Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

IFPMA-Studie zum Beitrag der pharmazeutischen Industrie für Entwicklungsländer ist nach Meinung von Experten konservativ

08.03.2006


Prüfung durch London School of Economics: "Hohe Wahrscheinlichkeit der Unterschätzung" bei einer halben Milliarde gesundheitlicher Eingriffe zwischen 2000 und 2005 im Wert von 4,4 Milliarden US-Dollar, aufgezeichnet durch die IFPMA-Studie

Die Abteilung Health & Social Care (Gesundheits- und Sozialwesen) der London School of Economics (LSE) veröffentlichte heute einen formellen Prüfungsbericht zur Health Partnerships Survey (Studie der Gesundheitspartnerschaften), die im vergangenen Jahr von der International Federation of Pharmaceutical Manufacturers and Associations (IFPMA, Internationaler Verband der Pharmazeutikhersteller und -verbände) durchgeführt wurde.

Die im Dezember 2005 von Dr. Daniel Vasella, IFPMA-Präsident sowie Chairman und CEO von Novartis, vorgestellte Health Partnerships Survey hat ermittelt, dass die von der forschenden pharmazeutischen Industrie geschaffenen 126 Gesundheitspartnerschaften in den fünf Jahren seit Bekanntgabe der Millennium-Entwicklungsziele durch die Vereinten Nationen ausreichend gesundheitliche Eingriffe realisiert haben, um bis zu 539 Millionen Menschen zu helfen, was über zwei Drittel der afrikanischen Bevölkerung unterhalb der Sahara entspricht (1). Während dieses Zeitraums hat die pharmazeutische Industrie Medikamente, Impfstoffe, Anlagen, Gesundheitserziehung und Personal im Wert von 4,38 Milliarden USD (2) bereitgestellt, wobei die Kosten der gespendeten Medikamente konservativ an ihrem Grosshandelspreis gemessen wurden.

Dr. Panos Kanavos, leitender Autor des Berichts und Dozent für Internationale Gesundheitspolitik an der LSE, sagte: "Nach gründlicher Prüfung der Originaldaten und einem Vergleich mit öffentlich zugänglichen Informationsquellen sind wir zu dem Schluss gekommen, dass die IFPMA-Studie den Grössenwert des philanthropischen Gesamtbeitrags der pharmazeutischen Industrie zur Verbesserung der Gesundheit von Menschen in Entwicklungsländern konservativ bemisst. Wenn Beiträge schwierig zu quantifizieren waren, wurden sie aus der Gesamtsumme ausgeschlossen, die dadurch sehr wahrscheinlich eine Unterschätzung des Gesamtbeitrags der Branche darstellt. Beispielsweise wurden Investitionen der Unternehmen in Forschung und Entwicklung (F&E) von Tropenkrankheiten, die nur geringfügigen oder keinen kommerziellen Gewinn bringen, nicht gezählt."

Er sagte weiter: "Soweit wir feststellen konnten, stellt diese Studie den ersten Versuch einer gesamten Branche dar, ihre Rolle in der Partnerschaft zum Erreichen der Millennium-Entwicklungsziele global einzuschätzen. Damit wird eine Messlatte geschaffen, die von anderen wichtigen Branchen als Orientierung verwendet werden und diese zur Bewertung ihres eigenen Engagements für Entwicklungsländer ermutigen könnte."

Die Autoren des LSE-Berichts haben empfohlen, dass die IFPMA die Studie auf regelmässiger Basis unter Verwendung einer einheitlichen Methodologie wiederholt, um einen aktuellen Nachweis über das gesamte Engagement der Branche für die Millennium-Entwicklungsziele zu erbringen. Sie sind darüber hinaus der Meinung, dass die Entscheidung für den Ausschluss der Ausgaben für F&E im Sektor vernachlässigter Krankheiten, die Menschen in Entwicklungsländern überdurchschnittlich betreffen, zur Unterbewertung des Gesamtbeitrags der Branche beigetragen hat und dass die Einbeziehung dieser F&E-Investitionen ein willkommener Zugang für zukünftige Studien sein würde.

(1) Die Studie mass die Anzahl der potenziell Hilfe erhaltenden Menschen durch Zählung (a) der Lieferung von ausreichend Medizin, um eine Person von einer Krankheit zu heilen, (b) die Bereitstellung einer Therapiekur, die ausreicht, um eine Funktionsstörung bei einer Person ein Jahr lang zu behandeln, (c) die Bereitstellung von ausreichend Impfstoffen, um eine Person für mindestens ein Jahr gegen eine Krankheit zu immunisieren, oder (d) die Lieferung eines bewährten Programms zur Gesundheitserziehung für eine Person. Diese Kennziffern wurden benutzt, weil die Unternehmen zwar die Anzahl der Dosen kennen, die sie zur Verfügung stellen, aber über die Anzahl der real behandelten Patienten eine weniger genaue Übersicht haben. Die Gesamtzahl der Menschen, die gesundheitliche Hilfe erhalten, müsste verringert werden, wenn die Personen mehr als einmal durch dasselbe Programm behandelt werden oder von mehr als einem Programm Hilfe erhalten, doch ist dies sehr schwierig zu quantifizieren.

(2) Diese Bewertung umfasst Bargeldspenden, gespendete Medikamente, Diagnostik und Impfstoffe (gemessen am Grosshandelspreis) und andere Sachspenden, wie die direkte Bereitstellung von Diensten des Gesundheitswesens, Erziehung und Ausbildung sowie Infrastrukturentwicklung und -Support ausschliesslich für Entwicklungsländer (die 153 Länder, die die Weltbank als Länder mit geringem oder mittlerem Einkommen klassifiziert). Ausgenommen hiervon ist der entgangene Wert durch zu Vorzugspreisen verkaufte Medikamente und jene Hilfe, die im Rahmen von langfristigen Entwicklungsprogrammen im Bereich Gesundheit in anderen Ländern geleistet wurde, sowie alle Notfallhilfen der Branche bei Naturkatastrophen in entwickelten Ländern (Bsp.: Hurrikan Katrina) oder Entwicklungsländern (Bsp.: der Tsunami im Indischen Ozean). Ausgenommen sind ferner Ausgaben für F&E im Sektor vernachlässigter Krankheiten, die Menschen in Entwicklungsländern überdurchschnittlich betreffen.

Informationen zur IFPMA:

Der Internationale Verband der Pharmazeutikhersteller und -verbände ist eine weltumspannende Nichtregierungs- und Non-Profit-Organisation, die forschende pharmazeutische, biotechnische und Impfstoffunternehmen sowie nationale Industrieverbände sowohl aus Industrie- als auch aus Entwicklungsländern vertritt. Im Bereich Forschung und Entwicklung arbeitet die Branche an hunderten neuen Arzneimitteln und Impfstoffen, um eine breite Palette globaler Krankheiten wie Krebs, Herzkrankheit, HIV/AIDS und Malaria zu bekämpfen. Das IFPMA-Portal für klinische Studien und die Health Partnerships Survey der IFPMA erhöhen die Transparenz der Aktivitäten in dieser Branche. Die IFPMA stärkt ausserdem die Patientensicherheit durch Verbesserung der Risikobewertung von Arzneimitteln und Bekämpfung ihrer Fälschung. Der Verband fungiert darüber hinaus als Sekretariat für die Internationale Konferenz zur Harmonisierung der technischen Anforderungen an die Zulassung von Humanarzneimitteln (ICH).

Guy Willis | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.ifpma.org

Weitere Berichte zu: Entwicklungsland Health IFPMA IFPMA-Studie Impfstoff

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Zirkuläre Wirtschaft: Neues Wirtschaftsmodell für die chemische Industrie?
28.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Unternehmen entwickeln sich zu Serviceanbietern
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Neptun regnet es Diamanten: Forscherteam enthüllt Innenleben kosmischer Eisgiganten

21.08.2017 | Physik Astronomie

Ein Holodeck für Fliegen, Fische und Mäuse

21.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Institut für Lufttransportsysteme der TUHH nimmt neuen Cockpitsimulator in Betrieb

21.08.2017 | Verkehr Logistik