Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Radioaktivität: Mit neuen Methoden geringste Mengen entdecken

16.09.2008
PTB lädt am 22. September zu internationaler Konferenz zur Umweltradioaktivität

Mit immer besseren Methoden immer kleinere Mengen an ionisierender Strahlung aufspüren - dieses Ziel haben Wissenschaftler bereits seit Beginn des Atomzeitalters. Zusätzlich zur natürlichen Strahlung ist der Mensch einer Vielzahl anderer Strahlungsquellen ausgesetzt, die durch die militärische und technische Nutzung von radiaktiven Substanzen entstehen.

Zum Schutz der Gesundheit, aber auch für technische und medizinische Anwendungen, ist es notwendig, auch noch kleinste Mengen von Radionukliden hochgenau zu bestimmen. Eingeladen von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) treffen sich vom 22. bis 26. September 2008 Wissenschaftler aus 27 Ländern zum Austausch über neue Mess- und Analyseverfahren und deren Anwendungsmöglichkeiten: Es ist die "5th International Conference on Radionuclide Metrology Low-Level Radioactivity Measurement Techniques".

Die internationale Konferenz findet bereits zum fünften Mal statt und bündelt umfassende Messkompetenz: Die rund 110 Teilnehmer vertreten nationale Metrologieinstitute, wie beispielsweise die PTB, Universitäten, Forschungszentren und Radioaktivitäts-Messlaboratorien aus 21 europäischen Ländern, Australien, Israel, Korea, Neuseeland, Taiwan und den USA. Der gegenseitige Austausch über neueste Mess-, Analyse- und Kalibrierverfahren sowie nationale und internationale Vergleiche sind wichtige Bestandteile, um die Qualität von Radioaktivitätsmessungen immer weiter zu verbessern. Vereinfacht gesagt geht es darum, auch noch geringste Mengen von Radionukliden mit Aktivitäten bis in den Millibecquerel-Bereich in sehr kleinen Proben exakt zu bestimmen.

Die Organisation der Veranstaltung liegt in den Händen des PTB-Fachbereichs Radioaktivität unter der Leitung von Dr. Dirk Arnold. Wissenschaftler der PTB tragen auch inhaltlich mit drei Vorträgen zur Konferenz bei: Dr. Annette Röttger wird die neue Thoron-Folgeprodukt-Kammer erläutern, die zusätzlich zur bereits bestehenden Radon-Kammer in diesem Jahr ihren Betrieb aufgenommen hat. Seitdem können sowohl Radon-220 als auch Thoron (Radon-222) und deren Folgeprodukte zuverlässig bestimmt und Messgeräte mit einer weltweit einmaligen Genauigkeit kalibriert werden. Somit steht nun erstmals die messtechnische Grundlage zur Verfügung, um den Einfluss von Thoron und dessen Folgeprodukten auf den Menschen genau zu untersuchen.

Bereits seit siebzehn Jahren betreibt die PTB ein Untertagelaboratorium für Dosimetrie und Spektrometrie (UDO). Das in 490 Meter Tiefe in Steinsalz gelegene UDO Labor zeichnet sich durch eine extrem niedrige Umgebungsstrahlung, eine moderate Radon-Aktivitätskonzentration in der Luft und eine gegenüber der Oberfläche um mehr als vier Größenordnungen reduzierte Myonenflussdichte aus. Diese Voraussetzungen für "low-level"-Messungen sind einzigartig in Deutschland. Dr. Stefan Neumaier erläutert in seinem Beitrag, welche zusätzlichen Maßnahmen die PTB ergriffen hat, um die Hintergrundstrahlung für besonders empfindliche Detektorsysteme noch weiter zu minimieren. UDO ist eines von 12 europäischen Untergrundlaboratorien, deren Betreiber sich unter dem Namen CELLAR (Collaboration of European Low-level Underground Laboratories) zu einem Netzwerk zusammengeschlossen haben, um Anwendern den Zugang zu Untergrundlaboratorien zu erleichtern sowie die Entwicklung neuer Messmethoden und die Suche nach weiteren Anwendungen für untergrundarme Gammaspektrometriesysteme gezielt zu fördern.

Ein dritter Beitrag widmet sich dem Vergleich verschiedener Monte-Carlo-Simulationen auf dem Gebiet der Gammapektrometrie. Diese Simulationen sind unter anderem nützlich zur Ermittlung der Selbstabsorption in einer ausgedehnten Umweltprobe und zur Berechnung der Koinzidenzsummation für Messungen von Kaskadenstrahlern in Nahgeometrie. Sie ergänzen experimentelle Messungen, die allein zur Kalibrierung von gammaspektrometrischen Systemen nicht ausreichen. Wissenschaftler der PTB und der Universität in Bukarest, die bereits auf eine 15-jährige Kooperation zurückblicken, stellen dar, in welcher Weise verschiedene Monte-Carlo-Simulationen voneinander abweichen.

Ansprechpartner in der PTB:
Dr. Dirk Arnold, Fachbereich 6.1 Radioaktivität. Tel. (0531) 592- 6100, E-Mail: Dirk.Arnold@ptb.de
Dr. Annette Röttger, Arbeitsgruppe 6.13 Radon-Messtechnik, Tel. (0531) 592-6130, E-Mail: Annette.Roettger@ptb.de

Dr. Stefan Neumaier, Arbeitsgruppe 6.32 Strahlenschutz, Tel. (0531) 592-6320, E-Mail: Stefan.Neumaier@ptb.de

Konferenz-Informationen im Internet:
http://www.ptb.de/ICRM-LLRMT/
Weitere aktuelle PTB-Nachrichten
o Extrem genaue Bilder aus dem Körperinneren (12. Sept.)
o PTB vereint Magnetresonanz- und Radar-Technologie in einem Prototyp (09. Sep.)
o EPSI: Moderne Kommunikation von Tankstellengeräten (08. Sep.)
o Rennstrecke für schnelle Elektronen in Halbleiterstrukturen (28. Aug.)
o Internationale Sommerschule zur Messtechnik in Goslar (27. Aug.)
Die Nachrichten finden Sie direkt auf der PTB-Homepage: http://www.ptb.de/

Imke Frischmuth | idw
Weitere Informationen:
http://www.ptb.de/
http://www.ptb.de/ICRM-LLRMT/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht International führende Informatiker in Paderborn
21.08.2017 | Universität Paderborn

nachricht Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik
21.08.2017 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer IPM präsentiert »Deep Learning Framework« zur automatisierten Interpretation von 3D-Daten

22.08.2017 | Informationstechnologie

Globale Klimaextreme nach Vulkanausbrüchen

22.08.2017 | Geowissenschaften

RWI/ISL-Containerumschlag-Index erreicht neuen Höchstwert

22.08.2017 | Wirtschaft Finanzen