Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nur sieben Prozent der Deutschen zählen zu den Unternehmensgründern

15.11.2001


Gründer-Klima unter Druck - nur Platz 22 im internationalen Vergleich

Rund jeder vierte neue Selbstständige gründet aus Angst um den Job

Mit dem von Bundeskanzler Gerhard Schröder vielbeschworenen neuen Unternehmertum in Deutschland ist derzeit nicht viel Staat zu machen. Nur sieben Prozent der 18- bis 64-Jährigen haben in den vergangenen zwölf Monaten ein Unternehmen gegründet oder waren gerade dabei, sich selbstständig zu machen. Dies sind die Ergebnisse der diesjährigen, 29 Länder umfassenden Gründerklima-Studie "Global Entrepreneurship Monitor" (GEM), die in Deutschland von Professor Rolf Sternberg von der Universität Köln erstellt und von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young und der Deutschen Ausgleichsbank (DtA) getragen wird. Wie das Wirtschaftsmagazin ’impulse’ (Ausgabe 12/2001, EVT 22. November) als exklusiver Medienpartner für Deutschland berichtet, liegt die Bundesrepublik damit im internationalen Vergleich abgeschlagen auf Platz 22. Italien kommt dagegen auf zehn Prozent, Indien auf elf Prozent und die USA auf fast zwölf Prozent Gründer. Spitzenreiter bei den Gründern sind Länder wie Australien mit gut 16 Prozent, Neuseeland mit über 18 Prozent und Mexiko mit einem Anteil von fast 19 Prozent. Schlusslichter sind Japan und Belgien mit einem Gründeranteil von um die fünf Prozent.

"Zwei Drittel der Staaten haben ein signifikant besseres Ergebnis als Deutschland. Dieser Befund ist besorgniserregend", befindet der wissenschaftliche Leiter des deutschen GEM-Teams, Professor Rolf Sternberg, Leiter des Wirtschafts- und Sozialgeographischen Instituts der Universität Köln. Dies sei vor allem deshalb besorgniserregend, weil sich das Ergebnis für Deutschland innerhalb nur eines Jahres weiter verschlechtert habe. So erreichte Deutschland im letzten Jahr bei nur 21 teilnehmenden Ländern Platz 14, in diesem Jahr wäre es innerhalb der gleichen Gruppe Platz 16 geworden. Und im Wettbewerb unter den zehn führenden Wirtschaftsnationen war Deutschland angetrieben durch den New Economy-Boom sogar auf Rang drei vorgestoßen. Dieser Effekt ist 2001 allerdings verpufft und Deutschland landete lediglich auf Rang sechs.

Grundlage der GEM-Studie sind jeweils repräsentative Bevölkerungsumfragen mit mindestens 2.000 Befragten pro Land. Für die 2001er-Studie wurden weltweit insgesamt über 60.000 Menschen befragt, rund 7.000 davon allein in Deutschland. Die 1999 erstmals gestartete GEM-Studie geht auf eine Initiative des Babson College in Boston und der London Business School zurück.

jeder vierte neue Selbstständige gründet aus Angst um den Job

Die GEM-Studie zeigt zudem auch, wie es um die Gründer-Kultur in den einzelnen Ländern bestellt ist. Vielen Deutschen scheint danach einfach der Mut zum Unternehmertum zu fehlen. So gab mehr als die Hälfte der Befragten an, die Angst vor dem Scheitern halte sie von der Gründung eines Unternehmens ab. Damit liegt Deutschland an der Spitze unter allen 29 Ländern. In Frankreich beispielsweise hält diese Angst lediglich 33 Prozent, in Großbritannien 34 Prozent und in den USA nur 21 Prozent von der Selbstständigkeit ab.

Ein weiteres Indiz für die deutlich geringere Affinität zum Unternehmertum der Deutschen bieten auch die Antworten auf die Frage nach der Motivation. Wie die GEM-Studie zeigt, hat jeder vierte neue Gründer sein Unternehmen nur deshalb gegründet, weil er keinen festen Job fand, Angst um seinen Arbeitsplatz hatte, von Entlassung bedroht war oder sein Arbeitgeber ihm ein konkretes Outsourcing-Angebot unterbreitete. Somit war also nicht die Umsetzung einer unternehmerischen Idee der auslösende Faktor für die Selbstständigkeit, sondern die Sorge um die persönliche wirtschaftliche Zukunft. In ganz West-Europa ist dies nur bei jedem siebten Gründer das ausschlaggebende Motiv.

Diese Skepsis gegenüber der Selbstständigkeit ist gerade auf Grund der in Deutschland für Gründer vorherrschenden Rahmenbedingungen unverständlich. Wie mittels einer zweiten Umfrage der GEM-Forscher bei rund 1.000 Experten aus der Gründerberatung zu insgesamt 17 Kriterien ermittelt wurde, finden Gründer insbesondere in Deutschland beispielsweise hervorragende Finanzierungsbedingungen vor. In keinem anderen der 29 Länder gibt der Staat Gründern so viel Fördergelder wie hierzulande. Auch bei der Finanzierung mit Fremdkapital oder Venture Capital nimmt Deutschland eine Spitzenposition ein. Schlecht schneidet die Bundesrepublik allerdings bei den Punkten Aus- und Weiterbildung von Unternehmern, berufliche Mobilität sowie Regulierungen und Steuern ab.

Gerd Kühlhorn | ots

Weitere Berichte zu: GEM-Studie Selbstständigkeit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index: Aufwärtstendenz setzt sich fort
21.02.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht Ergebnisse der IAB-Stellenerhebung für das 4. Quartal 2016: Anhaltend hohes Niveau offener Stellen
21.02.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie