Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ampellust statt Ampelfrust: Verkehrswissenschaftler der RUB überprüft Steuerungsverfahren

28.01.2009
Die modernste Technik ist nicht immer auch die geeignetste

Der Wissenschaftler nennt es Lichtsignalanlage - der Autofahrer einfach Ampel oder auch mal Ärgernis. Lange Wartezeiten, kurze Grünphasen oder ständiges Anhalten vermiesen schnell den Fahrspaß.

Die Prinzipien, die hinter so einer Ampelschaltung stecken, sind hochkomplex - und Verfahren zur Steuerung gibt es gleich mehrere. In seiner Dissertation hat Dr. Thomas Wietholt vom Lehrstuhl für Verkehrswesen der Ruhr-Universität Bochum erstmals ermittelt, welche Auswirkungen die verschiedenen Steuerungsmethoden auf den Straßenverkehr haben - und wo welches Verfahren sinnvoll eingesetzt werden kann.

Ein Ergebnis: Die modernen Errungenschaften der Steuerungstechnik sind nicht immer auch die besten. Anhand verschiedener Kriterien könnten Planer schon vor dem Bau einer neuen Anlage ermitteln, welche Methode geeignet ist - eine Prüfung, die zurzeit noch nicht stattfindet.

Feste Zeiten vs. verkehrsabhängig

Ampel ist nicht gleich Ampel. Von Straßenzug zu Straßenzug werden die Ampelanlagen unterschiedlich gesteuert. Zwei Methoden davon sind besonders häufig zu finden: die festzeitgesteuerte und die verkehrsabhängige Steuerung mit Rahmenzeitplan. Festzeitgesteuert bedeutet, dass alle Ampeln an einem Straßenzug darauf programmiert sind, zu bestimmten Zeiten grün zu zeigen. Wer an der ersten Ampel grün hat, fährt so im theoretischen Idealfall bis zum Ende der Straße auf einer grünen Welle. Für neue Ampelanlagen wird diese Steuerungsmethode in der Regel nicht mehr berücksichtigt; sie gilt als veraltet. Den Rang abgelaufen hat ihr die verkehrsabhängige Steuerung. Im Grunde folgt auch sie einem festen Zeitplan für die Umlaufzeiten (die Zeit vom Beginn einer Grünphase bis zum nächsten Beginn der gleichen Grünphase). Melden Detektorstreifen unter der Fahrbahn aber zum Beispiel einen großen Andrang vor einer Ampel, so kann sich an dieser einen Ampel auch spontan die Grünphase verlängern.

Jedes System hat seine Vorteile

Für seine Dissertation hat Thomas Wietholt zehn Straßenzüge getestet, deren Ampelanlagen mit diesen beiden Steuerungsverfahren arbeiten. Per numerischer Optimierung wurden neue festzeitgesteuerte Koordinierungen auf diesen Straßenzügen ermittelt. Mit Erfolg. In allen Fällen führte die Optimierung dazu, dass sich für die Autofahrer ein Qualitätsgewinn einstellte, zum Beispiel weniger Stopps. Die Überraschung war aber eine ganz andere: Im direkten Vergleich zwischen den verschiedenen Straßenzügen konnte der Oldtimer, die festzeitgesteuerte Methode, mehrmals gegenüber der modernen Technik punkten. Anhand dieser Ergebnisse hat Wietholt Kriterien aufgestellt, die dabei helfen können, das beste Verfahren für einen bestimmten Straßenzug auszuwählen. Auf Straßen, auf denen die Verkehrsbelastung relativ konstant ist, eignet sich so zum Beispiel die Festzeitsteuerung besser. Sind die Schwankungen groß oder die allgemeine Verkehrsbelastung auf einer Straße hoch, dann lohnt sich das verkehrsabhängige Verfahren.

Im Voraus prüfen

Thomas Wietholt folgert daraus: Verkehrsplaner sollten vor dem Neubau einer Ampelanlage genau überprüfen, welche Steuerungsart an der betreffenden Stelle am besten geeignet ist; Simulationsstudien können dabei hilfreich sein. Solche Vorab-Überlegungen finden zurzeit nur selten statt; in der Regel baut man ganz auf die moderne, verkehrsabhängige Steuerung.

Titelaufnahme

Wietholt, Thomas: Einsatzbereiche Grüner Wellen und verkehrsabhängiger Steuerungen, Schriftenreihe Lehrstuhl für Verkehrswesen, Ruhr-Universität Bochum 2009, Ausgabe Nr. 33, ca. 232 Seiten, ISSN 1437-8299. Die Arbeit wird voraussichtlich im März/April in der Schriftenreihe des Lehrstuhls erscheinen.

Weitere Informationen

Thomas Wietholt, Lehrstuhl für Verkehrswesen an der Ruhr-Universität Bochum, Tel. :0234-32-27597, Homepage des Lehrstuhls: http://www.rub.de/verkehrswesen

Redaktion: Sarah Ziegler

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.rub.de/verkehrswesen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht Smarte Datenanalyse für Verkehr in Stuttgart
28.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

nachricht HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa
22.02.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten