Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

ZEW-Energiemarktbarometer - Nationale Champions nicht nötig

20.02.2006


In der Politik wird häufig das Modell der nationalen Champions favorisiert, um das Bestehen der deutschen Unternehmen im internationalen Wettbewerb zu sichern. Im Energiesektor ist dies vor dem Hintergrund zu sehen, dass in anderen europäischen Ländern einzelne Unternehmen - wie etwa der französische Quasi-Monopolist EdF - jeweils größere Marktanteile halten als ihre deutschen Konkurrenten im deutschen Markt. Für den deutschen Energiesektor stößt dieses industriepolitische Konzept bei den Fachleuten jedoch auf wenig Gegenliebe.



So hält eine klare Mehrheit von 85 Prozent der für das ZEW-Energiemarktbarometer befragten Experten eine weitere Marktkonzentration im Energiesektor nicht für notwendig, damit deutsche Unternehmen im europäischen Wettbewerb bestehen können. Zu diesem Ergebnis kommt das aktuelle ZEW-Energiemarktbarometer, für das das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim, halbjährlich etwa mehr als 200 Experten aus Energieversorgungs-, -handels- und Dienstleistungsunternehmen zu ihren Erwartungen hinsichtlich der kurz- und mittelfristigen Entwicklungen auf den nationalen und internationalen Energiemärkten befragt.



Unabhängig von dieser Debatte erwarten die Experten in der Umwelt- und Energieregulierung ohnehin wenig Veränderungen. Die beiden Bereiche zählten zu den schwierigen Themen bei den Verhandlungen der großen Koalition, und in vielen Fragen haben die politischen Akteure Festlegungen vermieden. Eine deutliche Mehrheit von 65 Prozent der befragten Experten erwartet, dass sich die Regulierungsdichte im Umweltsektor nicht ändern wird. Die Erwartungen bezüglich einer Zu- und Abnahme staatlicher Eingriffe in das Wirtschaftsgeschehen halten sich in etwa die Waage (16 zu 19 Prozent). Im Energiesektor erwarten 56 Prozent der Experten Kontinuität bei der Regulierung. Allerdings gibt es hier deutlich mehr Stimmen, die eine Zunahme der Regulierung voraussehen (39 Prozent) als eine Abnahme (5 Prozent).

Im Juli 2005 wurde der Bundesnetzagentur die Aufsicht über die Strom- und Gasnetze übertragen. Auch hier bleiben die Pläne der Bundesregierung und die Regulierungspraxis abzuwarten. Eine Mehrheit der vom ZEW befragten Experten geht davon aus, dass durch die Arbeit der Behörde die Durchleitungsentgelte sinken werden, und zwar 52 Prozent der Befragten bei den Stromnetzen und 54 Prozent bei den Gasnetzen. Lediglich jeweils 11 Prozent erwarten steigende Durchleitungsentgelte, und 37 Prozent beziehungsweise 35 Prozent gehen von stagnierenden Durchleitungsentgelten bei Strom- und Gasnetzen aus.

Eine wichtige Aufgabe der Bundesnetzagentur ist es, die Qualitätssicherung der Strom- und Gasnetze zu überwachen. So sollen trotz staatlich begrenzter Erlöse aus dem Netzbetrieb ausreichende Investitionen in die Netze garantiert werden - das heißt in die Reparatur oder den Neubau von Strommasten -, um die störungsfreie Energieversorgung der Bevölkerung langfristig sicherzustellen. Hier ist die Meinung der befragten Experten noch klarer: Eine Mehrheit von 65 Prozent bei den Stromnetzen und 71 Prozent bei den Gasnetzen erwartet eine Stagnation der Netzqualität. 31 Prozent beziehungsweise 25 Prozent gehen von einer Verschlechterung aus, und lediglich jeweils 4 Prozent erwarten eine Verbesserung der Netzqualität.

Ansprechpartner:
Dr. Ulf Moslener: Telefon 0621/1235-209, Fax -226, E-Mail moslener@zew.de

Katrin Voss | idw
Weitere Informationen:
http://www.zew.de
http://ftp.zew.de/pub/zew-docs/zn/Energiemarkt0106.pdf

Weitere Berichte zu: Bundesnetzagentur Energiesektor Gasnetz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index tritt auf der Stelle
24.11.2016 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht Lemgoer Wissenschaftler wollen smarte Banknote realisieren
08.11.2016 | Hochschule Ostwestfalen-Lippe

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops