Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutsche Dienstleistungsbilanz weiter negativ

13.09.2007
Wissen und Information als wertschöpfende Produktionsfaktoren

Während nahezu alle größeren Sektoren des verarbeitenden Gewerbes seit Jahren Exportüberschüsse aufweisen, ist die Dienstleistungsbilanz in Deutschland traditionell negativ. Der Anteil des Servicesektors an der Exporttätigkeit bleibt deutlich hinter den Vergleichswerten anderer Industriestaaten zurück.

"Die Analyse der Wettbewerbspositionen einzelner Branchen zeigt, dass die deutsche Automobilindustrie und der Maschinenbau über große komparative Vorteile verfügen und diese in den letzten Jahren auch weitgehend bewahren konnten. Bei einigen wissensintensiven, stark wachsenden Branchen wie der Elektronikindustrie ist die Position Deutschlands dagegen auf dem Weltmarkt nach wie vor relativ schwach", so die Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Wichtig für die Zukunft der deutschen Exportwirtschaft sei ihre Innovationsfähigkeit, und diese wiederum lasse sich nur durch hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie in Humankapital sichern.

Die nüchternen DIW-Zahlen sind für Michael Müller, Geschäftsführer des IT-Dienstleisters a&o, ein Warnsignal. "Die einseitige Fixierung auf Exportüberschüsse mit Industrieprodukten verfälscht die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft. Hier stehen Leistungen in den Exportbüchern, die schon lange nicht mehr in Deutschland erbracht werden, sondern in Schwellen- und Billiglohnländern", meint Müller.

Wirtschaftsverbände wie der BDI, Gewerkschaften und auch Politiker sollten dies endlich kapieren. "Die wirtschaftlichen Prioritäten müssen wir auf die Erhöhung der Produktivität in den Wissens- und Dienstleistungsberufen ausrichten, sonst haben wir gegen Länder wie Indien keine Chance, die den Welthandel in den nächsten Jahren mit Dienstleistungen erobern wollen und sich nicht nur als kostengünstige Produktionsstandorte positionieren", warnt Müller.

Man müsse sich von den industriekapitalistischen Denkstrukturen lösen, meint auch Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW): "Erfolgreiche deutsche Sportartikelhersteller wie Adidas und Puma produzieren schon lange nicht mehr in Deutschland. Ausschlaggebend für ihren Erfolg ist nicht die Produktion, sondern das gesamte Konzept von Marketing, Werbung, Produktentwicklung und Vertrieb.

Und diese Arbeit wird in Deutschland geleistet." Die eigentliche Wertschöpfung sei häufig nicht mehr in der Produktion, sondern im Produkt- und Markenimage, in der Zielgruppendurchdringung und in den Vertriebskanälen zu finden. Mit der reinen industriellen Fertigung könne man keine positiven Arbeitsplatzeffekte auslösen. "Weltweit wandert die reine Herstellung von Produkten dorthin, wo sie einschließlich der Transport- und Logistikkosten am wirtschaftlichsten ist. Für den Markterfolg sind aber Fähigkeiten und Leistungen erforderlich, die kreativer, logistischer und kaufmännischer Art sind. Erfolgreiche Vermarktung, natürlich auch im globalen Rahmen, sichert und schafft damit Arbeitsplätze in Deutschland", so die These von Ohoven.

Fakt sei, dass sich im produzierenden Sektor in den vergangenen Jahren die Wertschöpfungsmuster zum Teil radikal verändert hätten. Aufgrund einer zunehmenden Komplexität von Produkten und einer wachsenden globalen Arbeits- und Wissensteilung steige die Anzahl der in Form von Dienstleistungen in Anspruch genommenen Vorleistungen. Zum Teil würden dabei selbst Leistungen nahe am Kerngeschäft der Unternehmen ausgelagert und durch externe Dienstleister erbracht. "In manchen Ländern - wie beispielsweise den USA - sind solche Outsourcing-Prozesse weiter fortgeschritten als in Deutschland", erläutert Thomas Pridham, Executive Director der SRI Initiative http://www.thesrii.org .

"Dies liegt nicht zuletzt daran, dass es amerikanischen Unternehmen aufgrund einer geringeren Arbeitsmarktregulierung und geringerer Kündigungsschutzrechte leichter fällt, Geschäftsbereiche auszugliedern. Deutsche Industrieunternehmen wählen hingegen eher den Weg der Automatisierung, um die Produktivität zu erhöhen. Statistisch werden die Aktivitäten dann nicht im Dienstleistungssektor erfasst.

Die Dienstleistungsforschung habe inzwischen herausgearbeitet, dass Dienstleistungsinnovationen im Gegensatz zu Produktinnovationen sehr viel stärker von Fragen der Marktregulation abhängig seien. "Deutschland ist nicht weniger kreativ als die USA. Tatsache ist allerdings, dass die volkswirtschaftliche Bedeutung solcher Tätigkeiten in allen entwickelten Volkswirtschaften zunimmt", so Pridham. Der gesamte Bereich von Bildung, Ausbildung und Innovation stelle ein wichtiges Wachstumsfeld der Zukunft dar. Um diese Potenziale zu erschließen, werden erhebliche Veränderungen in den Strukturen dieser Systeme notwendig sein, lautet die Überzeugung der SRI Initative: "Dazu zählt vor allem die in Deutschland noch nicht akzeptierte Erkenntnis, dass Wissen und Information wertschöpfende Produktionsfaktoren sind, die - wie Güter - mit Preisen versehen werden und gehandelt werden können", resümiert Pridham.

Gunnar Sohn | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.diw.de
http://www.ao-services.de
http://www.bvmwonline.de

Weitere Berichte zu: Dienstleistung Dienstleistungsbilanz Produktivität

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Arbeitslosigkeit sinkt verhaltener
27.07.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index bleibt aufwärts gerichtet
20.07.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie