Lösungen für die alternde Gesellschaft

Japan und Deutschland stehen als alternde Gesellschaften vor ähnlichen sozialen und medizinischen Herausforderungen. Beim Humboldt-Kolloquium in Kyoto vom 16. bis 18. September diskutierten rund 120 japanische Humboldt-Alumni gemeinsam mit Kollegen aus Deutschland, welche Lösungen die Wissenschaft für die Folgen des demografischen Wandels bieten kann.

Im Mittelpunkt standen unter anderem medizinische Therapien etwa für neurodegenerative Krankheiten, an denen schon heute mehr als 23 Millionen Menschen in Japan, der EU und den USA leiden. Im Jahr 2050 könnten in diesen Ländern bereits über 100 Millionen Patienten allein an Alzheimer erkrankt sein, so die Prognose der Wissenschaftler. Bessere Methoden zur Früherkennung, innovative Medikamente und neue Therapien müssten entwickelt werden, etwa in der Stammzellforschung, einem Gebiet, auf dem japanische Forscher international führend sind.

So wollen Stammzellexperten wie der Humboldtianer Shin-Ichi Nishikawa vom RIKEN Center for Developmental Biology in Kobe bereits in drei Jahren mit der Behandlung von Patienten beginnen, die an einer Erkrankung der Netzhaut leiden. Sollte die Therapie mit umprogrammierten Hautzellen gelingen, wäre dies ein Durchbruch, der Perspektiven für eine Behandlung weiterer degenerativer Erkrankungen und Altersleiden eröffnen könnte.

Ebenfalls diskutiert wurde die rückläufige Tendenz im deutsch-japanischen Forscheraustausch. Immer weniger japanische Nachwuchswissenschaftler gehen zu längeren Forschungskooperationen ins Ausland. Längere Auslandsaufenthalte würden bei jungen Forschern nicht honoriert und seien im Gegenteil eher hinderlich für die Karriere in der Heimat. Nicht nur die abnehmende internationale Mobilität der Nachwuchswissenschaftler sei ein Problem, so die japanischen Forscher. Es müssten junge Talente überhaupt stärker gefördert werden, etwa mit Programmen nach Vorbildern beispielsweise des Emmy Noether-Programms in Deutschland oder des Sofja Kovalevskaja-Preises der Humboldt-Stiftung. Das japanische Netzwerk der Stiftung, dem über 2.000 Forscherinnen und Forscher angehören, will seine Werbung um Talente intensivieren, die nach Deutschland gehen, etwa mit einem Online-Informations- und Beratungsnetzwerk, das der japanische Humboldt-Club mit Unterstützung der Stiftung zurzeit aufbaut. Die Initiative wurde jüngst mit dem Humboldt-Alumni-Preis ausgezeichnet, der mit 25.000 Euro dotiert ist und zur Umsetzung innovativer Alumni-Netzwerkprojekte dient.

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