Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lässt sich Notengebung objektiver gestalten?

24.08.2010
Erziehungswissenschaftlerin der Universität Jena präsentiert bei internationaler Experten-Tagung am 2.-3. September erste Ergebnisse zu technologiebasierter Leistungsbeurteilung

Der Lehrer mag mich nicht, nur deshalb hat er mir so eine schlechte Note gegeben. Wer kennt solche Klagen von Schülern nicht? Versuche, die Notengebung in Schule und Universität objektiver zu gestalten, gibt es einige. Nadine Schlomske von der Friedrich-Schiller-Universität Jena prüft derzeit den viel versprechenden Ansatz einer Leistungsbewertung mit Unterstützung einer speziellen Software.

Die Erziehungswissenschaftlerin setzt seit zwei Jahren im Rahmen ihrer Promotion die an der Universität Freiburg/Brsg. von Dr. Pablo Pirnay-Dummer entwickelte Software T-MITOCAR ein. Mit Hilfe dieser Software werden Klausuren von Schülern oder Studenten mit dem Idealergebnis, das der Lehrer vor der Prüfung verfasst hat, verglichen. In der automatisierten Analyse werden die Übereinstimmungen und Abweichungen vom Ideal sowie Lernfortschritte grafisch dargestellt. „Damit wird die Bewertung objektiver und dadurch für den Schüler gerechter“, ist Schlomske von der Zuverlässigkeit des Systems überzeugt. Auch die Lehrer gewinnen, da das System schneller ist als der Mensch. „Mit diesem Instrument können Lernverständnis und -ergebnis geprüft und für zukünftige Anforderungen vorhergesagt werden, wenn es funktioniert, wie erwartet“, sagt die Jenaer Erziehungswissenschaftlerin. Und die 29-jährige Jenaerin ist optimistisch: „Die bisherigen Ergebnisse lassen erwarten, dass es funktioniert“. Immerhin hat sie es bereits an den Klausuren von 180 Studierenden getestet. Jetzt stehen die Analysen von rd. 100 Schülertexten aus der gymnasialen Oberstufe bevor.

Wenn die Software wie erhofft funktioniert, lässt sie sich auch in Hochschulen und der Fortbildung einsetzen. „Sie kann auch als Instrument der Selbstbewertung für Lernende verwendet werden“, ist sich Nadine Schlomske sicher. „Es bleibt allerdings ein Hilfswerkzeug, das die Lehrenden unterstützen soll“, betont Prof. Dr. Michaela Gläser-Zikuda. Die Lehrstuhlinhaberin für Schulpädagogik und Didaktik, die Schlomskes Dissertation betreut, ist sich aber sicher: „Wenn es funktioniert, wird diese Software die Lehr-Lern-Kultur verändern“.

Was das bedeuten kann, wird auch bei der internationalen Experten-Tagung „EARLI SIG 17“ diskutiert, die am 2.-3. September an der Universität Jena stattfindet. Hier präsentiert Nadine Schlomske ihre bisherigen Ergebnisse erstmals im Kreise der rund 40 Methoden-Experten und -Nachwuchswissenschaftler aus fast ganz Europa sowie Israel und Thailand. Die Tagung, die von Patrick Sins (Universität Utrecht) und Michaela Gläser-Zikuda sowie zwei Mitarbeiterinnen des Lehrstuhls in Jena organisiert wird, diskutiert methodische Aspekte in Forschung und Lehre. Es geht vor allem um die Verbindung qualitativer und quantitativer Erhebungsmethoden in der Bildungsforschung. Die Konferenz ist anwendungsorientiert und interdisziplinär angelegt. „Ein Psychologe hat einen anderen Blick auf Methoden als ein Fachdidaktiker“, nennt Gläser-Zikuda ein Beispiel. Die Methodendiskussion werde in Deutschland inzwischen offen geführt, freut sich die Jenaer Pädagogin. „Die Lager lassen sich auf die Diskussion ein“.

Und so wird es in Jena beispielsweise um die richtige Analyseform des Lehrer-Schüler-Gesprächs gehen. Denn je nach Methode, macht Prof. Gläser-Zikuda deutlich, kommen ganz andere Ergebnisse heraus. Ob das Gespräch mit der Videokamera aufgezeichnet wird, ob es Gesprächsprotokolle gibt oder ob die beiden Beteiligten hinterher interviewt oder per Fragebogen befragt werden – das Ergebnis der Analyse differiert. Die Jenaer Pädagogik-Expertin plädiert für eine sinnvolle Verknüpfung mehrerer Methoden und rät den Wissenschaftlern, „über die Grenzen der eigenen Disziplin hinauszuschauen“. Erst dann sei die Methodik optimal und für die Beteiligten die höchstmögliche Qualität und Objektivität erreichbar.

Die Tagung der "Special Interest Group (SIG 17): Qualitative and Quantitative Approaches to Learning and Instruction” der “European Association for Research on Learning and Instruction” (EARLI) findet im Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Jena (Am Planetarium 4) statt. Sie beginnt am 2. September um 9.00 Uhr. Den Eröffnungsvortrag hält um 9.30 Uhr Prof. Michael Baker vom Forschungsinstitut der französischen Telekom.

Weitere Informationen unter: http://www.earli.uni-jena.de/.

Kontakt:
Prof. Dr. Michaela Gläser-Zikuda
Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Jena
Am Planetarium 4, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 945351
E-Mail: michaela.glaeser-zikuda[at]uni-jena.de

Axel Burchardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.earli.uni-jena.de/ -
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017
28.04.2017 | Deutsche Gesellschaft für Immunologie

nachricht Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru
28.04.2017 | InfectoGnostics - Forschungscampus Jena e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie