Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Preissteigerungen im Nahverkehr: Psychologie ist wichtiger als tatsächliche Teuerung

22.01.2013
500ste Abschlussarbeit im Bereich Marketing der Universität Hohenheim beleuchtet psychologische Preisschwellen für DB-Regio-Kunden

Auch bei Ausgaben für Verkehr gibt es eine psychologische Grenze, bei denen die Zahlungsbereitschaft der Kunden kippt – so das Fazit einer Masterarbeit der Universität Hohenheim über psychologische Preisschwellen im Nahverkehr.

Grundlage der Studie sind Analysen aus über 300 Fahrgastbefragungen in Zügen der DB Regio. Die Analyse von psychologischen Effekten gewinnen bei Unternehmen und in der Ausbildung neben der klassischen ökonomischen Preistheorie zunehmend an Bedeutung. Obwohl erst seit zehn Jahren an der Universität Hohenheim gelehrt, gehört Marketing in den Wirtschaftswissenschaften inzwischen zu den beliebtesten Vertiefungsrichtungen.

Psychologische Preisschwellen sind Preise, die bei den Kunden eine relativ deutliche Veränderung in der Wahrnehmung oder der Beurteilung eines Produktes bewirken, wenn sie überschritten werden. Ein Produkt erscheint dann aus Sicht der Käufer nicht mehr preisgünstig und wird deshalb unter Umständen weniger nachgefragt.
„Preisschwellen werden insbesondere beim Übergang von gebrochenen zu runden Preisen vermutet, also zum Beispiel beim Sprung von 0,79 Euro auf 0,80 Euro“, erläutert Prof. Dr. Markus Voeth vom Lehrstuhl für Marketing I der Universität Hohenheim. Bislang seien diese psychologische Preisschwellen aber vor allem im Einzelhandel nachgewiesen worden.

Nahverkehr als wissenschaftliches Neuland
Mit seiner Masterarbeit in Kooperation mit der DB Regio AG Region Baden-Württemberg betrat Michael Hummel wissenschaftliches Neuland. Dafür befragte der Hohenheimer Student einen Sommer lang 335 Kunden des Unternehmens und wertete die Angaben mathematisch aus.

Und dies mit Erfolg: „Neben den Interviews können auch die Verkaufsdaten der vergangenen Jahre recht deutlich belegen, dass Preisschwellen auch bei der Bahn eine Rolle spielen. So ging in einem Jahr der Verkauf stark zurück, obwohl die Teuerung im gleichen Rahmen wie in den Vorjahren lag“, berichtet Hummel.

Allerdings könne der Effekt nicht allein auf eine psychologische Preisschwelle zurückgeführt werden. Vielmehr gingen auch das Preiswissen allgemein und die – stellenweise subjektiv verzerrte – Bewertung des Preises von Alternativen wie Autofahrten in die Bewertung der Kunden ein.

Trotzdem identifizierte der Student auch schon die nächste relevante Preisschwelle. Da diese wohl erst in einigen Jahren erreicht wird, stehen der DB Regio nun mit den Ergebnissen der Masterarbeit auch Ansatzpunkte zur Verfügung, sich auf mögliche Reaktionen der Kunden einzustellen und diese abzufangen.

500ster Absolvent belegt wachsende Bedeutung des Marketing
Als 500ster Absolvent am Lehrstuhl für Marketing I markiert Masterstudent Hummel einen wachsenden Trend. Unter den fast 3.000 Wirtschaftswissenschaftlern an der Universität Hohenheim gehört Marketing zu den meist gewählten Vertiefungsfächern.

Neben Lehrinhalten macht Prof. Dr. Voeth auch den besonderen Service dafür verantwortlich: Bereits 2007 verpflichtete er seinen Lehrstuhl erstmals auf zehn Service-Versprechen. Dazu gehörte auch die Verpflichtung, alle Verstöße auf der Lehrstuhl-Homepage zu veröffentlichen. Die Seite ist bislang leer geblieben.

Florian Klebs | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hohenheim.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IMK-Indikator: Konjunkturampel schaltet von „gelb“ auf „grün“
16.05.2018 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht Ergebnisse der IAB-Stellenerhebung für das erste Quartal 2018
30.04.2018 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Im Focus: Explanation for puzzling quantum oscillations has been found

So-called quantum many-body scars allow quantum systems to stay out of equilibrium much longer, explaining experiment | Study published in Nature Physics

Recently, researchers from Harvard and MIT succeeded in trapping a record 53 atoms and individually controlling their quantum state, realizing what is called a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

Tagung »Anlagenbau und -betrieb der Zukunft«

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

18.05.2018 | Physik Astronomie

Countdown für Kilogramm, Kelvin und Co.

18.05.2018 | Physik Astronomie

Wie Immunzellen Bakterien mit Säure töten

18.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics