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Standort-Ranking der Bertelsmann Stiftung zeigt leichten Aufwärtstrend für Deutschland

02.11.2006
Reformbemühungen tragen erste Früchte - Mehr Chancen für Langzeitarbeitslose schaffen

Die Reformanstrengungen der vergangenen Jahre tragen erste Früchte: Im Aktivitätsindex des Internationalen Standort-Ranking der Bertelsmann Stiftung hat Deutschland einen beachtlichen Sprung nach vorne gemacht.

Während die Bundesrepublik im Herbst 2004 lediglich den vorletzten Platz unter den 21 wichtigsten Industrienationen einnahm, konnte sie sich seither kontinuierlich verbessern und belegt nun Rang 15. "Ursächlich für diesen Aufwärtstrend ist vor allem, dass die Erwerbsbeteiligung im Zuge der jüngsten Arbeitsmarktreformen inzwischen auf international beachtliche 78 Prozent gestiegen ist. Zudem hat das lohnpolitische Augenmaß der Tarifparteien zu einer leichten Belebung am Arbeitsmarkt beigetragen", sagte Vorstandsmitglied Dr. Johannes Meier bei der Vorstellung der Studie. Auch die Beschäftigungssituation für Jugendliche stelle sich in Deutschland trotz zuletzt ungünstiger Tendenz relativ besser dar als in vielen anderen Ländern. So liegt die Arbeitslosenquote der 15- bis 24-Jährigen hierzulande nur etwa 4 Prozentpunkte über der Arbeitslosenquote der Gesamtbevölkerung.

Mit den Reformen der vergangenen Jahre sind nach Einschätzung der Bertelsmann Stiftung wesentliche Grundlagen für mehr Wachstum und Beschäftigung geschaffen worden. Allerdings liegt die allgemeine Arbeitslosenquote mit 8,9 Prozent (standardisierte OECD-Zahl für das 1. Quartal 2006) weiterhin auf hohem Niveau, nur in Frankreich und Griechenland sind mehr Menschen ohne Beschäftigung. Auch das Wachstumspotenzial hinkt weiter im internationalen Vergleich hinterher: Während die Produktionskapazitäten der Wirtschaft in den 21 betrachteten OECD-Ländern in den letzten zehn Jahren durchschnittlich um mehr als 2,5 Prozent gestiegen sind, pendelte das Wachstumspotenzial in Deutschland lediglich um 1,5 Prozent. Dies hat dazu geführt, dass das Pro-Kopf-Einkommen mittlerweile in 15 der 21 Staaten höher ist als hierzulande. So werden in Deutschland aktuell 30.140 Dollar pro Kopf erzielt; das sind rund neun Prozent weniger als im Länder-Durchschnitt.

Im Erfolgsindex konnte sich Deutschland gegenüber der Lagebeschreibung 2004 daher noch nicht verbessern und liegt hier weiter auf dem letzten Platz. Allerdings zeichnet sich ein leichter Aufwärtstrend ab. So deuten aktuelle Prognosen auf Basis von OECD-Daten darauf hin, dass die Bundesrepublik sich 2007 im Erfolgsindex auf Rang 19 verbessern und damit erstmals seit 2001 das Tabellenende wieder verlassen könnte. Haupttriebfedern der zu erwartenden Entwicklung sind der voraussichtliche Anstieg des Erwerbstätigenzuwachses sowie eine merkliche Verringerung der Arbeitslosigkeit im kommenden Jahr.

Trotz der derzeitigen konjunkturellen Besserung auf dem Arbeitsmarkt bleiben große strukturelle Herausforderungen, insbesondere bei der Arbeitsmarktintegration von Langzeitarbeitslosen und Geringqualifizierten. Nachdem die Hartz-Reformen im Wesentlichen zur Aktivierung Arbeitsloser beigetragen haben, seien nun Reformen einzuleiten, die das Entstehen zusätzlicher Arbeitsplätze - gerade im Niedriglohnbereich - fördern.

Dass seit 2001 erstmalige Unterschreiten der Maastricht-Grenze von drei Prozent Neuverschuldung sei zwar erfreulich, doch seien weitere Anstrengungen bei der Konsolidierung der Staatsfi¬nanzen erforderlich. "Wie internationale Studien zeigen, hat die Mehrzahl der Staaten, die in der Vergangenheit ihren Haushalt nachhaltig konsolidieren konnten, neben der Erhöhung von Steuern und Abgaben vor allem auf eine Senkung der staatlichen Ausgaben gesetzt", stellte Meier fest. Die demographische Entwicklung und die strukturellen Defizite der sozialen Sicherung erforderten es auch hierzulande, über die begonnene Stärkung der Einnahmenseite hinaus Einsparpotenziale auf der Ausgabenseite - nicht zuletzt im Zuge der Restrukturierung staatlicher Aufgaben - entschlossener als bisher zu nutzen.

Das erstmals im Herbst 2004 veröffentlichte Internationale Standort-Ranking der Bertelsmann Stiftung vergleicht und bewertet die Entwicklung der 21 wichtigsten Industrienationen in den Bereichen Wachstum und Beschäftigung. Die zugrunde liegende Methodik wurde von einer Expertengruppe unter der Leitung des Münsteraner Wirtschaftswissenschaftlers Professor Ulrich van Suntum entwickelt. Dabei wird für jedes der 21 Länder ein Erfolgsindex und ein Aktivitätsindex berechnet. Während der Erfolgsindex Auskunft über die aktuelle Situation des jeweiligen Landes mit Blick auf die beiden Zielgrößen gibt, erfasst der Aktivitätsindex die wichtigsten Erklärungsgrößen für Beschäftigungssituation und Wirtschaftswachstum.

Julia Schormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.bertelsmann-stiftung.de

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