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Wenn Erdöl & Co. nicht mehr da sind – wie weiter nach dem Ende fossiler Rohstoffe?

04.04.2012
Biotechnologiekonferenz der IHK Nord thematisiert den Weg in die bio-basierte Wirtschaft – große Chancen für Norddeutschland

Erdöl ist derzeit der wichtigste Rohstoff der modernen Industriegesellschaften. Doch dieser fossile Brennstoff ist beschränkt, es droht früher oder später ein Energiemangel. Auch andere fossile Rohstoffe gehen zur Neige.

Angesichts einer bis 2050 auf nahezu 9 Milliarden Menschen anwachsenden Weltbevölkerung braucht Europa erneuerbare biologische Ressourcen, um seine Versorgung mit gesunden Nahrungs- und Futtermitteln sowie mit Baumaterial, Energie und anderen wichtigen Produkten auch weiterhin sichern zu können.

Strategien in die sogenannte bio-basierte Wirtschaft - auch Bioökonomie genannt - thematisiert die 3. Biotechnologie-konferenz der IHK Nord, die am 26. und 27. April 2012 im Radisson Blu Resort Schloss Fleesensee stattfindet. Hierzu werden über 200 norddeutsche und nationale Branchenexperten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik erwartet.

Alle großen Herausforderungen der Gegenwart, wie Bevölkerungswachstum und Klimawandel haben mittlerweile eine globale Dimension. Die Bioökonomie soll dazu beitragen, Lösungen auf diese Herausforderungen zu finden. Sie ist ein neuartiges Konzept zur Nutzung natürlicher Ressourcen und umfasst alle industriellen und wirtschaftlichen Sektoren und ihre dazugehörigen Dienstleistungen, die biologische Ressourcen (Pflanzen, Tiere, Mikroorganismen) produzieren, be- und verarbeiten oder in irgendeiner Form nutzen.
Beispielhaft hierfür steht die industrielle Biotechnologie (auch „weiße Biotechnologie“ genannt). In dieser Branche werden Verfahren angewendet, die sich der biochemischen Werkzeuge aus der Natur bedienen. Die „Weiße Biotechnologie“ findet insbesondere in Industrieprozessen Anwendung, bei denen lebende Zellen als Zellfabriken eingesetzt werden, um bestimmte Produkte im Industriemaßstab herzustellen. Eines der bekanntesten Beispiele ist die Produktion von Insulin für Diabetiker durch transgene Bakterien statt aus Bauchspeicheldrüsen von Schweinen. Antibiotika, Impfstoffe oder Enzyme im Waschmittel sind weitere Stoffe, die auf diesem Wege in großen Mengen mit höchster Qualität und umweltschonend hergestellt werden. Zunehmend sind auch Rohstoffe aus erneuerbaren Quellen (z. B. aus Biomasse) Produkte der „Weißen Biotechnologie“ wie Bioalkohol, der aus biologischen Quellen gewonnen und als alternativer Kraftstoff genutzt wird. Weltweit wird der Markt der industriellen Biotechnologie auf über 56 Mrd. Euro pro Jahr beziffert. Man schätzt, dass im Jahre 2030 Biomaterialien und Bioenergie mit einem Volumen von weltweit rund 300 Mrd. Euro ein Drittel der gesamten industriellen Produktion ausmachen werden.

Die Bundesregierung will 2,4 Milliarden Euro in den nächsten sechs Jahren im Rahmen ihrer Bioökonomiestrategie zur Verfügung stellen. Die EU hat ihre Bioökonomiestrategie im Februar 2012 verabschiedet und will 4,7 Milliarden Euro Fördermittel zur Etablierung der nachhaltig bio-basierten Wirtschaft bereitstellen. Übereinstimmendes Ziel ist es, mit Forschung und Innovation einen Strukturwandel von einer erdöl- hin zu einer bio-basierten Industrie zu ermöglichen, der mit großen Chancen für Wachstum, Beschäftigung und Umweltschutz verbunden ist.

Als einer der europäischen Vorreiter auf dem Gebiet der Bioökonomie wird Dr. Christian Patermann, Direktor a.D. der EU-Kommission, die Biotechnologiekonferenz mit dem Vortrag „Bioökonomie: Hype oder Wirklichkeit? - Europa auf dem Weg in eine biobasierte Wirtschaft“ eröffnen. Er ist seit 2009 im deutschen Bioökonomierat tätig, der u. a. die Bundesregierung in Fragen der Bioökonomie berät. Seine „Gedanken zum nachhaltigen Wirtschaften“ stellt Dr. Holger Zinke, Gründer und Geschäftsführer der BRAIN AG, am Abend des ersten Konferenztages vor. Sein erfolgreiches Unternehmen ist spezialisiert auf die Untersuchung der genetischen Ausstattung von Bodenorganismen und deren Nutzung für technische Zwecke als Biokatalysatoren. Zinkes Unternehmen forscht weiterhin im Bereich künstlicher Kraftstoffe und entwickelt Ersatzprodukte für Kunststoffe. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt verlieh Dr. Zinke 2008 den Deutschen Umweltpreis.

Die 3. IHK Nord-Biotechnologiekonferenz findet in Zusammenarbeit mit der federführenden IHK zu Neubrandenburg statt und wird unterstützt durch die BioCon Valley-Initiative des Landes Mecklenburg-Vorpommern und die Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein GmbH. Weitere Infos sowie laufende Programmaktualisierungen unter http://www.ihk-nord.de.
IHK zu Neubrandenburg
Winfried Bunge
Katharinenstraße 48
17033 Neubrandenburg
Tel.: +49 (0) 395 - 5597-206
winfried.bunge@neubrandenburg.ihk.de
BioCon Valley GmbH
Dr. Heinrich Cuypers
Walther-Rathenau-Straße 49a
17489 Greifswald
Tel.: +49 (0) 3834-515-108
hc@bcv.org

Dr. Heinrich Cuypers | idw
Weitere Informationen:
http://www.bcv.org
http://www.neubrandenburg.ihk.de
http://www.ihk-nord.de

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