Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Studiengebühren: Australisches Modell erleichtert Finanzierung

08.06.2011
Studiengebühren sind sinnvoll, sollten aber über spezielle Kredite finanziert werden können, deren Rückzahlung sich am späteren Einkommen orientiert.

Entsprechende Studienkredite nach australischem Vorbild könnten auch in Deutschland großflächig eingesetzt werden. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des RWI und der Australian National University. Sie zeigt, dass ein so genannter „income contingent loan“ die von den Absolventen wahrgenommene finanzielle Belastung deutlich reduziert.

Deutsche Studenten über Studiengebühren an den Kosten ihres Studiums zu beteiligen, ist ökonomisch sinnvoll. Um Effizienz und Gleichheit zu gewährleisten, sollten die Studiengebühren jedoch über spezielle Kredite finanziert werden können, die für möglichst viele Studenten verfügbar sind und leicht abgezahlt werden können. Ein Gebührenmodell, das diese Eigenschaften aufweist, ist der so genannte „income contingent loan“ (ICL).

Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des RWI und der Australian National University. Im Gegensatz zu herkömmlichen Studienkrediten bemisst sich beim ICL der monatliche Rückzahlungsbetrag am jeweiligen späteren Einkommen und darf einen festgelegten Einkommensanteil nicht überschreiten. Auf diese Weise werden übermäßige finanzielle Belastungen der Absolventen vermieden. Zudem sinkt die Zahl derer, die ihren Kredit nicht zurückzahlen können. Modelle dieser Art werden seit mehreren Jahren erfolgreich in Australien und Neuseeland eingesetzt.

Als Argument gegen Studiengebühren wird häufig vorgebracht, dass die Furcht, ein zu ihrer Finanzierung aufgenommenes Darlehen später nicht zurückzahlen zu können oder sich finanziell stark einschränken zu müssen, viele Studenten von einem Studium abhalten könnte. Einkommensabhängige Kredite nach dem Vorbild des ICL wären geeignet, potenziellen Studenten diese Furcht zu nehmen.

Westdeutsche Uni-Absolventen haben die höchsten Einkommen

Für die Modellrechnungen der Studie wurden Studiengebühren von 3.500 Euro pro Jahr über eine Dauer von fünf Jahren angenommen. Dies ergibt eine Gesamtsumme von 17.500 Euro, die innerhalb von 10 Jahren zurückgezahlt werden soll. Die Informationen zu den Einkommensverhältnissen männlicher und weiblicher Studienabsolventen in West- und Ostdeutschland lieferte der vom Statistischen Bundesamt erhobene „Mikrozensus“ aus dem Jahr 2007. Demnach verdienten westdeutsche Absolventen 2007 durchschnittlich am meisten (Bruttojahresgehalt: 51.525 Euro), gefolgt von ostdeutschen Absolventen (33.629 Euro), westdeutschen Absolventinnen (26.930 Euro) sowie ostdeutschen Absolventinnen (24.600 Euro).

Die Berechnungen zeigen, dass Universitätsabsolventinnen und -absolventen mit durchschnittlichem Verdienst im ersten Jahr der Rückzahlung bei konventionellen Krediten 7,8 bis 14,1% ihres Bruttoeinkommens für die Abbezahlung hätten aufwenden müssen. In niedrigeren Einkommensgruppen wäre die Belastung bis auf 26,8% angestiegen.

ICL: Kreditraten sollten nicht mehr als 8% des Bruttoeinkommens betragen

Im Gegensatz zu konventionellen Krediten basieren die Rückzahlungen bei einkommensabhängigen Krediten wie dem ICL auf dem Einkommen. Die Rückzahlung beginnt üblicherweise zwei Jahre nach Studienabschluss, insofern zu diesem Zeitpunkt ein gewisses Einkommen erreicht ist. Die Obergrenze für die Raten ist als Anteil am Einkommen festgeschrieben. Als Daumenregel gilt, dass nicht mehr als 8% des Bruttoeinkommens für die Tilgung des Kredits aufgewendet werden sollten. Der Staat übernimmt Ausfallgarantien, falls Studenten ihre Kredite nicht zurückzahlen können.

Ausgehend von diesem Szenario würde die Rückzahlungsdauer für Graduierte mit durchschnittlichem Einkommen 7 bis 12 Jahre betragen, für die niedrigsten Einkommensgruppen 11 bis 22 Jahre. Diese Ergebnisse sind vergleichbar mit denen anderer Länder wie Australien und Neuseeland, in denen einkommensabhängige Studienkredite seit Jahren erfolgreich im Einsatz sind.

Ihre Ansprechpartner dazu:
Prof. Dr. Thomas K. Bauer Tel.: (0201) 81 49-264
Sabine Weiler (Pressestelle) Tel.: (0201) 81 49-213
Dieser Pressemitteilung liegt Ruhr Economic Papers #244 „Student Loan Reforms for German Higher Education: Financing Tuition Fees“ zugrunde. Es ist unter http://www.rwi-essen.de/rep als pdf-Datei erhältlich.

Joachim Schmidt | idw
Weitere Informationen:
http://www.rwi-essen.de
http://www.rwi-essen.de/publikationen/ruhr-economic-papers/359/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Aufschwung setzt sich fort
28.11.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index: Rückgang, aber noch keine Tendenzwende
21.11.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mit Quantenmechanik zu neuen Solarzellen: Forschungspreis für Bayreuther Physikerin

12.12.2017 | Förderungen Preise

Stottern: Stoppsignale im Gehirn verhindern flüssiges Sprechen

12.12.2017 | Biowissenschaften Chemie

E-Mobilität: Neues Hybridspeicherkonzept soll Reichweite und Leistung erhöhen

12.12.2017 | Energie und Elektrotechnik