Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein Abitur "lohnt" sich besonders für Schülerinnen und Schüler aus bildungsfernen Familien

20.12.2006
Das Abitur zu machen lohnt sich vor allem auch für Schülerinnen und Schüler aus eher bildungsfernen Elternhäusern. Ihr Lohn liegt im späteren Berufsleben deutlich über dem Verdienst vergleichbarer Personen aus bildungsfernen Elternhäusern, die kein Abitur gemacht haben.

Schülerinnen und Schüler, die aus einem Elternhaus kommen, in dem ein oder gar beide Elternteile einen höheren Bildungsabschluss haben, profitieren im späteren Berufsleben hinsichtlich des Lohns dagegen weniger vom Abitur. Ein Vergleich mit Arbeitnehmern ohne Abitur aus ähnlichen Elternhäusern zeigt, dass es bei der Entlohnung zwischen diesen beiden Gruppen nur geringe Unterschiede gibt. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim.

In der Studie wurde der Einfluss des Abiturs auf die Lohnverteilung von Arbeitnehmern in den Jahren 1984 bis 2004 untersucht. In diesem Zeitraum strömten die Schüler und Schülerinnen, die am massiven Ausbau der Gymnasien in den 1960er und 1970er Jahren partizipierten auf den Arbeitsmarkt. Auf den ersten Blick hat sich der höhere Bildungsabschluss für sie gelohnt: Während die Beschäftigten mit Abitur im Durchschnitt 16,7 Jahre in Ausbildung waren und im Jahr 2004 einen Stundenlohn von 18,7 Euro hatten, befand sich die Gruppe der Beschäftigten ohne Abitur im Durchschnitt 11,5 Jahre in Ausbildung und erhielt einen Stundenlohn von 15,1 Euro. Der Stundenlohn, der aus ökonomischer Sicht als Indikator der Arbeitsproduktivität gelten kann, liegt somit im Durchschnitt für die Beschäftigten mit Abitur um 24 Prozent über dem Lohn der Beschäftigten ohne Abitur. Zudem arbeiten abhängig Beschäftigte mit Abitur im Durchschnitt pro Woche 1 Stunde und 23 Minuten länger (insgesamt 44,4 Stunden).

Bei näherer Betrachtung der Untersuchungsergebnisse wird indessen sichtbar, dass manche Abiturienten beim Lohn deutlich stärker von ihrem Bildungsabschluss profitieren als andere. Die Ursache dafür ist der unterschiedliche familiäre Hintergrund. So zeigt sich, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind das Gymnasium besucht und das Abitur macht, umso größer ist, je höher der Bildungsabschluss der Eltern ist. Die Arbeitnehmer mit Abitur, die im Untersuchungszeitraum von 1984 bis 2004 in der ZEW-Studie betrachtet wurden, kommen also zum überwiegenden Teil aus bildungsnahen Elternhäusern.

... mehr zu:
»Lohnverteilung

Überraschend ist nun, dass die Lohnverteilung der Beschäftigten, die ein Abitur haben, sich nicht signifikant von der hypothetischen Lohnverteilung für den Fall unterscheidet, dass sie kein Abitur hätten. Dieses Untersuchungsergebnis deutet darauf hin, dass die Gruppe der Arbeitnehmer, die ein Gymnasium besucht haben, anscheinend auch ohne diesen Besuch bereits über eine höhere Arbeitsproduktivität und damit ein höheres Lohnpotenzial verfügten. Das wiederum deutet auf die zentrale Rolle des Elternhauses für die Entwicklung der Fähigkeiten der Kinder hin.

Im Vergleich dazu hätte das Abitur bei einer zufällig ausgewählten Gruppe von Schülerinnen und Schülern, die in größerem Umfang also auch aus eher bildungsfernen Elternhäusern kommen, eine deutliche Rechtsverschiebung der gesamten Lohnverteilung zur Folge gehabt. Das deutet darauf hin, dass für zufällig ausgewählte Schülerinnen und Schüler, weil sich unter ihnen auch ein deutlich höherer Anteil an Kindern aus bildungsfernen Elternhäusern befindet, das Gymnasium positive Auswirkungen auf die Löhne und damit die Produktivität im Arbeitsleben hat.

Ansprechpartner:
Dr. Friedhelm Pfeiffer, Telefon 0621/1235-150, Fax -225, E-Mail pfeiffer@zew.de

Katrin Voss | idw
Weitere Informationen:
http://www.zew.de

Weitere Berichte zu: Lohnverteilung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Der Dauerläufer: Starke Binnennachfrage macht diesen Aufschwung robuster als seine Vorgänger
17.10.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht Positiv für die Volkswirtschaft: Die Zahl der Betriebsgründungen von Hauptniederlassungen steigt weiter
12.10.2017 | Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise