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Psychokardiologie – Konzept zur ganzheitlichen Prävention, Diagnose und Therapie von Herzerkrankungen

01.12.2006
Kombination aus Kardiologie und Psychokardiologie kann helfen, Herzrisiken effektiv und ganzheitlich zu erkennen und zu bekämpfen

Insgesamt sind im Jahre 2005 knapp 190.000 Menschen in Deutschland an Herzerkrankungen wie der chronisch ischämischen Herzkrankheit, dem akuten Herzinfarkt oder der Herzinsuffizienz gestorben. Damit geht rund jeder vierte Todesfall in Deutschland auf das Konto von Herzerkrankungen, die dadurch seit mehreren Jahren in Folge mit Abstand die Todesursache Nummer eins darstellen.

Seit langem ist bekannt, dass sowohl eine genetische Disposition wie auch bestimmte externe Risikofaktoren die Wahrscheinlichkeit für eine Erkrankung des Herzens deutlich erhöhen können. Zu den so genannten „klassischen“ Risikofaktoren zählen beispielsweise Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Rauchen, erhöhte Cholesterin-Werte, Bewegungsmangel oder Übergewicht. Für Menschen, die ein oder gar mehrere dieser Risiken tragen, lässt sich heute eine recht zuverlässige Aussage darüber treffen, ob es zu einer Herzerkrankung kommen wird, oder nicht. Allerdings lassen sich diese Risikofaktoren nicht bei allen Patienten, die von einer Herzerkrankung betroffen sind, nachweisen: Fast die Hälfte aller Erkrankungen tritt bei Patienten auf, die zu keiner der klassischen Risikogruppen zählen. ´

Psychokardiologie: Neue Sichtweise auf Herzerkrankungen

Durch intensive Forschung und umfangreiche epidemiologische Studien konnte in den vergangenen Jahren gezeigt werden, dass neben den klassischen Risikofaktoren, die Herz und Gefäße direkt organisch schädigen können, auch psychische Faktoren eine große Bedeutung für die Entstehung und den Verlauf von Herzerkrankungen haben. Aus dieser Erkenntnis hat sich vor allem durch das Engagement von Prof. Dr. Jochen Jordan, der an der Goethe-Universität Frankfurt im Fach Psychosomatik lehrt und die neue Klinik für Psychokardiologie am Kerckhoff-Rehabilitations-Zentrum leitet, das neue Fach der Psychokardiologie entwickelt.

Die Psychokardiologie betrachtet als neue und eigenständige Disziplin diejenigen psychosozialen Faktoren, die an Entstehung, Verlauf, Rehabilitation und Verarbeitung kardiologischer Erkrankungen beteiligt sind und diese in ihrem Verlauf beeinflussen können. Die Disziplin kann dabei auf einen äußerst umfangreichen Wissensfundus zugreifen, denn zu keiner anderen medizinischen Fragestellung existieren weltweit mehr methodisch hochwertige Langzeitstudien und Metaanalysen unter psychosozialer Perspektive, wie zu kardialen Erkrankungen und insbesondere zur koronaren Herzerkrankung. Im Rahmen der „Statuskonferenz Psychokardiologie“, die maßgeblich von Prof. Jordan ins Leben gerufen wurde, hat von 1998 bis 2002 ein internationales Gremium aus 38 WissenschaftlerInnen die komplexe Datenlage systematisch analysiert und evaluiert, um psychokardiologisches Wissen auf hohem methodischem Niveau nachprüfbar zu dokumentieren und damit für eine moderne und integrierte Diagnostik und Therapie von Herzerkrankungen verfügbar zu machen.

Psychokardiologie deckt neue Herzrisiken auf
Neben den bekannten klassischen Risikofaktoren hat die Psychokardiologie weitere psychosoziale Faktoren für koronare Herzerkrankungen identifiziert, deren Aussagekraft sowohl für die Entstehung wie auch die Rehabilitation gut belegt ist. So stellt beispielsweise Depressivität einen der stärksten Risikofaktoren für Krankheitsentstehung und Verlauf dar: Für die Depression konnte in vier Metaanalysen gezeigt werden, dass sie für die Entstehung und den Verlauf der KHK ebenso bedeutsam ist, wie das aktive Rauchen. Ähnlich große Bedeutung hat auch die Vitale Erschöpfung, das so genannte „Burn-Out-Syndrom“, das sich auch gehäuft als Frühsymptom bei Menschen vor einem Infarkt zeigt und starke Auswirkungen auf den Verlauf nach Krankheitsbeginn hat. Aber auch Ärger bzw. eine mangelhafte Ärgerbewältigung, chronischer Stress und niedriger sozialer Status haben in den letzten Jahren große Beachtung als risikosteigernde Faktoren erlangt.

Nach Krankheitsbeginn kommt es häufig zu Anpassungs- und akuten oder posttraumatischen Belastungsstörungen, die die Prognose der Rehabilitation verschlechtern und die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen. Depressivität nach einem akuten Herzinfarkt lässt sich beispielsweise bei 20 bis 48 Prozent der Patienten beobachten und kann die erfolgreiche Rehabilitation stark beeinträchtigen. Herzpatienten mit Depressionen zeigen eine bis zu 2,5-fach erhöhte Sterblichkeit als Patienten ohne Depressionen. Herzerkrankungen sind nicht nur für die Betroffenen selbst belastend sondern haben auch deutliche Auswirkungen auf die Partner, die häufig in den ersten 18 Monaten nach einem kardialen Ereignis ebenfalls unter psychosomatischen Störungen leiden und damit in ihrer Fähigkeit des sozialen Rückhalts für den Herzpatienten eingeschränkt sind.

Aber auch die klassischen Risikofaktoren zeigen eine starke Abhängigkeit von Lebensstil, psychosozialen Gegebenheiten und individuellem Verhalten und können daher durch Verhaltensänderung günstig beeinflusst werden. Auch diese Risikofaktoren sind sie für eine psychokardiologische Diagnostik und Therapie hochgradig bedeutsam.

Diagnostische und Therapeutische Möglichkeiten der Psychokardiologie

Die psychokardiologische Diagnostik basiert auf klinischen Interviews, Fragebögen und psychophysiologischen Messungen wie die Bestimmung der Herzfrequenzvariabilität (HRV), die in den vergangenen Jahren als Indikator beispielsweise für Stress und Stressbelastbarkeit große Bedeutung gewonnen hat. Die HRV drückt die Fähigkeit des Herzens aus, die Schlagfrequenz von Schlag zu Schlag zu verändern und ist damit ein Maß für die Anpassungsfähigkeit des Herzens an Belastungen. Je geringer die gemessene HRV, desto größer die Gefahr einer Herzerkrankung. Bei Herzinfarktpatienten lässt sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen HRV und Sterblichkeit zeigen. Gleichzeitig lässt sich die Herzfrequenzvariabilität binnen kurzer Zeit durch gezielte Maßnahmen wie Entspannungstraining, psychotherapeutische Maßnahmen oder körperliches Training positiv verändern. Hier setzen die therapeutischen Instrumente der Psychokardiologie an, die auf der tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und der Verhaltensmedizin basieren. Ziel ist es einerseits, die individuellen Ursachen für bestimmte Erlebnisweisen und Verhaltensstrategien aufzudecken und den Betroffenen dann praktikable Strategien an die Hand zu geben, um in kritischen Alltagssitua-tionen alternative Handlungsmuster zu haben, die die Belastung eines Patienten mindern können. Ergänzend zu diesen Behandlungsverfahren werden Körpertherapie, biofeedback-gestütztes Entspannungstraining, Progressive Muskelentspannung, Massagen und psychoedukative Elemente eingesetzt.

Pressekontakt:
Klinik für Psychokardiologie
Prof. Dr. Jochen Jordan (Leiter der Klinik)
am Kerckhoff-Rehabilitations-Zentrum
Tel.: 06032/999-5450
Fax.: 06032/999-5401
E-mail: j.jordan@kerckhoff-reha.de

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