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Konferenz: "Ja, wo laufen sie denn...?" Fußgängerbewegungen simulieren

30.03.2001


Mit Fußgängerbewegungen und Evakuierungssimulationen befasst sich eine internationale Konferenz vom 4. bis 6. April an der Mercator-Universität. Rund 100 Teilnehmer aus 13 Nationen werden sich bei der "Conference on Pedestrian and Evacuation Dynamics" (PED) darüber austauschen, wie räumliche Engpässe verhindert und Menschenströme gelenkt werden können.

Es ist nicht nur das erste Expertentreffen dieser Art in Duisburg, sondern auch das erste weltweit, bei dem die Teilnehmer aus Wissenschaft, Forschung und Industrie den Risikofaktor "Mensch" besonders berücksichtigen, um Sicherheitsstandards zu verbessern. Organisiert wird PED von zwei Duisburger Wissenschaftlern, dem bekannten "Stauforscher" Prof. Dr. Michael Schreckenberg, Fachgebiet Physik von Transport und Verkehr, und Prof. Dr. Som Deo Sharma vom Institut für Schiffstechnik.

Einkaufszentren, Sportarenen, Bahnhöfe, aber auch Passagierschiffe, Flugzeuge oder Bahnen müssen Menschenmengen "vertragen" können. Sie müssen so konzipiert sein, dass bei Stoßzeiten und auf engem Raum ein Vorwärtskommen möglich ist und ein Fußgängerstau vermieden wird. Am Computer lassen sich solche Fußgängerbewegungen exakt kalkulieren, modellieren und auf Alltagstauglichkeit testen.

Solche "Planspiele" können Leben retten. Informatiker, Bauingenieure, Physiker und Schiffstechniker werden sich bei der Duisburger Konferenz deshalb auch mit Fußgängerbewegungen bzw. Abläufen befassen, die schnell ins Chaos kippen können - den Evakuierungsprozessen. Zwar haben sich die Sicherheitsstandards in den letzten Jahrzehnten stark verbessert, ein Risiko ist jedoch geblieben: Der Mensch und insbesondere seine Reaktionen sind unberechenbar. Dennoch wird es versucht: per Computersimulation. Als wichtige Quelle dienen zum einen Erfahrungen aus vergangenen Unglücksfällen. Zum anderen werden verstärkt Erkenntnisse aus Psychologie und Soziologie zu Orientierungs- und Panikverhalten eingebunden.

Die Vorteile einer Simulation liegen auf der Hand: Abläufe können in allen Varianten und bis ins letzte Detail durchgespielt und Schwachstellen ausgemacht werden. Auch lassen sich Krisensituationen am Computer noch verschärfen: Was passiert zum Beispiel, wenn ein Teil der Flucht- und Rettungswege blockiert ist oder alle Menschen zu einem Ausgang stürzen? Meist ist es nicht damit getan, Fluchtwege zu verändern. Dass diese Maßnahme nicht automatisch zur Rettung führt, zeigt ein simples Beispiel: Durch breitere Notausgänge gelangen Schiffspassagiere zwar schneller an Deck. Das Problem, sie zügig von Bord zu bekommen, ist damit aber nicht gelöst.

Werden auch alle Eventualitäten durchgetestet, wissen die Forscher, dass es sich mit der Simulation wie mit der Berechnung des Wetters verhält: Die Regeln sind einfach, doch exakte Vorhersagen unmöglich. Denn letztendlich kann nur ein Unglücksfall eindeutig Aufschluss darüber geben, ob die Rettungsmaßnahmen gegriffen haben.

Weitere Informationen bei Prof. Dr. Michael Schreckenberg, Tel. 0203/379-3552, und Prof. Dr. Som Deo Sharma, Tel. 0203/379-2911.

Ulrike Bohnsack |

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