Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lücken im Regal

06.07.2007
Wirtschaftswissenschaftler der Universität Jena klären Ursachen von Engpässen im Einzelhandel

Nach einem langen Arbeitstag noch schnell etwas einkaufen: Die quengelnden Kinder im Schlepptau, die Schlange an der Kasse bereits im Blick, drängt man sich durch den überfüllten Supermarkt. Wenn dann statt des Lieblingsjoghurts oder der favorisierten Cornflakes im Regal eine Lücke klafft, ist die Enttäuschung oftmals groß.

"Dass Produkte zu jeder Zeit in ausreichender Menge in Handelsfilialen vorrätig sind, ist für Hersteller wie Händler bis heute eine Herausforderung", weiß Prof. Dr. Roland Helm von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Der Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre insbesondere Absatzwirtschaft, Marketing und Handel hat ein gerade abgeschlossenes Forschungsprojekt geleitet, das genau dieses Problem untersucht hat.

"Advanced Optimal Shelf Availability" (AdOSA) heißt die Projektplattform, in der Wirtschaftswissenschaftler des Jenaer Lehrstuhls und der Universität St. Gallen gemeinsam mit zwölf namhaften internationalen Unternehmen in den zurückliegenden eineinhalb Jahren den Ursachen für die Lücken im Regal auf den Grund gingen. "Fast 90 Prozent der Lücken entstehen in den Verkaufsstellen selbst", erläutert Prof. Helm das Ergebnis der Studie. Während Lieferschwierigkeiten nur eine untergeordnete Rolle spielten, seien vor allem Fehlprognosen bei der Bestellung, die fehlerhafte Listung von Produkten und Probleme bei der Regalbefüllung für das Fehlen von Artikeln verantwortlich. Auch unsachgemäße Eingriffe der Filialmitarbeiter in das Bestellsystem führten zu Lücken in den Regalen.

Deren wirtschaftliche Folgen seien nicht zu unterschätzen. "Lücken im Regal enttäuschen die Kundenerwartungen und führen zu erheblichen Umsatz- und Ertragseinbußen", warnt Prof. Helm. Wie eine im Rahmen von AdOSA durchgeführte umfangreiche Kundenbefragung ergab, entgehen beispielsweise allein dem Kaffeehersteller Melitta jährlich Umsätze von bis zu einer halben Million Euro, weil Kunden nicht die gewünschten Produkte im Regal vorfinden. Die aus den AdOSA Analysen hervorgehenden Erkenntnisse bilden nun die Grundlage für ein Folgeprojekt. Die Wissenschaftler um Prof. Helm werden im Herbst 2007 gemeinsam mit den Kollegen der Universität St. Gallen das "Kompetenzzentrum AdOSA" ins Leben rufen. In diesem Zentrum wird die Arbeit der Wirtschaftsforscher vor allem darauf gerichtet sein, die Prozesse in den Handelsfilialen zu verbessern, etwa durch Mitarbeiterschulungen und der automatischen Identifikation von Bestandslücken. Auch neue Ansätze für die Ableitung von integrativen Logistikkonzepten sowie zur Entwicklung und Markteinführung innovativer Produkte sind geplant.

Kontakt:
Prof. Dr. Roland Helm, Thomas Hegenbart
Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Carl-Zeiß-Straße 3, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 943110
E-Mail: Roland.Helm[at]wiwi.uni-jena.de, Thomas.Hegenbart[at]wiwi.uni-jena.de

Dr. Ute Schönfelder | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Berichte zu: AdOSA Wirtschaftswissenschaftler

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Rezessionsgefahr nahe null - IMK-Indikator: Deutsche Wirtschaft auf dem Weg in die Hochkonjunktur
16.01.2018 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Mit Schwung ins neue Jahr
28.12.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

Am 31. Januar 2018 fallen zum ersten Mal seit dem 30. Dezember 1982 "Supermond" (ein Vollmond in Erdnähe), "Blutmond" (eine totale Mondfinsternis) und "Blue Moon" (ein zweiter Vollmond im Kalendermonat) zusammen - Beobachter im deutschen Sprachraum verpassen allerdings die sichtbaren Phasen der Mondfinsternis.

Nach den letzten drei Vollmonden am 4. November 2017, 3. Dezember 2017 und 2. Januar 2018 ist auch der bevorstehende Vollmond am 31. Januar 2018 ein...

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

Veranstaltungen

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

22.01.2018 | Veranstaltungen

Transferkonferenz Digitalisierung und Innovation

22.01.2018 | Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

22.01.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Forschungsteam schafft neue Möglichkeiten für Medizin und Materialwissenschaft

22.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

Ein Haus mit zwei Gesichtern

22.01.2018 | Architektur Bauwesen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics