im Innenraum – für aktive textile Innenverkleidungen und Dachhimmel mit Lichtsteuerung und Farbwechsel – ebenso heraus wie die bevorzugte Sitzposition.

Konstruktionsteile im 3D-Druck
Weil es aktuell bereits erste Versuche dazu gibt, hält Strobel für bestimmte Pkw-Baureihen im Jahr 2040 die Konstruktion der tragenden Teile eine Gitterstruktur aus dem 3D-Drucker für möglich. Die Außenhaut der Karosserie bestehe dann statt aus Blech oder Kunststoff aus Textilmaterial. Das ermögliche auch Formfaktoren mit Ziehharmonika-artig anpassbaren Fahrzeuggrößen durch längenverstellbare Rahmenteile und flexible Textiloberflächen. Mit eingearbeiteten Displays in der Stoffhülle ließe sich dann auch die Außenfarbe vom jeweiligen Nutzer einstellen, eventuell sogar mit Rallye-Streifen und individueller Werbeschrift. Werde der vollständig wieder abbaubare Stoff eines Tages unansehnlich, könne er einfach ausgetauscht werden, damit das robuste Basisfahrzeug eine möglichst hohe ressourcenschonende Lebenserwartung erreicht. Kontakt: www.fenwis.de

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Thomas Strobel InnoMedia Berlin

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