Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Subventionen in Europa

13.09.2000


... mehr zu:
»Beihilfe
Eher Subventionen von konservativen als "linken" Regierungen

Öffentliche Beihilfen in zehn EU-Ländern

Berlin (wbs) Konservative Regierungen sind deutlich subventionsfreudiger als linksorientierte Regierungen. Dies beruht vor allem darauf, dass konservative Regierungen den Unternehmen politisch näher stehen als der Arbeitnehmerschaft. Lars-Hendrik Röller vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und Damien J. Neven (Universität Lausanne) untersuchten die Beihilfepolitik der 1980er Jahre in zehn
Ländern der heutigen Europäischen Union und deckten diesen Widerspruch zwischen ordnungspolitischer Rhetorik und praktischer Politik auf.

Die 80er Jahre gelten gemeinhin als das Jahrzehnt neoliberaler Wirtschaftspolitik mit einem Minimum staatlicher Interventionen. Doch zumindest in Teilbereichen ist das Gegenteil der Fall. Der Anteil öffentlicher Beihilfen an der Bruttowertschöpfung in den zehn untersuchten EU-Ländern lag bei "rechten" Regierungen, die in der Öffentlichkeit gern ordnungspolitische Argumente verwenden, um über zwei Prozentpunkte über dem Niveau "linker" Regierungen.

Im Gesamtverlauf der 80er Jahre ist die Spannweite, in der sich die staatlichen Beihilfen der zehn betrachteten Länder bewegen, beträchtlich. So betrug der Unterschied zwischen den höchsten (Italien) und niedrigsten (Dänemark) Beihilfesätzen - gemessen als Anteil an der Bruttowertschöpfung - 1981 ca. elf Prozent, stieg dann auf über 16 Prozent (am höchsten: Griechenland; am niedrigsten: Dänemark) 1986 an, um bis 1990 etwa auf das Ausgangsniveau zu fallen.

Bei ihrer Auswertung eines umfassenden Datensatzes der Europäischen Union kamen Röller und Neven noch zu einem weiteren bemerkenswerten Ergebnis: Über 90 Prozent der unterschiedlichen Beihilfeniveaus in den zehn untersuchten Ländern lassen sich auf Faktoren der politischen Ökonomie zurückführen, insbesondere auf die politische Verfassung und die institutionelle Struktur des jeweiligen Landes. Die nationalen Innovationssysteme und die Unternehmenskultur scheinen nur eine untergeordnete Rolle zu spielen. Hervorzuheben sind besonders vier Teilergebnisse:

(1) Eine starke parteipolitische Zersplitterung des Parlaments drückt das Niveau staatlicher Subventionen, weil sich offenbar so verschiedene Interessengruppen gegenseitig neutralisieren.

(2) Regierungskoalitionen führen zwar grundsätzlich zu höheren staatlichen Beihilfen als Ein-Parteien-Regierungen, aber je mehr Parteien einer Koalition angehören, desto geringer werden wiederum die Subventionen.

(3) Es hat sich gezeigt, dass eine ausgeprägte föderale Struktur im Gegensatz zu einem starken Bundesstaat zur Eindämmung staatlicher Beihilfen führt, weil hier die politische Kontrolle der öffentlichen Ausgaben direkter einwirken kann.

(4) Die Transparenz spielt eine bedeutende Rolle bei der Vergabe staatlicher Beihilfen. Dazu zählen nicht nur die Veröffentlichung der Kriterien für die Subventionsvergabe und die Bekanntmachung der Empfänger, sondern auch die politische Kontrolle des Vergabeprozesses durch die Legislative und/oder unabhängige Behörden sowie eine Evaluierung, wie effektiv die vergebenen Mittel eingesetzt worden sind. So zeugen etwa die Vergabeprozesse in Italien und Belgien von deutlich geringerer Transparenz als die Verfahren in Deutschland, Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden.

Werden also Länder, in denen die Transparenz der Vergabeprozesse gering ist, von konservativen Regierungen regiert, dann führt dies zu den höchsten Beihilfen für die verarbeitende Industrie (ausgenommen Kohle, Stahl und Schiffbau).

Weitere Informationen: Professor Lars-Hendrik Röller Ph.D.
Telefon: 030-25 49 14 41
E-Mail: roeller@medea.wz-berlin.de

"Subventionen in Europa - Die politische Ökonomie staatlicher Beihilfen", in: WZB-Mitteilungen, Heft 89,
September 2000, S. 6-8 http://www.wz-berlin.de/presse/pdf/mit89/WZBMit89-06-08.pdf
Damien J. Neven, Lars-Hendrik Röller, "The Political Economy of State Aid: Econometric Evidence for the Member States", in: Damien J. Neven, Lars-Hendrik Röller (Eds.), The Political Economy of Industrial Policy
in Europe and the Member States, Berlin: edition sigma 2000, S. 25-38

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Burckhard Wiebe |

Weitere Berichte zu: Beihilfe

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Beschäftigung legt weiter zu
29.05.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index sinkt nach März-Hoch
23.05.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen

29.05.2017 | Veranstaltungen

49. eucen-Konferenz zum Thema Lebenslanges Lernen an Universitäten

29.05.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz an der Schnittstelle von Literatur, Kultur und Wirtschaft

29.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligente Sensoren mit System

29.05.2017 | Messenachrichten

Geckos kommunizieren überraschend flexibel

29.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

1,5 Millionen Euro für vier neue „Innovative Training Networks” an der Universität Hamburg

29.05.2017 | Förderungen Preise