Resistente Maiswurzelbohrer in den USA

In mehreren US-Bundesstaaten werden Maiswurzelbohrer resistent gegen ein Bt-Protein, das von bestimmten gentechnisch veränderten Bt-Maissorten produziert wird. 22 führende Wissenschaftler, die sich mit Schädlingsbekämpfung im Maisanbau beschäftigen, wandten sich deshalb Anfang März in einem gemeinsamen Brief an die US-Umweltbehörde EPA.

Sie kritisieren unter anderem ein unzureichendes Resistenzmanagement und die Vermarktungsstrategien der großen Firmen. Die Wissenschaftler plädieren für eine integrierte Schädlingsbekämpfung, die auch den Anbau von Bt-Mais umfasst.

Maiswurzelbohrerlarven an der Wurzel einer Maispflanze

Sind die Wurzeln durch Larvenfraß beschädigt, verlieren die Maispflanzen ihre Standfestigkeit und kippen um.

2011 erschienen die ersten wissenschaftlichen Veröffentlichungen, in denen Funde von resistenten Maiswurzelbohrern im Mittleren Westen der USA beschrieben wurden. Für Wissenschaftler kam diese Resistenzentwicklung nicht überraschend, da lange bekannt war, dass die Konzentration von Cry3Bb1 – ein speziell gegen den Maiswurzelbohrer gerichtetes Bt-Protein – in den entsprechenden gentechnisch veränderten Maissorten relativ niedrig ist. Das birgt das Risiko, dass nicht alle Schädlinge abgetötet werden und sich bei den überlebenden Resistenzen entwickeln. Andere Bt-Proteine in anderen Maissorten, etwa Cry1Ab in MON810-Pflanzen, werden dagegen in Konzentrationen gebildet, bei denen die vollständige Abtötung der Schädlinge gesichert ist. In Kombination mit ausreichend großen Ausweichflächen für die Schadinsekten, so genannten Refugien, konnte das die Resistenzbildung gegen Bt-Proteine in den letzten 15 Jahren aufhalten.

In ihrem Brief an die EPA vom März 2012 betonen die 22 Verfasser, das Bt-Konzept habe seit seiner Einführung einen wertvollen Beitrag dazu geleistet, dass der Einsatz von Insektiziden verringert und die Einkommen von Landwirten gesteigert werden konnten. Es handele sich grundsätzlich um eine effektive und umweltverträgliche Methode zur Schädlingsbekämpfung. Eine Ursache für die Resistenzentwicklung beim Maiswurzelbohrer sehen sie in dem oft jahrelangen ununterbrochenen Anbau von Sorten mit ein und demselben Bt-Protein, eine andere in zu kleinen Refugienflächen. 2003 hatten einige US-Wissenschaftler von der EPA gefordert, für Cry3Bb1-produzierende Maissorten Refugienflächen von 50 Prozent vorzuschreiben, die EPA schrieb jedoch nur 20 Prozent vor. Im Zuge der Einführung von Maissorten mit Stacked genes, die noch ein anderes gegen den Maiswurzelbohrer gerichtetes Bt-Protein enthalten, wurde der vorgeschriebene Anteil der Refugienflächen weiter verkleinert und liegt heute bei zehn Prozent.

Die Wissenschaftler kritisieren außerdem, dass die neuesten Maissorten mit den höchsten Ertragspotenzialen fast ausschließlich als gentechnisch veränderte Varianten mit einem oder mehreren Bt-Genen angeboten werden. Das sei ein Hauptgrund dafür, dass Bt-Mais auch in Gegenden angebaut werde, in denen der Schädlingsbefall gering und der Anbau von Bt-Pflanzen eigentlich nicht angezeigt sei. Damit werde der Entwicklung resistenter Schädlinge Vorschub geleistet. Der wirtschaftliche Vorteil, den Bt-Mais eigentlich bringe, werde zunichte gemacht, wenn die Landwirte zusätzlich Insektizide einsetzen müssen.

Bei der Schädlingsbekämpfung könne man sich nicht langfristig auf eine einzige Methode stützen, schreiben die 22 Wissenschaftler. Sie plädieren für eine integrierte Schädlingsbekämpfung, die auf Maßnahmen wie Fruchtwechsel, den Einsatz von Insektiziden und auch den Anbau von Bt-Mais setzt.

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Barbara Löchte bioSicherheit.de

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