Nogo-Variante in Durchschnittsbevölkerung entdeckt
Forscher der University of Toronto haben laut eigenen Angaben das erste “Risikogen” für Schizophrenie entdeckt. Anders als in bisherigen Studien wurde das Gen in der Durchschnittsbevölkerung und nicht in einer spezifischen ethnischen Bevölkerungsgruppe gefunden. Wie die Forscher im Fachblatt Molecular Brain Research berichten, erhöht eine ungewöhnliche Variante des Gens namens Nogo, wenn es von beiden Elternteilen vererbt wird, das Schizophrenie-Risiko.
Die Studie unter der Leitung von Teresa Tallerico zeigte, dass einer von fünf Schizophrenie-Patienten das Risiko-Gen besitzt. 17 von 81 Patienten, also 21 Prozent, hatten die Nogo-Variante von beiden Elternteilen geerbt. Im Vergleich dazu hatten nur drei Prozent der Kontrollgruppe das Gen von beiden Elternteilen vererbt bekommen. Prinzipiell besteht nur dann ein Schizophrenie-Risiko, wenn beide Elternteile die Nogo-Genvariante weitergeben. Die Forscher halten aber fest, dass das Gen kein Diagnose-Tool für Schizophrenie ist, sondern Träger lediglich stärker veranlagt sind, die Krankheit zu entwickeln.
Eine Funktion des Nogo-Gens ist u.a. die Produktion von Proteinen, die das Wachstum von Nervenenden im Gehirn verhindern. Anders als die herkömmliche Nogo-Form besitzt die variante Form in einer Region des Gens, das die Proteinproduktion reguliert, drei zusätzliche chemische Basen. Wie sich herausstellte, ist die Aktivität der Nogo-Gene bei postmortalen Gehirnproben von Schizophrenie-Patienten höher. Möglicherweise führen die Extra-Basen des varianten Nogo-Gens zu einer verstärkten Protein-Produktion, schreiben die Forscher. Dadurch könnte sich die Zahl der Nervenenden in Gehirnregionen, die mit Schizophrenie-Symptomen assoziiert sind, reduzieren, erklärte der Pharmakologe und Psychiater Philip Seeman. Um dies zu bestätigen ist allerdings noch mehr Forschungsarbeit nötig.
Noch sind die Ursachen der Schizophrenie unbekannt. Eine Theorie ist, dass sich in den Gehirnen von Schizophrenie-Patienten das Nervensystem anders entwickelt und dies zu Symptomen wie Halluzinationen und Größenwahnsinn im jungen Erwachsenenalter führt. Die aktuellen Studienergebnisse nähren diese Theorie, resümiert Seeman.



