Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Chemie: Keine Alternative zur Globalisierung

27.02.2002


RWI-Studie: Beschäftigungsbilanz der Direktinvestitionen im Ausland fällt in der chemischen Industrie auch für die Arbeitsplätze in Deutschland positiv aus


Zur Globalisierung gibt es für die deutsche Chemie keine Alternative. Von den Direktinvestitionen im Ausland profitiert nicht nur der Umsatz der Unternehmen, auch die Bilanz für die Zahl der Arbeitsplätze in Deutschland fällt positiv aus. Die Internationalisierung der Branche stimuliert den Export so stark, dass - trotz zusätzlicher Produktionsstandorte im Ausland - die Unternehmen bei der Aufrechnung von Arbeitsplatzgewinnen und -verlusten schwarze Zahlen für die Beschäftigung am deutschen Standort schreiben. Ohne das strategische Engagement im Ausland wäre der absolute Beschäftigungsrückgang der Branche in Deutschland in den 90er Jahren, der im wesentlichen auf die erheblichen Produktivitätsfortschritte zurückzuführen ist, deutlich höher ausgefallen.

Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), das der Verband der Chemischen Industrie (VCI), die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) und die Hans-Böckler Stiftung gemeinsam in Auftrag gegeben haben. Das RWI schätzt, dass von 1995 bis 1999 rund 70.000 Arbeitsplätze in der deutschen Chemie durch die Globalisierung geschaffen oder gesichert wurden.


Die Essener Wirtschaftsforscher untersuchten gezielt Motive und Ziele für ein Engagement der Chemieunternehmen im Ausland und analysierten die Auswirkungen auf die deutsche Branche. Dazu wertete das RWI Daten von 26 Firmen aus der eigenen Unternehmensdatenbank "Globalisierung" aus, die in den 90er Jahren insgesamt rund 20 Prozent der Weltchemieproduktion auf sich vereinigten, und befragte zusätzlich Arbeitnehmervertreter.

Die Unternehmen der chemischen Industrie sind so intensiv in die internationale Arbeitsteilung eingebunden wie kaum eine andere Branche der deutschen Wirtschaft. Dies zeigt ein Blick auf den Außenhandel: Die Exporte machten 1999 über zwei Drittel des Chemieumsatzes aus. Diese Quote ist etwa doppelt so hoch wie im Produzierenden Gewerbe insgesamt. 1980 lag die Exportquote der deutschen Chemie noch bei 44 Prozent. Auch das unternehmerische Engagement im Ausland in Form von Direktinvestitionen ist stärker ausgeprägt als in anderen Sektoren: Das RWI ermittelte, beruhend auf Angaben der Deutschen Bundesbank, dass 1999 exakt 11 Prozent des Bestandes aller deutschen Direktinvestitionen im Ausland auf die chemische Industrie entfielen. Dies entsprach gut 87 Milliarden Mark (44,5 Mrd. Euro). Fast 10 Prozent betrug der Anteil der Chemie, was die im Ausland Beschäftigten betrifft. In absoluten Zahlen waren dies rund 395.000 Personen. Zum Vergleich: Im Inland bot die Branche 1999 gut 478.000 Menschen Arbeit.

In der deutschen Wirtschaft gehört die chemische Industrie zu den Vorreitern der Globalisierung. Mitte der siebziger Jahre betrug ihr Anteil am Wert der deutschen Direktinvestments im Ausland gut 18 Prozent - und das, obwohl sie nach dem Zweiten Weltkrieg viele ihrer schon damals zahlreichen Auslandsbeteiligungen abgeben musste. Bis 1990 ging der Anteil nur geringfügig zurück (15,9 Prozent). Zwar wuchsen in dieser Periode die Auslandsbeteiligungen im absolutem Maßstab kräftig, aber andere Branchen - allen voran der Dienstleistungssektor - verzeichneten deutlich höhere Steigerungen. Dieser Trend hat sich bis Ende der 90er Jahre weiter verstärkt.

Regionale Verteilung und Motive

Charakteristisch für die deutsche Chemie ist es, dass sich ihre Direktinvestitionen stark auf die Industriestaaten konzentrieren. Mehr als 80 Prozent des Bestandes sind dort anzutreffen. Ihre regionale Struktur hat sich im Verlauf der 90er Jahre aber merklich gewandelt: An Bedeutung verloren haben die Länder der Europäischen Union (1990: 41 Prozent; 1999: 26 Prozent). Anteile gewonnen haben vor allem die USA, auf die 1999 allein fast die Hälfte der Auslandsbeteiligungen (45 Prozent) entfielen. Hier spielen aber auch Währungsrelationen eine Rolle. Die Reformländer Mittel- und Osteuropas schlagen mit gut 10 Prozent zu Buche. Generell ist die deutsche Chemie in den USA, Japan und Kanada stärker vertreten als andere Industriebranchen. Daraus schließt das RWI, dass das Absatzmotiv dominiert. Entscheidend für den Umfang der Direktinvestitionen ist offensichtlich die Marktgröße eines Landes, gemessen an seiner Kaufkraft.

Das RWI stellt in seiner Studie außerdem fest, dass Direktinvestitionen gegenüber anderen Formen des Auslandsengagements - wie etwa Export oder Lizenzvergabe - erhebliche Vorteile für die Chemie aufweisen, weil sich die Branche durch hohe Technologieintensität auszeichne und hohe Anforderungen an die Qualität der Produkte sowie an die Sicherheits- und Umweltstandards stelle. Wörtlich heißt es in der Studie: "Durch sie haben Unternehmen weitaus bessere Möglichkeiten, den gesamten Produktions- und Distributionsweg ihres Produkts und mithin die Einhaltung von Standards zu kontrollieren. Hinzu kommt, dass bei einer Internationalisierung durch Direktinvestitionen auch das Risiko geringer ist, Know-how an Konkurrenten zu verlieren."

Wenig überrascht das Ergebnis, dass - ähnlich wie im Verarbeitenden Gewerbe insgesamt - auch in der chemischen Industrie die Größe des investierenden Unternehmens der wichtigste Faktor für den Umfang des Auslandsengagements darstellt. Forschungsintensive Unternehmen tätigen dabei in höherem Umfang Direktinvestitionen als Firmen mit geringer Forschungsintensität.
Kontakt:

VCI-Pressestelle
Manfred Ritz
Telefon: 069/2556-1550
E-Mail: ritz@vci.de
Mobiltelefon: 0177/667-1462

| ots

Weitere Berichte zu: Direktinvestition Globalisierung RWI

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Trotz Dämpfer auf gutem Niveau
25.04.2018 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index auf hohem Niveau deutlich rückläufig
24.04.2018 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fraunhofer ISE und teamtechnik bringen leitfähiges Kleben für Siliciumsolarzellen zu Industriereife

Das Kleben der Zellverbinder von Hocheffizienz-Solarzellen im industriellen Maßstab ist laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE und dem Anlagenhersteller teamtechnik marktreif. Als Ergebnis des gemeinsamen Forschungsprojekts »KleVer« ist die Klebetechnologie inzwischen so weit ausgereift, dass sie als alternative Verschaltungstechnologie zum weit verbreiteten Weichlöten angewendet werden kann. Durch die im Vergleich zum Löten wesentlich niedrigeren Prozesstemperaturen können vor allem temperatursensitive Hocheffizienzzellen schonend und materialsparend verschaltet werden.

Dabei ist der Durchsatz in der industriellen Produktion nur geringfügig niedriger als beim Verlöten der Zellen. Die Zuverlässigkeit der Klebeverbindung wurde...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuer Impfstoff-Kandidat gegen Malaria erfolgreich in erster klinischer Studie untersucht

25.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Erkheimer Ökohaus-Pionier eröffnet neues Musterhaus „Heimat 4.0“

25.04.2018 | Architektur Bauwesen

Fraunhofer ISE und teamtechnik bringen leitfähiges Kleben für Siliciumsolarzellen zu Industriereife

25.04.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics