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Pilzinfektionen schneller erkennen und besser behandeln

03.09.2008
42. Wissenschaftliche Tagung der Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft beginnt in Jena

Aspergillus fumigatus, Candida albicans, Arthroderma benhamiae: Hinter klangvollen Namen verbergen sich unheilbringende Mikroorganismen; Pilze, die dem Menschen erhebliche Pein verursachen können.

Allesamt sind sie Krankheitserreger, die bis heute nur schwer bekämpft werden können. Ihr Aufbau und Stoffwechsel ähnelt dem einer menschlichen Zelle. Somit gibt es nur wenige Medikamente, die den Erreger zurückdrängen oder abtöten und dabei das menschliche Gewebe schonen.

Vom 4.-6. September treffen sich ca. 300 Experten aus dem deutschsprachigen Raum in Jena, um im Hauptgebäude der Friedrich-Schiller-Universität ihre neuesten Ergebnisse auf dem Gebiet der medizinischen Mykologie vorzustellen, mit den Kollegen darüber zu diskutieren und Pläne für künftige Forschungsprojekte zu schmieden. Die 42. Wissenschaftliche Tagung der Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft wird in diesem Jahr von Ärzten und Wissenschaftlern des Universitätsklinikums Jena, der Friedrich-Schiller-Universität und des Leibniz-Instituts für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie - Hans-Knöll-Institut (HKI) - organisiert.

Die beiden Tagungsleiter, Dr. Uta-Christina Hipler von der Klinik für Dermatologie und dermatologische Allergologie und Prof. Dr. Axel Brakhage, Inhaber des Lehrstuhls für Mikrobiologie und Molekularbiologie der FSU Jena und Direktor des HKI, repräsentieren mit ihrer eigenen Tätigkeit das breite Spektrum der modernen Pilzinfektionsforschung. Axel Brakhage ist der Grundlagenforschung zugetan. Er erforscht mit seinem Team die molekularen Mechanismen, die zu einer Pilzinfektion führen. Denn obwohl jeder Mensch täglich einige tausend Pilzsporen einatmet, erkrankt er daran nur unter ganz bestimmten Umständen. "Wenn wir die Stoffe kennen, die der Pilz und das menschliche Immunsystem bilden und deren Wechselwirkungen verstehen, dann haben wir Ansatzpunkte für die Entwicklung neuer Medikamente. Ein weiter Weg, aber wer das Leid der Betroffenen kennt, der weiß, dass die Mühe lohnt.", meint Brakhage. Dr. Hipler - sie bearbeitet als Leiterin des Kliniklabors täglich Patientenproben - bestätigt dies: "Es wäre schon ein großer Schritt nach vorn, wenn wir Methoden zur Hand hätten, um Pilzinfektionen frühzeitig, schnell und sicher zu diagnostizieren. Mit den heutigen Tests verlieren wir zu viel Zeit bis eine zielgerichtete Behandlung beginnen kann." Um keine wertvolle Behandlungszeit zu verlieren, sind verträgliche Antimykotika mit breitem Wirkspektrum, die bereits im Verdachtsfall eingesetzt werden können, oft lebensrettend.

Das Tagungsprogramm zeigt, dass viele Forschergruppen an der Lösung dieser Probleme arbeiten. In etwa 100 Vorträgen und 60 Postern stellen sie unter anderem neue Testmethoden vor, die die Zeit bis zur Diagnosestellung drastisch verkürzen - auch wenn der Erregerpilz im Labor nicht kultiviert werden kann. Andere Gruppen beschäftigen sich mit Eiweißstoffen, den Hauptakteuren bei vielen pilzlichen Infektionen. Moderne biophysikalische Methoden wie die "Oberflächenplasmonresonanz" gestatten heute bei geringsten Probenmengen Aussagen über die Kommunikationsprozesse, die sich zwischen Erreger und menschlicher Zelle abspielen. Praktizierende Ärzte berichten anhand von Fallbeispielen über ihre Erfahrungen mit verschiedenen therapeutischen Ansätzen.

Jena ist geradezu prädestiniert für die Tagung der Pilzforscher. Schließlich verfügt die Stadt der Wissenschaft 2008 über eine reiche Tradition auf dem Gebiet. So wurde die Mykologie als eigenständiges Gebiet in Lehre und Forschung bereits im 1954 von Victor Goerttler gegründeten Institut für bakterielle Tierseuchenforschung der Deutschen Akademie der Landwirtschaftswissenschaften eingerichtet. Das erste umfassende Lehrbuch "Grundriss der Medizinischen Mykologie" wurde von Bernhard Schabinski, einem Wissenschaftler vom Hygieneinstitut der Universität Jena verfasst. Erst kürzlich erhielt die FSU Jena zusammen mit dem Universitätsklinikum Jena und dem HKI den millionenschweren Zuschlag für die Errichtung eines Zentrums zur Erforschung der Sepsis (ZIK Septomics), die häufig durch Pilze ausgelöst wird.

Kontakt:
Prof. Dr. Axel Brakhage
Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie
- Hans-Knöll-Institut -
Tel.: 03641 / 532 10 00
E-Mail: Axel.Brakhage@hki-jena.de
Dr. Uta-Christina Hipler
Klinik für Dermatologie und dermatologische Allergologie am
Universitätsklinikum Jena
Tel.: 03641 / 937 355
E-Mail: chip@derma.uni-jena.de

Dr. Michael Ramm | idw
Weitere Informationen:
http://www.hki-jena.de
http://www.derma.uniklinikum-jena.de
http://www.dmykg.de

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