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Sind Lager- und Logistikplanung nicht mehr "modern"?

10.06.2011
Standards aus ERP-Systemen sind heute der Maßstab für neue Lösungen in Lager- und Logistikprozessen.
Individuelle Anforderungen werden deshalb zurückgestellt. Der verbleibende „Rest“ – die Fördertechnik, die Regalauslegung, Regalbediengeräte, deren Steuerung und daraus resultierende Abläufe lässt man sich oft von Lieferanten der Intralogistik-Hardware festlegen und verzichtet auf Planung und
Ausschreibung. Ist dieser Weg günstiger oder ist er einfach nur bequemer?

Projekte zur Verbesserung, Neuorientierung oder Ertüchtigung (Retrofit) in Logistik und Lager wurden zum größten Teil ähnlich wie Projekte im Baubereich gehandhabt. Parallel zum Baugewerk, soweit es nötig war, wurden die Lager, deren Technik, deren Abläufe und Ausrüstung geplant. Dabei standen die Anforderungen, die mitunter sehr individuell und unternehmensspezifisch waren, im Mittelpunkt.

Die wesentlichen Schritte, die dabei eingehalten wurden waren:

• Systemfindung
• Grobplanung
• Feinplanung
• Ausschreibung und Vergabe
• Umsetzungsfestlegung
• Umsetzung / Realisierung
• Abnahme
• Betriebseinführung

ähnlich wie Bauten von Architekten geplant, beim Bau beaufsichtigt und letztendlich der Nutzung übergeben werden.

Unternehmen, die Änderungen in ihrer Logistik vornehmen, gehen mittlerweile häufig einen anderen Weg. Sie

1. stellen ihr Standard-ERP in den Vordergrund und / oder
2. lassen sich Angebote von einigen wenigen Anbietern von Logistik-Komponenten machen.

Dabei verzichten sie immer mehr oder weniger stark auf ihre individuellen Abläufe und richten sie nach dem aus, was sie als Standard bekommen oder vorfinden.

Insbesondere bei den ERP hat sich eine starke Konzentration auf ein System ergeben. Andere Systeme gleichen sich an den Marktführer an oder richten sich an den Schnittstellen danach aus. Auch die Hersteller von Kommissioniersystemen, Fördertechnik usw. versuchen möglichst kompatibel zum marktbeherrschenden ERP zu sein.

Die Effekte, die sich daraus ergeben sind, dass „alle Welt“ ähnlich arbeitet und dass Unterschiede kaum noch festzustellen sind. Stammkunden, denen Möglichkeiten und Abläufe fehlen, die früher selbstverständlich waren, werden damit abgefunden, dass die Änderungen systembedingt sind. Manche von ihnen suchen sich Lieferanten, bei denen sie sich individueller behandelt fühlen.
Die Werkzeuge und Grundbausteine von Standardsystemen bestimmen die wesentlichen Ausprägungen der Geschäftsprozesse. Man trennt sich von Stärken, die einen vom Mitbewerb abgehoben haben, in der Hoffnung, „schlanker“ und damit kostengünstiger zu arbeiten.

In den modernen Industrienationen sind die Unternehmen in den meisten Belangen schon so produktiv gestaltet, dass weitere Produktivitätsgewinne schnell zu Lasten von anderen Merkmalen gehen z. B.:

• Kundenzufriedenheit
• Flexibilität
• Mitarbeiterzufriedenheit
• Motivation
• Individualität

Der Gewinn aus solchen Maßnahmen lohnt sich nur, wenn nicht nur die Kostenseite verbessert wird, sondern wenn dabei auch die Einnahmen gleich bleiben oder wachsen. Unternehmen, die ähnlich oder gar genauso wie ihre Mitbewerber arbeiten, sind für die Kunden schnell austauschbar. Die Kunden entscheiden dann nach dem Preis, der Schnelligkeit oder anderen Kriterien. Es entsteht keine Bindung, weil der Kunde immer dort kaufen wird, wo er im Moment den günstigsten Preis oder die schnellste Lieferung zugesichert bekommt.

Ein anderer Aspekt, warum im Rahmen der zentral im Unternehmen gesetzten Standards verblieben wird, wird in folgenden Artikel deutlich
>www.computer-automation.de/managementebene/software-fuer-produktion/news/article/79282/

Darin wird der immer stärker um sich greifende „Wildwuchs“ beklagt, weil die IT-Abteilungen die „Kontrolle über die Geschäftsprozesse verloren haben“. Als Grund wird angegeben: Die Kontrolle wächst den IT-Abteilungen über den Kopf. Geschäftsprozesse ändern sich so schnell, dass die Fachabteilungen nicht mehr rechtzeitig von der IT bedient werden können. Die Fachabteilungen wählen Lösungen und Werkzeuge, die sie ohne IT-Abteilung schnell selbst umsetzen können, was in den Augen der IT zu Wildwuchs führt.

Es stellt zur Zeit niemand die Frage, was wichtiger ist, der passende Geschäftsprozess in der Fachabteilung zur richtigen Zeit oder die Vermeidung von Wildwuchs bei der Wahl der Hilfsmittel durch die Kontrolle der IT.
Die oben unter 2. angeführte Verfahrensweise, ohne Planung direkt an die Anbieter heranzutreten, wird gewählt, weil man annimmt, dadurch Zeit zu sparen oder Entscheider schon eine „Lieblingskonfiguration“ im Kopf haben. Das funktioniert, wenn man Glück hat und den richtigen oder ziemlich richtigen Lieferanten aus den vielen möglichen gewählt hat. Wenn es nicht so ist, treten später eventuell funktionelle Probleme auf und man hat auch wahrscheinlich nicht den günstigsten Preis erzielt.

Eine Ausschreibung zu veröffentlichen dagegen, führt zu 5 bis 10 unterschiedlichen Angeboten, die oft neue Ideen ins Projekt einbringen und mit Sicherheit unterschiedliche Preise ausweisen. Der Aufwand, einen Anforderungskatalog anzufertigen, die Leistung auszuschreiben und erst nach der Bewertung der Angebote den Auftrag zu vergeben, zahlt sich in vielen Fällen schon durch die Preisdifferenzen aus.

Das Verfahren hat darüber hinaus den Vorteil, dass sich daraus, klassisch durch- und fortgeführt, dokumentierte Projekte ergeben. Immer häufiger stellt sich wegen der oben unter 1. beschriebenen Vorgehensweise bei der Lieferung von Systemen heraus, dass das, was geliefert wird, so nicht vom Auftraggeber erwartet wurde. Auftraggeber und Lieferant haben aneinander vorbeigesprochen.
Manche dieser „Missverständnisse“ landen vor Gericht. Dort fällt es dann beiden Parteien schwer, Recht zu bekommen und dem Richter, Recht zu sprechen, weil außer dem Standardangebot und dem Auftrag keinerlei Beschreibungen existieren, aus denen hervorgeht was gewünscht, was genau angeboten, was angepasst und was letztendlich geliefert werden sollte. Es fehlt auch jegliche Grundlage für eine Abnahme.

Zusammenfassung
Lager- und Logistiksysteme auf Grund der ERP-Anforderungen oder nach Auslegung von potentiellen Lieferanten zu beschaffen, haben den Vorteil, dass schneller bestellt und geliefert werden kann. Sie sind „systemkonform“ und entsprechen Standards.

Bei der Verfahrensweise ohne Planung und Ausschreibung ist es nachteilig, dass Standardlösungen Unternehmen an andere, u. U. Mitbewerber-Unternehmen angleichen, Kunden nicht mehr den gewohnten Komfort bieten, Geschäftsprozessanpassungen verzögern oder sogar ausschließen, Akzeptanz bei den Mitarbeitern in Frage stellen kann und dass sich das Unternehmen an die Systemmöglichkeiten anpassen muss.

Ausschreibungen ermöglichen einen Preisvergleich auf abgestimmter Basis und bieten damit Einsparungsmöglichkeiten, die in den meisten Fällen den damit verbundenen Startaufwand mehr als ausgleichen. Die Abwicklung gemäß des klassischen Phasenmodells gewährleistet eine lückenlose Projektdokumentation und damit den Projekterfolg, denn man bekommt das System, das man braucht, das den Anforderungen entspricht und das unternehmensspezifische Geschäftsprozesse passend unterstützt.

Dipl.-Ing. Horst Karbaum
Geschäftsführer der
ACK Software- und Beratungsgesellschaft mbH
Gasenbergstr. 55
D-44269 Dortmund
+49-231-527604
+49-231-527605
Skype: ack_nowledge


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