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Naturfasertagung "FIBRE 2002" am 10./11. September in Potsdam

05.09.2002


Internationale Naturfasertagung "FIBRE 2002" in Potsdam

Zur ersten internationalen Konferenz "Produktion, Verarbeitung und Anwendung von Naturfasern" vom 10. bis 11. September 2002 in Potsdam werden rund 150 Experten aus 25 Ländern erwartet. Veranstalter sind das Bornimer Institut für Agrartechnik e.V. (ATB) und die Universität Potsdam.
Mehr als 60 Fachbeiträge werden ein breites Themenspektrum abdecken. Die Themen reichen von der Züchtung des Saatgutes über Marktstudien zur Verbraucherakzeptanz bis zur fertigen Qualitätsfaser mit ihren speziellen Einsatzbereichen. Neben Hanf und Flachs, den in Europa und Nordamerika meist verbreiteten Naturfasern, werden auch Faserexoten wie Bambus und Textilbanane berücksichtigt.
Zur Eröffnung der Veranstaltung spricht Wolfgang Birthler, Minister für Umwelt, Naturschutz und Raumordnung des Landes Brandenburg. Als Vertreter des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft wird Staatssekretär Dr. Gerald Thalheim erwartet. Im Namen der Universität Potsdam begrüßt der Prorektor für Wissens-/ Technologietransfer und Innovation, Prof. Dieter Wagner, die Gäste.
Auf dem zweitägigen Treffen soll es erstmals gelingen, internationale Fachleute aus Wissenschaft, Industrie und der landwirtschaftlichen Praxis zum Erfahrungs- und Meinungsaustausch zusammenzubringen. Damit werden die Voraussetzung geschaffen, um mit gemeinsamen und praxisnahen Konzepten der Naturfaser auf breiter Ebene wieder zum Erfolg zu verhelfen.

Renaissance der Naturfaser
In der Vergangenheit waren Naturfasern unentbehrlicher Rohstoff für Kleidung und Baustoffe. Ihre Verdrängung durch synthetische Fasern seit Ende der fünfziger Jahre bedeutete, dass der Anbau von Hanf und Flachs fast völlig zurückging. Der Kunstfaser-Boom brachte aber auch den steigenden Verbrauch fossiler Rohstoffe und als Folge die Anreicherung der Atmosphäre mit klimaschädlichen Gasen mit sich. Heute sind wir uns der Folgen - häufigere Klimaextreme unter denen Menschen weltweit leiden - bewusster denn je.
Die Ergebnisse, die auf der jetzt stattfindenden Tagung vorgestellt werden, untermauern das breite Interesse an einer Renaissance der Naturfasern. Bei einem Vergleich zwischen Natur- und Chemiefasern zeigen sich zahlreiche Umweltvorteile der nachwachsenden Pflanzenrohstoffe gegenüber den Kunstfasern, für deren Herstellung Erdöl verbraucht wird.
So sind Naturfasern CO2-neutral und daher relevant für den Klimaschutz. Auch die mechanischen und die Verarbeitungseigenschaften von Pflanzenfasern sind denen synthetischer Fasern zumindest ebenbürtig. Ihr Einsatz als Materialverstärkung in Bauteilen für Autos und Flugzeuge hat Kostenvorteile und ermöglicht eine Gewichtseinsparung von mehr als 30 %. Und jedes Gramm Gewichtsersparnis reduziert den Kraftstoffverbrauch; immerhin um einen Liter/100 km je 100 kg Gewichtsminderung. Weiterhin sind bei der Herstellung von Dämmstoffen aus Naturfasern 90 % Energieeinsparung möglich gegenüber den etablierten Materialien Mineralwolle und Polystyrol. Die auf Naturfaser basierenden Dämmmaterialien bergen keine Gesundheitsgefahren und Krebsrisiken, wie vergleichbare Stoffe mit Glas- oder Mineralwolle.

Ergebnisse für die Praxis
Diese Vorzüge der Naturfasern können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Erzeuger von Faserpflanzen hierzulande zu kämpfen haben. Sie sind starkem Kostendruck ausgesetzt. Beihilfen aus Brüssel wurden bereits zurückgefahren und billigere Importe z. B. aus Osteuropa drängen auf den Markt.
Die Faserkosten müssen gesenkt, ihre Erzeugung rentabler gestaltet werden. Damit sich der Anbau von Hanf oder Flachs für die Bauern wieder lohnt, müssen sie also für ihre Ernte höhere Einnahmen erzielen, oder anstelle der (billigen) Pflanzen die aufbereiteten Fasern verkaufen. Von der Fasertagung erhofft man sich Lösungsansätze für diese Fragen. Beispielsweise zu dem Komplex der Fasergewinnung (Faseraufschluss und -reinigung). Der Beitrag der Bornimer Agrartechniker besteht in einer neuartigen, weltweit patentierten Anlage zum Faseraufschluss, deren Kernstück eine Hammermühle ist. Sie ermöglicht es, die Kosten für die Fasergewinnung um mehr als die Hälfte zu senken. Schließlich darf beim Transport und bei der Lagerung des Erntegutes die Qualität des Rohstoffes nicht leiden. Die Verarbeiter fordern bessere Abstimmung auf ihre Anforderungen. Hierzu werden übergreifende Konzepte zum Qualitätsmanagement vorgestellt. Einsparungen könnten auch im Bereich der Kosten für Saatgut erreicht werden. Neue Züchtungen von THC-freien Hanfsorten liegen vor - ausschließlich diese sind für den Anbau zugelassen. Zusätzliche Anbieter könnten das bisherige Monopol eines Herstellers brechen und für mehr Wettbewerb sorgen.
In der Zukunft werden Naturfasern notwendigerweise an Bedeutung gewinnen. Für das globale Ziel, den Klimaschutz zu verbessern, müssen fossile durch nachwachsende Rohstoffe ersetzt werden. Dieses muss sich aber bereits jetzt für die Landwirte rechnen.
Regional gesehen kann der wachsende Wirtschaftszweig "Naturfasern" zu einer Stärkung des Mittelstandes - besonders für Hersteller von Maschinen und Faserprodukten - beitragen. Und er bietet zusätzliche Einnahmen für die Landwirte.
Die Potsdamer Tagung will und kann auf diesem Weg ein Meilenstein sein. Sie wird durch eine Vielzahl von Unternehmen und Institutionen, z.B. das Ministerium für Landwirtschaft, Umweltschutz und Raumordnung des Landes Brandenburg, die Zukunftsagentur oder die Firma Kranemann Maschinenbau GmbH (Blücherhof) auch finanziell unterstützt.

Kontaktadressen und Daten
Ort der Veranstaltung ist die Universität Potsdam, Auditorium Maximum am Neuen Palais. Informationen beim Tagungsbüro, Tel. 0331 5699 311 oder unter www.atb-potsdam.de.

Pressekonferenz
Vertreter der Presse laden wir herzlich zu der Tagungs-Pressekonferenz ein. Sie findet am 10. September um 16.30 Uhr am ATB, Max-Eyth-Allee 100 statt. Zu diesem Termin kann auch die neue Faseranlage des ATB besichtigt werden.

Ansprechpartner:
Prof. Christian Fürll
Tel: (0331) 5699-310
E-Mail: cfuerll@atb-potsdam.de

Dr. Christiane von Haselberg | idw

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