Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutscher Stahlmarkt: Auf Erholung folgt Stagnation

18.10.2010
Die deutsche Stahlbranche hat sich rasch von den tiefen Produktionseinbrüchen während der Rezession erholt. Allerdings hat der Aufschwung merklich an Kraft verloren. Im Verlauf dieses Jahres sowie im kommenden Jahr dürfte die Rohstahlproduktion demnach stagnieren.

Dies ist eines der Ergebnisse des aktuellen Stahlberichts des RWI. Steigender Kostendruck durch teurere Rohstoffe und sinkende Stahlpreise dürften dazu führen, dass die Beschäftigtenzahl in der Stahlindustrie weiter sinken wird. Die weltweite Rohstahlerzeugung dürfte zunächst zurückgehen und erst im kommenden Jahr wieder leicht zunehmen.

Die deutsche Stahlbranche hat sich relativ rasch von der Wirtschaftskrise erholt. So erreichte die Rohstahlproduktion in der ersten Jahreshälfte 2010 bereits wieder 94% des Wertes vom ersten Halbjahr 2007. Damals war die seit der Wiedervereinigung höchste erzeugte Menge erreicht worden. Deutschland liegt damit vor der EU und USA, die im gleichen Zeitraum erst 82 beziehungsweise 84% der Vorkrisenmenge produziert haben.

Dabei profitierte die deutsche Stahlerzeugung sowohl von der einheimischen als auch von der ausländischen Nachfrage. Im Inland zog die Produktion der Stahlverwender seit der zweiten Jahreshälfte 2009 an. Zugleich stiegen die Ausfuhren insbesondere im zweiten Quartal 2010 kräftig. Noch stärker legten allerdings die Einfuhren zu, wohl vor allem aufgrund steigender Bauinvestitionen, da der in Deutschland verwendete Baustahl größtenteils eingeführt wird. Einen wesentlichen Beitrag zum Anstieg der Rohstahlerzeugung dürfte aber der Lageraufbau geleistet haben.

Die Erlössituation der deutschen Stahlindustrie hatte sich bis zum Frühjahr 2010 verbessert. Dafür sorgten relativ niedrige Preise für Eisenerz, Stahlschrott und Kokskohle sowie im langfristigen Vergleich relativ hohe Stahlpreise. Allerdings sind die Rohstoffkosten seit dem Frühjahr gestiegen, während die Stahlpreise bei flauer Nachfrage zuletzt wieder rückläufig waren.

Prognose: Deutsche Rohstahlproduktion dürfte im Jahresverlauf und 2011 stagnieren

Für den weiteren Verlauf dieses Jahres sowie das kommende Jahr erwartet das RWI insgesamt eine stagnierende deutsche Rohstahlproduktion. Nach einer kräftigen Zunahme in der ersten Jahrehälfte dürfte die Produktion im zweiten Halbjahr rückläufig sein: Im Durchschnitt dieses Jahres dürfte die Stahlerzeugung um 36% zunehmen; im kommenden Jahr wegen eines statistischen Unterhangs im Mittel hingegen um fast 2% abnehmen.

Die Nachfrage aus dem Inland dürfte nur verhalten ausgeweitet werden, da die Produktion der Stahlverwender 2011 voraussichtlich nur noch wenig steigen wird. Die Exporte dürften nach dem bisher starken Anstieg sogar leicht rückläufig sein. Auch von den Lägern werden wohl keine Impulse mehr ausgehen. Erst im Verlauf des kommenden Jahres dürfte die Produktion wieder anziehen.

Die Erlössituation der deutschen Stahlindustrie wird sich wahrscheinlich verschlechtern. Die Rohstoffe dürften teuer bleiben, höhere Stahlpreise jedoch kaum durchzusetzen sein, zumal die Nachfrage voraussichtlich flau bleiben wird. Die „Sandwichposition“ der deutschen Stahlindustrie – zwischen Anbietern mit großer Marktmacht auf der Beschaffungsseite und großen Nachfragern mit starker Verhandlungsposition wie der Automobilindustrie auf der Absatzseite – erweist sich damit wieder einmal als problematisch.

Zudem treffen sie die hohen Rohstoffpreise besonders, da sie ihren Erzbedarf überwiegend am Markt decken muss und nicht auf eine eigene Rohstoffbasis zurückgreifen kann. Der steigende Kostendruck dürfte in diesem und im kommenden Jahr dazu führen, dass die Beschäftigtenzahl in der Stahlindustrie weiter sinkt.

Auch weltweit wird die Rohstahlerzeugung 2010 und 2011 kaum noch zunehmen

Auch weltweit war die Rohstahlerzeugung zur Jahreswende 2008/09 im Vorjahresvergleich krisenbedingt um gut 20% eingebrochen. Ab April 2009 stieg sie allerdings wieder spürbar, im ersten Halbjahr 2010 übertraf sie das Vorjahresniveau gar um 28%. Motor dieser Entwicklung war vor allem China. Derzeit sinkt die Erzeugung von Rohstahl saisonbereinigt allerdings wieder.

Gründe hierfür sind unter anderem, dass sich die Industrieproduktion zuletzt nahezu seitwärts entwickelte. Zudem zehren die Stahlverwender zur Zeit offenbar von ihren hohen Lagerbeständen. Hinzu kommt, dass in China aus Umweltschutzgründen rund 50 veraltete Stahlwerke stillgelegt wurden und einige Stahlwerke im Frühjahr 2010 auf Vorrat produziert haben dürften, als höhere Eisenerzpreise angekündigt wurden.

Das RWI rechnet für 2010 und 2011 damit, dass die weltweite Rohstahlerzeugung allenfalls wenig ausgeweitet wird. Vorerst dürfte sich sogar der zuletzt erkennbare Rückgang fortsetzen. Erst im Verlauf des kommenden Jahres ist bei lebhafterer internationaler Konjunktur eine leichte Zunahme zu erwarten. Für den Jahresdurchschnitt 2010 erwartet das RWI durch die günstige Entwicklung im ersten Halbjahr einen Zuwachs der Rohstahlerzeugung um 13,5%. Da die Produktion mit einem statistischen Unterhang in das Jahr 2011 hineingeht, dürfte die Produktionsmenge im nächsten Jahr trotz der erwarteten Belebung im Jahresverlauf im Durchschnitt in etwa der von 2010 entsprechen.

Ihre Ansprechpartner dazu:
Prof. Dr. Roland Döhrn Tel.: (0201) 8149-262
Sabine Weiler (Pressestelle) Tel.: (0201) 81 49-213
Dieser Pressemitteilung liegt der „Stahlbericht“ aus dem aktuellen Konjunkturbericht des RWI zugrunde, er ist unter www.rwi-essen.de/publikationen/rwi-konjunkturberichte/ als pdf-Datei erhältlich.

Joachim Schmidt | idw
Weitere Informationen:
http://www.rwi-essen.de/presse/
http://www.rwi-essen.de/publikationen/rwi-konjunkturberichte/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index: Aufwärtstendenz setzt sich fort
21.02.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht Ergebnisse der IAB-Stellenerhebung für das 4. Quartal 2016: Anhaltend hohes Niveau offener Stellen
21.02.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie